Bürgermeister schließt Erweiterungsflächen für vorhandene Firmen nicht aus

„Friedlin-Süd“ nicht vom Tisch

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Vis-à-vis zum Friedliner Ortskern sollen zwar keine neuen Industriebetriebe angesiedelt werden, das hat der Rat beschlossen. Bestünde bei den bereits vorhandenen Firmen im Industriegebiet jedoch Erweiterungsbedarf, dann möchte Bürgermeister Uwe Schmalenbach nicht im Vorhinein ausschließen, dass auf der grünen Wiese doch zusätzliche Hallen entstehen.

Herscheid - Im zweiten Teil unseres Sommerinterviews spricht Bürgermeister Uwe Schmalenbach mit Redakteur Dirk Grein über sein Nutzungsverhalten im Internet und über das Industriegebiet Friedlin.

Die Arbeiten für das Neubaugebiet am Rahlenberg haben begonnen. Welchen Einfluss kann dieses Wohngebiet auf die demografische Entwicklung der Gemeinde haben? 

Schmalenbach: „Das Neubaugebiet trägt sicherlich zu einem gewissen Teil zu einer Stabilisierung bei. Angesichts von etwas über 30 Bauplätzen wird es nicht zu einer erheblichen Veränderung für die gesamte Gemeinde beitragen. Aber es ist natürlich noch einmal eine Chance, junge Familien nach Herscheid zu bekommen. Wir haben das erste Grundstück verkauft, die weiteren Notarverträge sind im Verfahren.“ 

Vor einigen Jahren waren die Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung in Herscheid aber wesentlich düsterer oder nicht?

 Schmalenbach: „Der Rückgang ist in der Tat nicht mehr so dramatisch, wie man das vor sieben, acht Jahren noch gesehen hat. 2009 hatten wir landesweit in Nordrhein-Westfalen mit 34 Geburten die geringste Geburtenzahl. So sieht unsere Perspektive im Moment zwar nicht aus, trotzdem geht es leicht nach unten. Wir haben zumindest eine Stabilisierung bei den Zu- und Wegzügen erreicht, dabei haben wir sogar ein leichtes Plus erreicht, insbesondere in der Altersgruppe der jungen Familien. Die Geburtenrate bleibt aber weiter auf einem niedrigen Niveau, bei etwa 50 Geburten pro Jahr. Insgesamt ist der Bevölkerungsverlust aber nicht so stark, wie befürchtet wurde.“ Während am Rahlenberg gebaut wird, wurde dem Ausbau des Industriegebiets Friedlin-Süd eine Absage erteilt. 

Waren Sie überrascht von dem Gegenwind aus den Reihen der Anwohner? 

Schmalenbach: „Es ist ja immer so, dass es bei vielen Dingen unterschiedliche Interessen gibt. Ich bin aber der Meinung, dass wir als Gemeinde letztlich alle Interessen berücksichtigen müssen. Wir müssen auch die Betriebserweiterungsmöglichkeiten für die vorhandenen Betriebe sehen. Ich halte es für falsch, vorhandenen Betrieben eine klare Absage zu erteilen, dass überhaupt nichts mehr geht. Man muss dann immer versuchen, nach Lösungen zu suchen und Kompromisse zu finden. Dass man nun dieses Gebiet aus dem kreisweiten Konzept rausnimmt, ist kein Problem. Es gibt ja am Standort noch Erweiterungsflächen. Aber wenn die aufgebraucht sind, dann muss man sich das im Einzelfall noch einmal ansehen. Man muss ja dort keine neue Firma ansiedeln, aber den am Standort verwurzelten Firmen sollte man zumindest doch ermöglichen, dass sie dort auch bleiben können.“ 

Also ist „Friedlin-Süd“ noch nicht ganz vom Tisch? 

Schmalenbach: „Ich sehe jetzt nicht die Notwendigkeit, dort einen Bereich auszuweisen. Aber wenn ein einzelner Betrieb dort eine Nachfrage hat, dann finde ich, muss man im Einzelfall mit dem Betrieb reden. Und dann sollte man dem keine generelle Absage erteilen. Das heißt aber jetzt nicht, dass dann dafür große Flächen benötigt werden. Man muss wie immer versuchen, alle Interessen zusammenzubringen. Für die grundsätzliche Planung reicht es sicherlich, Erweiterungsflächen im oberen Teil Friedlins oder im Bereich Hüinghausen auszuweisen.“

Vor diesem Hintergrund: Wie realistisch sehen Sie die Chancen, dass das vom Kreis angestoßene Gewerbeflächenkonzept in dieser Form umgesetzt wird? 

Schmalenbach: „Ich bin gespannt, wie die Reaktion darauf sein wird, wenn der Kreis mit diesem Konzept beim Land aufschlägt. Wir können mit unseren Planungen ja nur dann tätig werden, wenn das Land die Grundlagen dafür schafft; dafür müsste der Gebietsentwicklungsplan erstmal diese Flächen vorsehen. Da ist das Land gefragt. Insofern muss man sehen, dass man mit den vorhandenen Betrieben Lösungen findet. Es wäre schlimm, wenn wir eine Firma deswegen an eine Nachbarstadt verlieren würden.“ Eine Lösung gibt es bereits in puncto Breitbandausbau für die Firmen in Friedlin. 

Wann erhalten die Bürger Zugang zu schnellerem Internet? 

Schmalenbach: „Die Bürger in Friedlin können bereits von diesem Ausbau profitieren und über die Telemark, die die Erschließung dort vorgenommen hat, einen entsprechenden Breitbandanschluss erhalten. Was das kreisweite Verfahren angeht, dem sich die Gemeinde für ganz Herscheid angeschlossen hat, läuft die Ausschreibung durch den Kreis.“ 

Wie intensiv nutzt der Bürgermeister schnelles Internet und soziale Medien? 

Schmalenbach: „Ich komme ohne Emails und Internet genausowenig aus wie jeder andere auch. Ich komme allerdings meistens mit den vorhandenen Bandbreiten aus, weil ich das Internet nicht für das Streamen von Video- oder Fernsehangeboten nutze.“ 

Weiterer Teil folgt.

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