Extremer Wandel steht bevor

Borkenkäfer-Ausbreitung wird kurzfristig für Kahlflächen im Wald sorgen

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„Das sieht aus wie eine Landkarte“, wundern sich die Kinder beim Betrachten dieser Baumrinde, auf der Spuren des Borkenkäfers zu erkennen sind.

Herscheid – Ein brisantes Thema kindgerecht zu erklären, vor dieser Herausforderung stand Markus Gumpricht. Der Naturschutzwart des SGV Herscheid führte die Wanderung der Holiday Kids an und ging dabei auf die Borkenkäfer-Epidemie in den heimischen Wäldern ein.

„Vor einem Jahr haben wir hier gestanden und uns gefragt, ob das gut gehen kann. Heute wissen wir, dass die Auswirkungen der Trockenheit katastrophal werden“, erinnerte Gumpricht an die Exkursion im Vorjahr. Von der Schmachtekorste aus zeigte er den Kindern den Ausblick auf befallene Fichten am Böllenberg. 

Dort werden ganze Bestände dem Borkenkäfer zum Opfer fallen – und das sei an vielen Stellen in Herscheid ähnlich. Ein extremer Wandel in der Landschaft stehe unmittelbar bevor. Die Wälder müssten aufgeforstet, erkrankte und abgestorbene Bäume rasch gefällt werden. Dieser Vorgang dürfte Kahlflächen wie einst nach dem Sturm Kyrill (2007) zur Folge haben. 

Der Anteil der Fichte, die heute noch einen Großteil der Nadelhölzer in Herscheid ausmache, werde drastisch zurückgehen. Andere Baumarten wie Kiefer, Lärche, Douglasie oder auch Laubbäume wie Eiche und Buche sollten gepflanzt werden, rät Gumpricht. Eine zentrale Aufgabe bestehe aktuell darin, zu prüfen, an welchen Stellen Fichten noch Sinn machen und wo nicht. 

Blick von der Schmachtekorste auf den Böllenberg: Ganze Fichtenbestände sind vom Borkenkäfer befallen und müssen daher gefällt werden.

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Gumpricht zeigte den Ferienkindern ein Stück Baumrinde. „Das sieht ja aus wie eine Landkarte“, rief ein Junge erstaunt. Die entdeckten Linien waren allerdings nicht gezeichnet, sondern Spuren des Borkenkäfers. 

Dieser habe ein Gespür für geschwächte Bäume, sagte Gumpricht. Habe der Schädling einen Baum angebohrt und sich in der Rinde eingenistet, sei er nicht mehr zu vertreiben. Die einzige Waffe, die ein vitaler Baum besitze, sei das Harz, eine Art Klebstoff gegen Befall. 

Dieses könne er jedoch nur gegen die Schädlinge einsetzen, wenn er ausreichend Flüssigkeit aus dem Boden ziehen kann. Genau das ist aber seit Monaten nicht der Fall gewesen. Im Durchschnitt fallen in Herscheid pro Quadratmeter 1 200 Liter Niederschlag. Im Vorjahr waren es etwa 750. Wie viel dies ist und wie viel fehlt, veranschaulichte der Naturschutzwart mit einem abgesteckten Quadrat und zwei Tetra Paks Milch. 

SGV-Naturschutzwart Markus Gumpricht erklärte die Probleme des Waldes auf kindgerechte Weise.

Zusätzliches Problem sei der Zeitraum des Niederschlags: Der wenige Regen fiel verstärkt im Dezember und Januar – und somit im Winter, wenn die Bäume kaum wachsen. Hinzu kommen die hohen Temperaturen im Sommer, die eine rasante Ausbreitung der Borkenkäfer begünstigen. In Summe „hält das der Wald nicht über Jahre aus“, erklärte Gumpricht. 

Auch im weiteren Verlauf des gestrigen Spaziergangs wurden die Auswirkungen der Trockenheit sichtbar: Im Naturschutzgebiet „Auf dem roten Schlote“ etwa sei das Moor dringend auf Wasser angewiesen. In diesem sensiblen Gebiet wächst die Wacholder-Bergheide und die Perlmutterfalter sind dort beheimatet. 

Der SGV-Naturschutzwart wünschte den Holiday Kids zwar abschließend noch eine schöne Ferienzeit. Dennoch bat er um Verständnis darum, dass auch diese Tage nicht nur von Sonnenschein geprägt sein sollten, denn: „Unser Wald braucht dringend Regen.“

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