Seit 50 Jahren im Team

Bauamtsleiter darf feiern: Ein ungewöhnliches Arbeitsjubiläum und seine Geschichte

Lothar Weber (Mitte) darf sich feiern: Seit 50 Jahren ist er bereits für die Herscheider Verwaltung aktiv.
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Lothar Weber (Mitte) darf sich feiern: Seit 50 Jahren ist er bereits für die Herscheider Verwaltung aktiv.

„Er ist eindeutig der Größte“, sagen die Mitarbeiter des Herscheider Bauamtes schmunzelnd. Es geht dabei um eine Beschreibung von Bauamtsleiter Lothar Weber, der an diesem Sonntag sein 50-jähriges Dienstjubiläum im Herscheider Rathaus feiern konnte und der sicherlich nicht nur wegen seiner Körpergröße von 1,94 Meter so bezeichnet wird.

Herscheid – Besonders das Wasser- und Kanalnetz war lange Webers berufliches Steckenpferd und Leidenschaft, bevor er sich vorrangig der Städteplanung und dem Hochbau widmete. „Wasser war mein halbes Leben“, erzählt er immer noch ein bisschen wehmütig, wenn er sich zurückerinnert an die „gute alte Zeit“, als Herscheid noch ein eigenes Wasserwerk betrieben hatte. Seitdem hat sich vieles verändert – aber eines ist Lothar Weber bis heute geblieben: die Freude an der täglichen Arbeit im Herscheider Rathaus.

50 Jahre Verwaltungsmitarbeiter – das schafft wohl kaum jemand anders. Auch in dem Punkt sind sich die heutigen Kollegen Webers einig. Viele von ihnen sind auch schon „alte Hasen“, was die Anzahl ihrer Dienstjahre angeht. Dennoch reicht ihrem Bauamtsleiter keiner das Wasser, der immer wisse, „wo die Leiche begraben ist“. Damit wird nicht nur auf das einzigartige Fachwissen des Diplom-Verwaltungsbetriebswirtes angespielt, sondern auch auf seinen großen Kontaktkreis. „Er kennt nahezu jeden und weiß genau, wie er den Herscheider Bürgern gegenüberzutreten hat“, erkennen seine Kollegen neidlos an.

Im August 1971 fing alles für den damals 15-jährigen Schüler an. Lothar Weber aus Weiße Ahe bewarb sich um einen Ausbildungsplatz bei der Gemeinde. Besonders das Verwaltungsrecht faszinierte den jungen Herscheider, der am liebsten Fallbeispiele durcharbeitete. Bestimmte Erinnerungsmomente aus seiner dreijährigen Lehrzeit wird Weber womöglich niemals vergessen.

Morgens begann der Arbeitstag mit dem Gang zum Postamt, wo er sich teilweise lange in die Schlange der anderen Auszubildenden aus den umliegenden Firmen einzureihen hatte, bis er seinen Gang zum Privathaus des damaligen Bürgermeisters fortsetzte, um ihn über die Neuigkeiten aus dem Rathaus in Kenntnis zu setzen. Zu der Zeit war der Bürgermeister noch ehrenamtlich tätig und die Geschicke der Verwaltung leitete der hauptamtliche Gemeindedirektor Karl Otto Schürmann.

Er machte Weber viele technische Entwicklungen mit: Von der ersten Lochkarte bis zum Tablet-PC. Das bedeutete aber nicht nur Erleichterung der Arbeitsprozesse, sondern in erster Linie auch viel Fleiß, denn jede Neuerung musste wieder durch Schulungen von Grund auf erlernt werden. Zwischen Lehrgängen und regulärer Arbeit gab es dann noch die Familie – seine damalige Ehefrau mit zwei Töchtern und dem zugehörigen Campingplatz der Schwiegereltern an der Oestertalsperre. „Da wurden dann abends, an Wochenenden und an den Feiertagen die Gäste der 45 Wohnwagen betreut, bewirtschaftet und Hausmeistertätigkeiten erledigt“, erzählt der jetzige Bauamtsleiter.

„Trotz vieler stressiger Tage habe ich bis heute sehr viel Freude an meiner Arbeit und bereue es nicht, dass ich all die Jahre im Herscheider Rathaus geblieben bin“, sagt er zufrieden. Besonders die vielfältigen Aufgaben zwischen Verwaltung und Kommunalpolitik und dabei „immer ganz nah am Bürger“ seien noch heute reizvoll. Insgesamt erlebte Lothar Weber elf Legislaturperioden mit den dazugehörigen elf Gemeinderäten. Viel gelernt habe er besonders vom damaligen Gemeindebaumeister Koch, „der fast eine Art Ziehvater für mich war“, so beschreibt Weber das berufliche Verhältnis.

Erfolge aus baulicher Sicht gab es viele im Lauf der Jahrzehnte: Angefangen vom Aufbau der Infrastruktur war Lothar Weber maßgeblich an allen weiteren Baumaßnahmen in Herscheid beteiligt, über den Ausbau des Rathauses, den Bau der Sportstätten, dem Kreisverkehr an der L 561, dem Neubau des Herscheider Freibades vor 50 Jahren und den nachfolgenden Sanierungsarbeiten bis hin zur Umgestaltung der Dorfwiesen und dem Bau des Bildungszentrums Rahlenberg. Die Erschließung von sage und schreibe 23 Bebauungsplangebieten – überwiegend Wohnsiedlungen – lag in seinem Zuständigkeitsbereich, ebenso wie die Aufstellung und Fortschreibung des Gemeindeentwicklungskonzeptes.

Dennoch blickt der Bauamtsleiter auch auf weniger schöne Erlebnisse zurück, die für Kopfzerbrechen und Probleme in der Gemeindeverwaltung gesorgt hatten. Beispielsweise als das Rathaus im Jahr 2009 brannte – ein Albtraum für die Verwaltungsmitarbeiter. Auch die Coronakrise habe die tägliche Arbeit der Verwaltung stark verändert und so stehe man auch im 21. Jahrhundert vor immer neuen Herausforderungen durch Naturereignisse wie Stürme, dem Borkenkäfer-Befall und seinen Auswirkungen oder Starkregen und Hochwasser.

„Gerade als Vorstandsmitglied der Forstbetriebsgemeinschaft setzt einem so etwas zu“, sagt Weber nachdenklich, dem gerade der Klimaschutz sehr am Herzen liege. Er selbst komme beispielsweise – wann immer das Wetter es erlaube – mit dem E-Bike von seinem Wohnort Lüdenscheid zur Arbeit ins Herscheider Rathaus. Auch für die Realisierung zukünftiger Bauprojekte wolle er das Thema stets im Fokus behalten, das habe er sich auf die Fahne geschrieben.

Ans Aufhören denke er übrigens noch nicht. „Ich habe noch zu viele Projekte, die ich bis zum Schluss mitbetreuen möchte“, erklärt er und zählt zahlreiche Projekte auf, die er sich noch für die letzten Dienstjahre vor die Brust nehmen möchte. Angefangen vom letzten Bauabschnitt des Bildungszentrum Rahlenberg über den Radwegeausbau in und rund um Herscheid. Er ergänzt: „Ich glaube auch, dass ich hier noch gebraucht werde!“

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