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„Bücher sind schreibende Medizin“: Ein Psychotherapeut über seine Liebe zum Schreiben

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Von: Volker Halbhuber

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Der Wipperfürther Schriftsteller Tom Saller kam auch mit seinem neuesten Roman nach Herscheid.
Der Wipperfürther Schriftsteller Tom Saller kam auch mit seinem neuesten Roman nach Herscheid. © HALBHUBER

Mit „Wenn Martha tanzt“ stürmte der Wipperfürther Schriftsteller Tom Saller 2018 gleich mit seinem Erstlingswerk in die Spiegel-Bestsellerlisten. 2019 folgte mit seinem Werk „Ein neues Blau“ sein zweiter Roman. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der 55-jährige Arzt mit „Julius oder die Schönheit des Spiels“ sein mittlerweile drittes Buch.

Herscheid – Und auch mit seinem dritten Werk kam Saller zur Lesung nach Herscheid. Volker Halbhuber traf den Schriftsteller vor der Lesung in der Aula des Bildungszentrums am Rahlenberg.

Jedes Ihrer Bücher haben Sie mit Lesungen in Herscheid vorgestellt – ein gutes Pflaster für Sie? Das ist richtig, mit jedem Buch war ich hier zu Gast. Das haben nur wenige Orte geschafft. Ich fühle mich wohl hier und komme gerne.

Gleich mit dem Erstlingswerk in die Bestsellerlisten durchzustarten ist schon selten. Hat es Druck auf Sie ausgeübt? Mit „Wenn Martha tanzt“ gleich in die Bestsellerlisten zu kommen war schon ein unglaubliches Glück. Der Bekanntheitsgrat ist enorm gestiegen und ich bekam 90 Prozent positive und rund zehn Prozent negative Rezensionen. Und wie das so ist, so nimmt man leider die zehn Prozent mehr mit in die nächsten Werke. Aber ich muss sagen, dass ich heute besser schreibe als vor fünf oder sechs Jahren.

Kamen bei den negativen Bewertungen auch kreative Vorschläge zur Verbesserung? Nein. Meistens waren es Bewertungen einzelner Sätze, in die dann irgendetwas hineininterpretiert wurde, vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Ein Roman besteht aus 400 Seiten und nicht aus einzelnen zu interpretierenden Sätzen. Man sollte aus meiner Sicht mehr auf die Sprache abheben. Aber eigentlich möchte ich diese zehn Prozent gar nicht mehr beachten.

Aber: 90 Prozent positive Rezensionen klingen für einen Laien auch sehr viel? Das ist sicherlich so.

Inwieweit hat Sie die Corona-Pandemie in Ihrer Arbeit eingeschränkt? Was Lesungen und öffentliche Auftritte betrifft war es katastrophal. Leider musste unter anderem ein Auftritt bei der Leipziger Buchmesse abgesagt werden. Allerdings schreibe ich ja nur nebenberuflich. Meine Therapie-Praxis habe ich in der Corona-Zeit weitergeführt. Daher hatte ich weder weniger noch mehr Zeit zum Schreiben.

Wie trennen Sie die Arbeit als Arzt von der als Schriftsteller? Schreiben ist wirklich etwas eskapistisches: Man beamt sich quasi in eine andere Welt. Nach meiner ersten Buchveröffentlichung habe ich aber eine Wechselwirkung in Zusammenhang mit meiner Arbeit als Arzt bemerkt. Ich wähle Worte nun in der Praxis anders. Man könnte auch sagen: Die Praxis ist die sprechende Medizin, die Bücher sind eine schreibende Medizin.

Sie haben bisher nur Romane geschrieben. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, eventuell auch unter einem Pseudonym, Krimis zu schreiben? Darüber haben wir, der Verlag und ich, diskutiert. Ich habe kein Problem damit, auch mal das Genre zu wechseln. Allerdings habe ich für mich beschlossen, dass alle meine Bücher auch unter meinem Namen veröffentlicht werden.

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