Der Weg in den Beruf, auch ohne eine Ausbildung

+
Marissa Klockner, Julia Kuhn, Justyna Magdalena Krauber, Jutta Wrona und Katarzyna Grazyna Kochanska (v. li. n. re.) am Arbeitsplatz von Justyna Magdalena Krauber.

Herscheid - Keine Ausbildung, Mutter eines kleinen Kindes und trotzdem beruflich erfolgreich – dass das geht, zeigen Justyna Magdalena Krauber und Katarzyna Grazyna Kochanska, die bei der Firma Gustav Alberts eine Umschulung machen.

Die Wege der beiden jungen Frauen sind etwas unterschiedlich, das Ziel jedoch das selbe – sich beruflich weiterbilden. Unterstützt werden sie dabei von der Agentur für Arbeit in Iserlohn und der Firma Gustav Alberts. Für diese bedeutet es zudem, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Justyna Magdalena Krauber ist 25 Jahre alt und kommt aus Plettenberg. Nach ihrem Fachabitur am Wirtschaftsgymnasium in Altena wurde sie schwanger, weshalb sie keine Ausbildung antrat. Als das Baby jedoch später da war, benötigte sie dringend ein Einkommen und fing bei einer Zeitarbeitsfirma an, wodurch sie als Kommissioniererin (Mitarbeiter, der einen Auftrag zusammenstellt) in den Logistikbereich von Gustav Alberts kam. Zu den Aufgaben gehört es, schwer zu tragen und viel zu laufen. Justyna Magdalena Krauber hatte anfänglich Bedenken, ob der Job etwas für sie wäre, aber sie probierte es. „Alle waren sehr nett zu mir, haben mir geholfen und mir vieles beigebracht. So lernte ich zum Beispiel, dass beim schweren Tragen vor allem die richtige Technik ausschlaggebend ist“, erklärt die 25-Jährige.

Der Beruf begann der jungen Frau sogar zu gefallen und sie interessierte sich dafür. Schließlich kam der Schichtleiter auf Justyna Magdalena Krauber zu, dass die Firma Alberts sie von der Zeitarbeitsfirma übernehmen wolle. Die Plettenbergerin wollte sich jedoch auch weiterbilden, weshalb sie sich mit dem Personalleitungsbüro und dem Versandleiter darüber unterhielt. Gemeinsam mit Julia Kuhn vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit gelang es dem Unternehmen und der jungen Frau, dass sie im September eine zweijährige Umschulung zur Berufsfachkraft für Lagerlogistik beginnen konnte. Eine dreijährige Ausbildung wäre für die alleinerziehende Mutter nicht möglich gewesen. Durch das Förderprogramm WeGebAU kann sie ihr Leben ohne Kopfzerbrechen weiterhin finanzieren.

Das Projekt WeGebAU gebe es zwar schon seit einiger Zeit, durch den Fachkräftemangel, den viele Firmen beklagen, werde es mittlerweile jedoch öfter genutzt. Voraussetzung sei dabei, dass die Bewerber motiviert sind und die Umschulung wollen.

Der Weg der 33-jährigen Katarzyna Grazyna Kochanska zu Gustav Alberts war ein wenig anders. Die junge Frau aus Halver kommt ursprünglich aus Polen. Ihr Studium hatte sie dort nicht abgeschlossen, danach jedoch vier Jahre bei einem Unternehmen im Bereich Einkauf gearbeitet. „Als ich vor sieben Jahren dann nach Deutschland kam, habe ich zuerst einen Sprachkurs gemacht. Nachdem mein zweiter Sohn dann im Kindergarten war, habe ich gesagt: ‘Jetzt muss ich etwas für mich tun’“, beschreibt Katarzyna Grazyna Kochanska. Sie wandte sich an die Agentur für Arbeit und gelangte mit Marissa Klockner als Wiedereinstiegsberaterin bei der richtigen Ansprechpartnerin. Diese half ihr, sich bei Gustav Alberts zu bewerben, sodass es zu einem Vorstellungsgespräch und einem Einstellungstest kam. Am 1. September konnte die 33-Jährige dann ebenfalls ihre Umschulung beginnen. Sie wird Industriekauffrau.

Als Wiedereinstellungsberaterin betreut Marissa Klockner fast ausschließlich Frauen. Ab vier Jahren, die man nicht mehr in seinem Beruf sei, gelte man als ungelernt. Gemeinsam mit der Wiedereinstellungsberaterin werden die Kenntnisse und Qualifikationen festgestellt und die Berufsrückkehrer werden Schritt für Schritt betreut. „Frauen neigen dazu, ihre Stärken unter den Tisch zu kehren, vor allem wenn sie länger aus dem Beruf raus sind. Ich hole die Personen da ab, wo sie gerade sind“, erklärt Marissa Klockner. Die Durchschnittsfrau, die zu ihr komme, sei zehn bis 20 Jahre Zuhause geblieben, bevor sie wieder in den Beruf einsteigen wolle. Vermehrt falle ihr dies im Südkreis auf. Ein großer Anteil dieser Frauen habe sogar einen akademischen Hintergrund.

Für die Firma Gustav Alberts sind die Umschulungen eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Wir brauchen viele Fachkräfte. Obwohl wir stark ausbilden, ist es schwierig, zusätzliche Kräfte im eigenen Haus zu mobilisieren, um noch einmal eine Ausbildung oder eine Umschulung zu machen“, sagt Personalleiterin Jutta Wrona. Zudem ist sie davon überzeugt, dass, wenn es mal zu einer Arbeitslosigkeit kommt, diese mit einer fachlichen Ausbildung schneller überwunden ist, als ohne. Neben Justyna Magdalena Krauber und Katarzyna Grazyna Kochanska gibt es noch einen dritten Beschäftigten, der derzeit eine Umschulung in dem Unternehmen absolviert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare