Der Kandidat privat

Bürgermeisterwahl in Herscheid: Uwe Schmalenbach (parteilos) im Porträt

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Der Haushalt der Familie Schmalenbach ist größtenteils in Frauenhand, doch das Grillen ist Chefsache. Da gönnt sich Tochter Lara Marie gern eine kleine Pause in der Hängematte, während ihr Vater zur Zange greift. Fleisch, Pizza, Fisch, Wurst – Uwe Schmalenbach gelingen viele Leckereien: „Nur den Flammkuchen muss ich nochmal üben.“

Er verbringt mehr Zeit im Dienste der Gemeinde, als daheim mit seiner Familie. Ganz gleich ob Mammutsitzungen am Abend oder Termine am Wochenende: Privates muss hintenanstehen, wenn die Pflicht ruft. Bürgermeister zu sein ist kein Beruf wie jeder andere – insbesondere, wenn man, wie Uwe Schmalenbach, so tief in einer Gemeinde verwurzelt ist.

Herscheid – Bei einer Tasse Kaffee („Schwarz, das macht es einfach“) und einem Stück russischen Zupfkuchen erzählt er von seinem Alltag als Oberhaupt einer 7 000-Einwohner-Gemeinde. In dieser sei es schwierig, Beruf und Freizeit voneinander zu trennen. Wenn er im Dorf unterwegs ist, kann es schon mal länger dauern. „Das ist ja gut, dass ich dich hier treffe“, so beginnen viele zufällige Gespräche. Und dann geht es um persönliche Anliegen, Probleme von Vereinen oder aktuelle Themen aus dem Dorf.

Rund um die Uhr Bürgermeistersprechstunde also? „Das muss so sein, in einem solch kleinen Ort“, hat Schmalenbach stets ein Ohr für die Bevölkerung. Als Belastung empfindet er diese ständige Präsenz nicht. Er sieht sie als Möglichkeit, auf die Bedürfnisse der Bürger einzugehen, und als Chance, seiner Gemeinde etwas zurückgeben zu können. Nicht ohne Grund ist er Mitglied in vielen heimischen Vereinen, arbeitet ehrenamtlich in sechs Vorständen.

In die Ferne hat es ihn nie gezogen

Dieses uneigennützige Engagement ist zurückzuführen auf Schmalenbachs Vergangenheit, die stets mit Herscheid in Verbindung stand. In die Ferne habe es ihn nie gezogen, sein Glück fand er quasi direkt vor der Haustür. Deswegen sagt er mit einem Lächeln: „Ich bin noch nicht weit gekommen.“

Diese Aussage ist nicht bildlich, sondern wörtlich zu verstehen. Denn aufgewachsen ist er nur wenige Meter von seinem jetzigen Zuhause (Am Blumenhang) entfernt, im Elternhaus an der Straße Im Uerp. In Zeiten, da die Herscheider Umgehungsstraße noch Zukunftsmusik war, erlebte der junge Uwe seine Heimatgemeinde als idealen Ort zum Heranwachsen.

Eine Einstellung, die sich im Laufe der Jahrzehnte bis heute trotz baulicher Veränderungen, technischer Neuerungen und gesellschaftlichem Wandels nicht ändern sollte: Die Gemeinde als attraktiver Wohnort für alle Generationen zu bewahren, zählt zu den wichtigsten Anliegen des Bürgermeisters. Dafür sieht er gute Chancen, denn: „Es fehlt hier an nichts“, sagt er über Herscheid. Wenig verwunderlich, dass Schmalenbach seine Heimat nie über einen längeren Zeitraum verlassen hat.

Seine Begeisterung für Technik nutzt Uwe Schmalenbach auch in seiner knapp bemessenen Freizeit. Als engagiertes Mitglied der DLRG Herscheid betreut er seit Einführung des 24-Stunden-Schwimmens im Jahr 1997 die Turnierleitung.

Beim Urlaub wird er oft überstimmt

Und wenn doch, dann ging es in den Urlaub mit der Familie. Ähnlich wie im Rathaus fällt man Entscheidungen daheim stets demokratisch. 2:1 heißt es häufig zugunsten seiner Frau Alexandra und seiner Tochter Lara Marie, wenn es um das Wunschziel geht. Während es Papa Uwe im Winter und im Sommer in die Berge zieht, bevorzugen die Damen zumindest in den warmen Monaten Wasser, also Meer und Strand. Das Element Wasser verbindet die Schmalenbachs, nicht nur, weil sie wenige Gehminuten vom Freibad entfernt wohnen. Alle drei gehören der DLRG-Ortsgruppe an, sind aktive Rettungsschwimmer, helfen bei Festen und Aktionstagen.

Beinahe wäre er Reporter geworden

Eine Tätigkeit, die übrigens beinahe dazu hätte führen können, dass der Bürgermeister Reporter geworden wäre. Denn als Jugendwart gestaltete Uwe Schmalenbach Artikel des Schwimmernachwuchses für die Heimatzeitung. Als in der neunten Klasse der Plettenberger Realschule das Praktikum bevorstand, wollte er eigentlich in den Journalismus hineinschnuppern. Doch Klassenlehrer Jochen Weber empfahl ihm ein Praktikum bei der Stadtverwaltung in Plettenberg.

Drei Wochen lang begleitete er Frank-Ulrich Sohn im Sportamt. „Die Arbeit hat mir gut gefallen und am Ende wusste ich, was ich werden wollte.“ Er bewarb sich – natürlich bei der Gemeinde Herscheid – und erhielt an Heiligabend 1987 den erhofften Bescheid: Im Sommer darauf begann er seine Verwaltungsausbildung; Weiterbildungen, ein verwaltungswissenschaftliches Studium und die Berufung in den gehobenen Verwaltungsdienst folgten.

Viele Projekte noch nicht vollendet

Heute, 32 Jahre später, steht er an der Spitze des Rathauses, strebt bei der Wahl am Sonntag seine dritte Amtszeit an. Auch wenn sein Job eine hohe zeitliche Beanspruchung mit sich bringt – Uwe Schmalenbach will sich auch weiterhin dieser Herausforderung stellen. Denn auch in diesem Fall gilt: „Ich bin noch nicht weit gekommen.“ Bedeutet: Der Bürgermeister will viele Projekte, die er bereits angestoßen hat, weiterverfolgen und umsetzen. Er will die Entwicklung seiner Heimatgemeinde begleiten, die Weichen für die Zukunft stellen. Und er freut sich schon auf viele weitere Gespräche auf der Straße – über seine Arbeit im Rathaus und über sein Herscheid.

Steckbrief zu Uwe Schmalenbach

Uwe Schmalenbach, 48 Jahre alt, ist seit 1999 verheiratet  mit Ehefrau Alexandra. Die gemeinsame Tochter  Lara Marie ist 14 Jahre alt. Zu seinen bevorzugten Freizeitbeschäftigungen zählen: Schwimmen, Skifahren und Gartenarbeit. In der heimischen Hängematte schaltet er bei guter Musik auf den Kopfhörern ab – von Rock über Pop bis Klassik  ist alles dabei. CDs oder Platten hat er jedoch nicht. „Bei mir wird alles gestreamt“, sagt der technikaffine Schmalenbach, der ab dem ersten Tag einer sehr wahrscheinlichen neuen Amtsperiode papierlos arbeiten will  und Notizen fortan auf dem Tablet machen möchte. Weniger Interesse zeigt er an gängigen TV-Formaten: „Ich hasse Fernsehserien, das ist überhaupt nicht mein Ding. Denn Fortsetzungsfolgen kann ich ja eh nie sehen.“

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