Ausverkaufter Bürgersaal

Vom Bürgersaal nach Venedig - Märkisches Zupforchester erhält viel Applaus für Konzert

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Kirsten Amrhein und Saily Schulte-Moredo spielten im Duett Czardas von Vittorio Monti.

Herscheid - Gespielt haben sie schon in der Aula der Rahlenbergschule, in der Apostelkirche und mehrmals im Bürgersaal des Rathauses. Auch am Sonntag bot das Märkische Zupforchester zahlreichen Gästen ein hervorragendes Konzert.

Das Konzert begann mit Chaconne, ein Tanz und eine musikalische Variations-Form die ihre Blüte im späten 16. bis 18. Jahrhundert hat, in a-Moll von Hermann Ambrosius. Das Stück ist explizit für Zupforchester geschrieben und bot somit einen guten Einstieg für die Besucher, die an diesem Abend ein Zupforchester kennenlernen wollten. Unter der musikalischen Leitung von Kirsten Amrhein zeigten die 16 Musiker, dass Zupfinstrumente im Zusammenklang einen Hörgenuss der Extraklasse bieten können.

Kirsten Amrhein hatte nicht nur die Leitung, sondern übernahm auch die Moderation. Passend zu den mitgebrachten Musikinstrumenten trug sie anfangs ein Gedicht von Roman Herberth über die Gitarre vor, das die Besucher zum Schmunzeln brachte. Das Ende lautete: „...so halte ich ihr gern die Treue, doch sie macht einen Saitensprung.“ Dass so etwaswirklich passieren kann, wurde ein paar Stücke später unfreiwillig bewiesen.

Andächtige Stille herrschte im ausverkauften Bürgersaal, als Uwe-Carsten Obier auf seiner 11-saitigen Altogitarre ein Prelude in c-Moll von Johann Sebastian Bach vortrug. Nach dem letzten Ton und einen Atemzug weiter erhielt er den verdienten Applaus.

„Musik muss nicht immer ernst sein“, sagte Kirsten Amrhein. In einem kleinen Musikerwitz erzählte sie eine tragische Familiengeschichte von der Tochter, zu der jemand anfangs sehr beethövlich, dann mozärtlich und irgendwann Reger wurde. Sie konnten sich nicht mehr brahmsen, haben nun einen Mendelssohn und wissen nicht wo Hindemith. Eine schöne Überleitung zu der „Kleinen Lachmusik“, in der eingebettet in der „Kleinen Nachtmusik“ die verschiedensten Ohrwürmer mit hohem Erkennungswert eingebettet waren. Beispiele sind Du, du liegst mir im Herzen; Jeder Eseltreiber hat oan Kugelschreiber, aber unsereiner der hat nix; Ach wie so trügerisch oder In München steht ein Hofbräuhaus.

Viele Besucher waren zum Konzert des Zupforchester gekommen.

Der Czardas schlechthin ist der von Vittorio Monti, den Kirsten Amrhein (Mandoline) und Saily Schulte-Moredo (Gitarre) interpretierten. Sonst von Klavier und Geige gespielt, überzeugten beide mit ihren Instrumenten. Mit einem lautstarken Applaus ging es mit Kaffee, Kuchen und Getränken in die Pause. Von Sarah Zajusch, der mehrfachen ersten Preisträgerin beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, haben einige schon viel gelesen. Bei dem Konzert konnten die Besucher sie live erleben. Die anderen Musiker überliesen ihr die Bühne, damit die Gäste sich ganz auf ihre Person und den von ihr auf ihrer Mandoline gespielten Love Song op.275 von Carlo Munier konzentrieren konnten. Man fühlte sich nach Venedig versetzt – nur eine Gondel samt Gondolieri fehlte. Es war ein musikalisches Erlebnis, das nicht nur vom Publikum, sondern auch von ihren Kollegen begeistert aufgenommen wurde.

Gemeinsam spielten sie den Bolero op.26 von Raffaele Calace mit seinen typischen besinnlichen, romantischen und schnellen Anteilen. Das ganze Können brachte das Orchester mit „The Song of my twinkle Star“ von dem japanischen Mandolinisten und Komponisten Yasuo Kuwahara zum Ausdruck. In drei Teilen erzählte er eine Geschichte, in die jeder seine eigenen Gedanken einbringen konnte. Typisch waren Anteile von russischen Balalaikas oder italienischen Gondolieri. Nicht zu verkennen war auch „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ im dritten Teil der Komposition, der manchen zum Schmunzeln brachte.

Aus Havanna stammt die selten ernste, aber ernst zu nehmende und sehr gute Gitarristin Saily Schulte-Moredo. Mit der „Sonata en A Dur“ von Domenico Scarlatti, eigentlich für das Klavier komponiert, konnte Schulte-Moredo aber mit ihrem Gitarrensolo voll überzeugen. Mit „Latin Groove“ von Dieter Kreidler, einem klassischen Gitarristen und Komponisten, ist ein Stück zum Träumen und Mitwippen gelungen, das wunderschön vom Zupforchester umgesetzt wurde. Ohne eine Zugabe, in diesem Fall war es „Danza Cubana“ von Dominik Hackner, durften die 16 Musiker nicht den gelungenen Nachmittag beschließen. Besonderer Dank des Orchesters galt dem aus Hamm neu hinzugekommenen Bassisten Burkhard Umlauf, der eine große Lücke schließt.

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