Umstrukturierung: Beliebte DHL-Boten nicht mehr für Herscheid zuständig

Berührender Abschied von den Freunden in Gelb

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Zwei, die die Ebbegemeinde und ihre Bürger in ihre Herzen geschlossen haben, und die sich nun trennen müssen: die Paketboten Ilija Kalusic und Marcel Bauer, die sich vor dem Freibadeingang zum Abschiedsfoto aufstellten.

Herscheid – Eine Abschiedstour kennt man bei Musikern, die weltweit gefeiert werden. Am Samstag gingen Ilija Kalusic und Marcel Bauer ebenfalls auf Abschiedstour. Doch handelt es sich bei den beiden keineswegs um Musiker, sondern um DHL-Paketlieferanten.

Diese beiden sind bei den Herscheidern jedoch nicht minder beliebt sind, als gefeierte Weltstars. Der Abschied ist kein freiwilliger. Aufgrund von Umstrukturierungen müssen Kalusic und Bauer ihr angestammtes Auslieferungsgebiet räumen und werden fortan in Lüdenscheid Pakete und Päckchen ausliefern. 

Das gefällt weder den beiden DHL-Fahrern, noch den Herscheidern. Als Bauer vor einiger Zeit in der Facebook-Gruppe „Du bist Herscheider wenn“ seinen Weggang verkündete, war der Aufschrei groß. Seit rund sechs Jahren war Bauer immer mal wieder in Herscheid unterwegs, seit zweieinhalb Jahren war dies sein Stammgebiet. 

Kalusic lenkt seit August 2016 den großen gelben Wagen durch die zum Teil engen Herscheider Straßen. „Ich wurde damals so aufgenommen, als wären wir ein Leben lang zusammen“, erinnert er sich. 

Heute bestehen teils freundschaftliche Kontakte zwischen den beiden Paktboten und den Herscheidern. „Ich hab sogar als Dortmunder mit Herscheider Schalkern Freundschaft geschlossen“, erzählt Kalusic stolz und ergänzt, das sei in seiner Heimatstadt Hagen nicht selbstverständlich. 

Bauer berichtet, er habe einige Herscheider bereits bei verschiedenen Musikkonzerten getroffen, wo man dann gemeinsam getanzt und gefeiert habe. „Es sind schon sehr viele Freundschaften hier entstanden, darum ist die Umstrukturierung so schwer“, bedauert Bauer. 

Neben den Reaktionen auf Facebook gab es natürlich auch einen persönlichen Austausch. Bauer sei beispielsweise zum Abschied in den Arm genommen worden. „Das berührt einen schon sehr“, sagt Bauer. Sowohl er wie auch sein Kollege haben Einladungen auf ein Bierchen im Sommer erhalten. 

Diesen hohen Status haben sich Kalusic und Bauer über die Jahre erarbeitet. Bei ihrer Abschiedstour mussten beide zusammen rund 300 Pakte ausliefern. Für einen Samstag sei das nicht viel, so die beiden. Allerdings müsse man bedenken, dass Mitte März sei. Zur Weihnachtszeit haben sie täglich zwischen 520 und 600 Pakete verteilen müssen. 

Dabei liege ihre Benachrichtigungsquote bei einem Prozent, „wenn überhaupt“. Das heißt: Sie werden nahezu all ihre Pakete los – auch, weil sie wissen, an wen sie sich guten Gewissens wenden können, wenn der eigentliche Empfänger mal nicht zu Hause ist. Kalusic erzählt, mittlerweile erkenne er am Auto, wer zuhause sei und wenn dass entsprechende Auto nicht vor dem Haus stehe, nehmen die Nachbarn die Pakete gern an. 

Wehmut sei an diesem Tag definitiv dabei, da sind sich Kalusic und Bauer einig. Doch ihre stets gute Laune lassen sie sich dadurch nicht verderben. Aus der Welt sind sie ja nicht, das Sommerbierchen wartet. 

„Schade, dass wir ihn verlieren“, ist auch die Meinung von Hermann Bexkens, der genau wie sein Nachbar Udo Franke zum Abschied noch mal ein Päckchen von Kalusic ausgeliefert bekommt. „Meine zwei Super-Kunden“, sagt der beliebte Paketbote und stellt sich fürs Foto auf. 

Eine leise Hoffnung, dass Kalusic und Bauer wieder zurück nach Herscheid kommen, hegen sowohl die Herscheider als auch die beiden DHL-Lieferanten. Vielleicht bestätige sich in ein paar Monaten, dass diese Umstrukturierungsidee nicht das Wahre sei. Dann wäre es möglich, dass die Herscheider ihre Pakete und Päckchen wieder aus den Händen von Kalusic und Bauer erhalten.

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