Naturexperte rät zu einer Mischung aus heimischen Baumarten

Kampf gegen den Borkenkäfer ist verloren: So sieht unser Wald der Zukunft aus 

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Kahlschlag am Böllenberg: Aus der Luft wird das Ausmaß der Käferschäden in den heimischen Wäldern besonders deutlich.

Der heimische Wald verändert sich aktuell extrem und könnte bald nicht mehr wiederzuerkennen sein. Sommerhitze, Stürme, Schädlinge – all das macht ihm schwer zu schaffen. 

Herscheid - Passend dazu luden die Herscheider Grünen unter dem Motto „Das Problem Borkenkäfer: Was jetzt passieren muss“ zu einer Exkursion mit Adalbert Niemeyer-Lüllwitz, Biologe vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), ein. Um zusätzlich noch die Perspektive der unmittelbar Betroffenen einzubringen, begleitete auch Herscheids Hegeringleiter und Waldbesitzer Dr. Matthias Dunkel die Gruppe bei ihrer Tour rund um den Böllenberg, wo sich das Landschaftsbild derzeit besonders stark wandelt. An vielen Stellen entstehen unübersehbar große Kahlflächen.

„Die Katastrophe ist schon da. Die Fichten sind kaputt“, machte Dunkel das Problem unmissverständlich klar. Hätte man die Borkenkäfer-Plage aufhalten können? „Nein“, sagt BUND-Mitglied Niemeyer-Lüllwitz. Mit dem Sturm Friederike habe 2018 alles angefangen. Danach folgten drei Hitzesommer mit enormer Trockenheit und damit sich zu rasant ausbreitende Borkenkäfer. 

Die Kahlflächen sind unübersehbar und werden immer größer.

Die Ursache dafür liege jedoch nicht im Wald selbst, sondern vielmehr in der globalen Erwärmung, betonte der Experte. Für ihn ist klar: „Wir haben eine Klimakrise. Wer Umweltschutz betreibt, hilft letztendlich auch dem Wald.“ Wie es um dessen Zustand vor der eigenen Haustür bestellt ist, schaute man sich unter anderem im Bereich des Herscheider Kriegerdenkmals an. Hier komme die Eiche „noch relativ gut zurecht“, stellte Adalbert Niemeyer-Lüllwitz nach einem ersten prüfenden Blick erfreut fest. Ähnliches gelte für den Bergahorn, der momentan auch keine Sorgen bereite. Am Fuße des Böllenbergs lassen sich zudem Buchen finden. „Nichts außer Brennholz“, kommentierte Dr. Matthias Dunkel die einzige Funktion dieser Baumart. Für das Bauen mit Holz also eher ungeeignet. 

Die Fichte sei dagegen gut und schnell zu verarbeiten. Dieses Holz wird seit einigen Monaten in großen Mengen vor allem nach China exportiert. Die Folge: „In vier, fünf Jahren werden wir kein heimisches Holz mehr auf dem Markt haben. Dann müssen wir importieren und kaufen das verarbeitete Holz aus China“, blickt Dunkel bereits voraus.

Doch was lässt sich jetzt unternehmen? In Zukunft brauche man eine Mischung verschiedener, überwiegend heimischer Baumarten. Die Buche könne dabei sein. „Dazu Stieleiche, Süßkirsche, Bergahorn, Esche“, nannte Adalbert Niemeyer-Lüllwitz ein paar Beispiele. Abgeraten werde von der aus Nordamerika stammenden Douglasie, die etwa im Teutoburger Wald mit einem Pilzbefall zu kämpfen habe. 

Sein Rat lautet: Naturpotenziale nutzen und nicht nur neu anpflanzen. Dafür sollten auch ein paar „tote Bäume“ für Vögel und Käfer stehen bleiben, um somit den Artenschutz und die biologische Vielfalt zu stärken. Mit den Fichten lasse sich sowieso kaum noch Gewinn machen, so Waldbesitzer Dunkel, der auch auf seinen Flächen am Böllenberg längst nicht alles abholzen lässt. Dem Appell von Forstamt und Forstbetriebsgemeinschaft, Käferbäume so schnell wie möglich zu fällen, habe er daher widersprochen.

BUND-Experte Adalbert Niemeyer-Lüllwitz nahm den heimischen Wald genauer unter die Lupe.

„Es gibt sogar extreme Naturschützer, die sich über den Borkenkäfer freuen, weil die Schäden zu einem radikalen Waldumbau weg von Monokulturen und hin zu Mischwaldbeständen mit ökologischer Stabilität und Nachhaltigkeit zwingen“, erklärte BUND-Experte Niemeyer-Lüllwitz. Die Gesellschaft müsse letztlich entscheiden, welche Funktion der Wald künftig erfüllen soll. 

Holzlieferant, Lebensraum, Erholungsort, Wasser- und CO2-Speicher – der Naturschützer wünscht sich eine möglichst vielfältige Verbindung. Dies hänge aber vom Klimawandel ab: „Wenn die globale Erderwärmung um vier oder fünf Grad steigt, könnte es hier auch gar keinen Wald mehr geben.“

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