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Bis zu 500 Anschlüsse: Mehr Glasfaser für die Ortsmitte

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Von: Dirk Grein

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Der Glasfaserausbau kommt ins Rollen: Nachdem die Arbeiten im Sommer wie hier im Bereich Hardt starteten, sind inzwischen in vielen Ortsteilen Bauarbeiten zu sehen. Ein Großteil des Tiefbaus soll in diesem Jahr abgeschlossen sein.
Der Glasfaserausbau kommt ins Rollen: Nachdem die Arbeiten im Sommer wie hier im Bereich Hardt starteten, sind inzwischen in vielen Ortsteilen Bauarbeiten zu sehen. Ein Großteil des Tiefbaus soll in diesem Jahr abgeschlossen sein. © Dirk Grein

Einen schnellen Zugang zur Datenautobahn sollen jetzt auch die Anwohner in der Ortsmitte erhalten, die bislang in die „Röhre“ geschaut haben. Ab 2024 sollen weitere knapp 500 Glasfaseranschlüsse bis in die Häuser gelegt werden. Die Gemeinde schloss eine Vereinbarung mit dem Unternehmen GlasfaserPlus ab; dadurch erhofft sie sich eine zusätzliche Stärkung der Infrastruktur und des Wohnortes Herscheid.

Herscheid - Bei einem Pressegespräch fasste Bürgermeister Uwe Schmalenbach den bisherigen Breitbandausbau zusammen. Dieser begann 2012 mit Hüinghausen als erstem und bis dato einzigem Ortsteil. Dort sei das Vectoring-Verfahren angewandt worden, bei dem von den Schaltkästen bis ins Haus alte Kupferleitungen genutzt werden. Bedeutet: Je länger die Leitung ins Gebäude ist, desto größer der Leistungsverlust. An einen Ausbau komplett in Glasfaser sei zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht zu denken gewesen.

In allen anderen Gebieten bestanden große Unterschiede: So galt beispielsweise der Netzknotenpunkt rund um die alte Post am Neuer Weg als besser versorgt, als andere Wohngebiete. Koordiniert durch den Kreis wurde ein Förderantrag für alle Städte und Gemeinden im MK gestellt. Ziel: Alle Haushalte, die eine geringere Versorgung als 30 Megabit pro Sekunde haben, sollten von einem Ausbau profitieren. In 2016 wurde ein Markterkundungsverfahren durchgeführt, um zu erfragen, wer diese Richtlinie erfüllt und wer nicht.

Das Förderverfahren zog sich länger als gedacht, doch brachte letztlich Erfolg. Der inzwischen begonnene Ausbau (im sogenannten dritten Call) erfolgt komplett auf Glasfasertechnik bis in die Gebäude, das sei ein wesentlicher Vorteil. „Die Arbeiten in Herscheid laufen gut“, lobte Schmalenbach die Baufirmen, die von 7 bis 19 Uhr aktiv seien und beim Anschluss der Gebäude die beste Lösung für die Anwohner suchen. Zwar ergeben sich durch die Arbeiten Beeinträchtigungen im Straßenverkehr. „Aber man muss das Ergebnis sehen“, betonte Schmalenbach.

Uwe Schmalenbach (links) und Ralf Engstfeld unterzeichneten die Vereinbarung für den Ausbau. Im Hintergrund zeigt Matthias Pohl, Breitbandkoordinator des Kreises, Leerrohre samt Glasfaserleitung.
Uwe Schmalenbach (links) und Ralf Engstfeld unterzeichneten die Vereinbarung für den Ausbau. Im Hintergrund zeigt Matthias Pohl, Breitbandkoordinator des Kreises, Leerrohre samt Glasfaserleitung. © Dirk Grein

Besagtes Ergebnis stellt eine Verbesserung für viele Anwohner im Außenbereich dar. In der Ortsmitte ist die Ausgangslage unterschiedlich, profitieren zwar viele, aber längst nicht alle vom 3. Call. Die Gemeinde hat daher intensive Gespräche mit der Telekom und dem Breitbandkoordinator des Kreises, Matthias Pohl, geführt. Diese führten zu folgender Lösung: GlasfaserPlus, ein Tochterunternehmen der Telekom, legt ab 2024 insgesamt 495 Glasfaserleitungen in unterversorgte Häuser im Ortskern – als Ergänzung des bisherigen Ausbaus. Dabei handelt es sich um weite Teile des Ober- und des Unterdorfes.

Das Verlegen der Leitungen erfolge zwar kostenlos, erklärt Ralf Engstfeld, Telekom-Regionalmanager. Voraussetzung dafür sei jedoch – und das sei ein Unterschied zum geförderten Ausbau – dass der Bürger auch einen Glasfaser-Tarif bei einem Anbieter abschließe. Bei welchem Unternehmen, das sei übrigens frei wählbar. Der beauftragte Anbieter nehme Kontakt mit GlasfaserPlus auf und regele die Details.

Diese Karte zeigt die Gebiete im Ortsbereich, die von dem Ausbau profitieren sollen; es handelt sich um knapp 500 Anschlüsse.
Diese Karte zeigt die Gebiete im Ortsbereich, die von dem Ausbau profitieren sollen; es handelt sich um knapp 500 Anschlüsse. © Karte: OpenStreetMap / Glasfaserplus

Wer sich von den betreffenden Haushalten nicht für einen Ausbau in 2024 entscheidet und diesen zu einem späteren nachholen möchte, der müsse mit Kosten von mehr als 800 Euro rechnen, betont Engstfeld. „Wir können nur dringend empfehlen, dieses Angebot wahrzunehmen“, betonte Bürgermeister Uwe Schmalenbach.

Er erklärte: Corona habe vor Augen geführt, wie wichtig ein schneller Internetzugang sei; heutzutage finde Arbeit häufig in den eigenen vier Wänden statt. Außerdem steigere ein Glasfaseranschluss den Wert einer Immobilie, ergänzte Matthias Pohl.

Dennoch gebe es in Herscheid auch nach diesem zusätzlichen Ausbau unterversorgte Gebiete. Diese sogenannten weißen Flecken sollen im 6. Call des Förderverfahrens berücksichtigt werden. Wann dieser komme, sei noch nicht absehbar. „Aber er kommt auf jeden Fall“, versicherte Ralf Engstfeld. Nur einzelne Gebäude in Randgebieten sollen danach noch unterversorgt bleiben.

Bürger können Anbieter frei wählen

GlasfaserPlus ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Telekom und IFM Investors, einem australischen Fondsverwalter (der im Eigentum von Pensionskassen steht und global Pensionsgelder in Infrastrukturunternehmen anlegt). Das Unternehmen vermietet das Netz anbieteroffen an alle Telekommunikationsanbieter. Die Bürger haben die freie Wahl, bei wem sie Telefon, Internet oder Fernsehen buchen möchten. Für den Ausbau in Herscheid hat die Telekom bereits angekündigt, das Netz der GlasfaserPlus nutzen zu wollen.

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