Corona-Schutz soll Zeremonie nicht entzaubern

Beginn der Hochzeitswochen: Trautermine bis August fast ausgebucht 

Keine Masken, kein Abstand, stattdessen überschwängliche Freude: Bilder, wie sie bei dieser Hochzeit vor einigen Jahren
vor dem Herscheider Spieker entstanden, können zurzeit nicht entstehen. Corona wirkt sich auch auf die Gestaltung
der Trauungszeremonien aus.
+
Keine Masken, kein Abstand, stattdessen überschwängliche Freude: Bilder, wie sie bei dieser Hochzeit vor einigen Jahren vor dem Herscheider Spieker entstanden, können zurzeit nicht entstehen. Corona wirkt sich auch auf die Gestaltung der Trauungszeremonien aus.

Der Terminkalender des Standesamtes für die kommenden Wochen ist rappelvoll. Trotz Corona wollen sich viele Paare in Herscheid das Ja-Wort geben. Dass an diesem besonderen, ja viellelicht dem schönsten Tag im Leben nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen können, scheint die Verliebten nicht zu stören.

Herscheid - „Wir sind bis in den August hinein nahezu ausgebucht“, staunt Frank Holthaus. Auch der Standesbeamte ist überrascht über die bevorstehende Termindichte. Freitags und samstags seien in Herscheid die beiden beliebtesten Wochentage für Trauungen. An beiden Tagen sind maximal zwei Zeremonien möglich: Doch das Interesse übersteigt diese Kapazitäten. Daher hat der Standesbeamte mit einigen Paaren auch Termine für montags, dienstags oder mittwochs vereinbart.

Durchschnittlich 60 Eheschließungen pro Jahr

Weshalb die Anfragen in diesem Frühjahr derart zunehmen, darauf kann sich auch Frank Holthaus so recht keinen Reim machen. Denn weiterhin gelten für die Zeremonie strenge Vorgaben. Im letzten Jahr seien die Zahlen vermutlich auch deswegen rückläufig gewesen: In 2020 gaben sich in Herscheid 40 Paare das Ja-Wort, weniger als sonst. „Normalerweise liegt unser jährlicher Durchschnitt bei 60 Trauungen“, erzählt Holthaus.

Absagen von bereits vereinbarten Terminen habe es kaum gegeben. Daher geht der Standesbeamte davon aus, dass sich viele Paare in 2020 dazu durchgerungen haben, ihre Trauung um ein Jahr zu verschieben, in der Hoffnung, dass die Pandemie dann überstanden sein könnte. Wie sich inzwischen herausstellt, wird Corona die Gesellschaft noch weitaus länger beschäftigen. Daher entscheiden sich nun anscheinend mehr Menschen für eine Trauung, wenn auch unter außergewöhnlichen Umständen.

Fragebogen verkürzt das Vorgespräch

Das beginnt bereits mit den Vorgesprächen: Diese finden zwar wegen notwendiger Unterschriften weiterhin im Rathaus statt, jedoch unter den gültigen Schutzvorkehrungen. Zudem werde das Gespräch auf das Notwendigste beschränkt. Stattdessen wird den Paaren ein Fragebogen zugeschickt, den sie daheim ausfüllen sollen. Die darauf angegebenen Antworten fließen in die Reden der Herscheider Standesbeamten ein; neben Frank Holthaus übernehmen auch Angelika Kanzler und Marc Krehmer diese Aufgabe.

Die Trauung im Rathaus kann nur ein begrenzter Personenkreis erleben. Dazu zählen neben dem Standesbeamten, dem Brautpaar und zwei Trauzeugen auch die beiden Eltern des Brautpaares – also maximal neun Personen. Das Herscheider Trauzimmer im Rathaus kann durch das Öffnen von Schiebewänden um den benachbarten Konferenzraum erweitert werden, sodass ausreichend Raum zur Verfügung steht. Zudem bestehe dort die Möglichkeit, sich über einen QR-Code in die Luca-App einzuscannen, über die eine Kontaktpersonennachverfolgung möglich ist.

Vorerst keine Zeremonien mehr im Spieker

Niedrige Decken und Enge – das, was die Atmosphäre des Spiekers ausmacht, wird ihm in der Pandemie zum Verhängnis. Denn vorläufig finden im dortigen Trauzimmer der Gemeinde keine Zeremonien mehr statt. Zum einen wegen der genannten örtlichen Gegebenheiten im Heimathaus, zum anderen aber auch, weil im Anschluss an eine der jüngsten Trauungen eine größere Besuchergruppe im Umfeld zusammengekommen war. Weil dies nicht mit den Corona-Schutzvorgaben im Einklang steht, finden die Zeremonien ab sofort ausschließlich im Trauzimmer des Herscheider Rathauses statt. Eine Entwicklung, die übrigens auch in anderen Kommunen im Märkischen Kreis spürbar ist. In Altena und Nachrodt werden ab sofort keine Ambiente-Trauungen mehr durchgeführt. Aufgrund unschöner Vorfälle werden vom „Standesamt Untere Lenne“, das für beide Kommunen zuständig ist, bis zum Ende der Pandemie heiratswillige Paare nur noch im Nachrodter Amtshaus und im Altenaer Rathaus getraut.

Über all diese Schutzvorgaben informiert Holthaus die Paare ausführlich im Vorfeld, inklusive der eindringlichen Bitte, Freunden, Bekannten und Angehörigen zu erklären, dass ein Überraschungsbesuch am oder gar im Rathaus aufgrund der Schutzverordnung nicht möglich sei.

Küssen ohne Maske

Bei der eigentlichen Zeremonie achte er zwar strengstens auf die Einhaltung der Regeln, die Atmosphäre soll darunter aber nicht leiden: „Wir versuchen die Trauung so stimmungsvoll und liebevoll wie möglich zu gestalten.“ Dies beinhaltet auch, dass das Brautpaar kurz nach der Eheschließung die Masken für einen innigen Hochzeitskuss abnehmen darf.

Auch wenn überschwängliche Umarmungen und große Besuchergruppen zurzeit tabu sind. Möglichkeit für Erinnerungsfotos im engsten Familienkreis bestehen dennoch. „Unser Ziel ist, dass das Paar später mit guten Erinnerungen an diesen besonderen Tag zurückdenken kann“, betont Frank Holthaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare