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Bald 36 Masten weniger: So plant Amprion die neue Hochspannungsleitung

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Von: Jona Wiechowski, Georg Dickopf

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Eine neue Brücke entstand im Bereich Schönebecke, um dort die Anlieferung über die Schwarze Ahe zu gewährleisten. Während andere Baustraßen zurückgebaut werden, bleibt die Brücke dort dauerhaft.
Eine neue Brücke entstand im Bereich Schönebecke, um dort die Anlieferung über die Schwarze Ahe zu gewährleisten. Während andere Baustraßen zurückgebaut werden, bleibt die Brücke dort dauerhaft. © Dickopf, Georg

Bis die neuen Strommasten errichtet werden, wird es noch eine Weile dauern. Die Grundlagen dafür hat Amprion in den vergangenen Wochen und Monaten aber stellenweise schon geschaffen.

Herscheid - Der Netzbetreiber Amprion erneuert bekanntlich Stromleitungen auf insgesamt 126 Kilometern zwischen Dortmund-Kruckel und Dauersberg in Rheinland-Pfalz. Der 36 Kilometer lange Abschnitt B führt auch durch den Märkischen Kreis – sieben Kilometer liegen auf Herscheider Gebiet. Der Startschuss für die Arbeiten auf Gemeindegebiet ist bereits im Januar gefallen.

Schon heute hat Amprion zwischen Kruckel und Dauersberg eine Leitung. Dabei handelt es sich allerdings um eine 220-Kilovolt-Verbindung, die jetzt weitgehend im vorhandenen Trassenraum durch eine leistungsfähigere 380-Kilovolt-Verbindung ersetzt wird, um den zukünftigen Übertragungsanforderungen gerecht zu werden.

Mit einer Gesamtinbetriebnahme wird in 2026 gerechnet. Insgesamt 21 Neubaumaste werden dafür in der Ebbegemeinde errichtet. Das erklärte Projektsprecherin Mariella Raulf im Gespräch mit unserer Zeitung.

Im Januar Start der Bauvorbereitung

Die Bauvorbereitung hat bereits begonnen. Konkret am Werk war Amprion entlang der Räriner Straße (unter anderem Neubaumast Nummer 140 bis 141). Sowohl die Zuwegungen als auch die Arbeitsflächen für die Neubaumasten und die Provisorien wurden laut Raulf bereits hergestellt.

„Derzeit sind wir im Abschnitt B überall entlang der Trasse hauptsächlich mit den Zuwegungen und Arbeitsflächen für die Provisorienstandorte und zum Teil auch schon für die Neubaustandorte beschäftigt. Dies ist aufgrund der Topographie eine sehr große Herausforderung und nimmt auch sehr viel Zeit in Anspruch“, betonte Raulf. Dabei gehe man so minimalinvasiv vor wie nötig und halte sich an alle ökologischen Auflagen, die im Planfeststellungsbeschluss detailliert aufgeführt wurden.

Im Zuge der Vorbereitung finden nach den Angaben der Projektsprecherin derzeit auch Freischnittmaßnahmen auf den privatrechtlich geeinigten Flächen statt. Der Freischnitt darf lediglich in der Zeit von Anfang Oktober – Ende Februar durchgeführt werden. Zudem soll auch in Herscheid schon sehr bald mit den Mastgründungen begonnen werden. Im ersten Schritt ist damit die Herstellung der Mastfundamente gemeint.

Weitgehend abgeschlossen sind die temporären Zuwegungen und Arbeitsflächen für die 110-Kilovolt- und die 220-Kilovolt-Provisorien. Die Provisorien stellen in der Bauzeit die Stromversorgung sicher.

Provisorium für zwei bis drei Jahre

„Die Errichtung des Provisoriums fängt für uns bereits mit der Herstellung der temporären Zuwegung an“, erklärt Raulf. Essenzielle Voraussetzung dafür sei natürlich, „dass wir uns bis dahin privatrechtlich mit dem jeweiligen Grundstückseigentümer geeinigt haben“.

Die Grundstückseigentümer würden über den Beginn der Arbeiten frühzeitig informiert. Nach erfolgreicher Einigung und Herstellung der Zuwegungen beginne Amprion mit der Montage der Unter- und Oberteile des Provisoriums. „Dieser Vorgang dauert rund ein bis zwei Wochen.“ Danach werde mit dem Seilzug fortgefahren. „Das Provisorium hat eine Standzeit von zwei bis drei Jahren.“ Grundsätzlich könne man sich das Vorhaben wie den Ausbau einer Autobahn vorstellen, bei der mehrere ein- und zweispurige Straßen zu einer leistungsfähigen dreispurigen Autobahn zusammengeführt werden.

Auf dieser Stromautobahn werden dann Leitungen der Enervie-Gruppe, der Deutschen Bahn und von Amprion an einem Hochspannungsmasten entlanggeführt. Bislang gab es eine Trasse mit 28 Hochspannungsmasten der Deutschen Bahn und weitere 29 Masten von Amprion. Vorgabe der Bundesnetzagentur war es, die Leitungen auf einer Trasse zusammenzuführen. Dadurch entfallen zukünftig insgesamt 36 Hochspannungsmasten im Herscheider Gemeindegebiet.

An vielen Stellen wie hier im Bereich vor dem Wanderparkplatz Linde wurden bereits die Baustraßen zu den neuen Mast-Standorten der neuen 380 Kilovolt-Hochspannungsleitung angelegt.
An vielen Stellen wie hier im Bereich vor dem Wanderparkplatz Linde wurden bereits die Baustraßen zu den neuen Mast-Standorten der neuen 380 Kilovolt-Hochspannungsleitung angelegt. © Dickopf, Georg

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Denn zunächst einmal müssen 21 provisorische Hochspannungsmasten mit schweren Betonfüßen errichtet werden, ehe der Strom der 220 Kilovolt-Trasse umgelegt werden kann. Anschließend werden 57 alte Masten nebst den zugehörigen Betonfundamenten entfernt. Teilweise an gleicher Stelle werden dann neue Fundamente für die 21 größeren neuen Masten erstellt.

Allerdings müssen die Herscheider Bürger nicht befürchten, dass an 20 Standorten gleichzeitig gearbeitet wird. Laut Mariella Raulf sei es gut möglich, dass mal ein paar Wochen an einer Stelle etwas passiere, dann längere Zeit nichts. Beispielsweise müsse der Beton für die Fundamente vier Wochen abbinden.

Sorgen bereitet der Projektsprecherin in Herscheid vor allem das Winterwetter. „Bei Schnee können wir nicht arbeiten“, sagt Raulf, die deshalb auf einen möglichst milden Winter in der Ebbegemeinde hofft.

Amprion will offene Kommunikation

Bei Gesprächen in Nachbarkommunen versprachen die Amprion-Vertreter, dass die Bürger von den Arbeiten nur wenig mitbekommen. Bevorzugt werde eine offene Kommunikation. Müsse wegen der Arbeiten beispielsweise auf einer Straße ein beidseitiges Parkverbot errichtet werden, solle es im Vorfeld Briefe geben, die die Maßnahme erklärten, sodass diese zumindest nachvollziehbar sei. Ferner sollten die Arbeiten so wenig störend wie möglich durchgeführt werden.

Dass die Verkehrslage vor Ort durch Schwerlasttransporter weiter verkompliziert wird, könne etwa dadurch entschärft werden, dass diese nicht in Stoßzeiten liefern.

Den aktuell überall um sich schlagenden Materialengpässen sieht Projektleiterin Raulf entspannt entgegen. „Wir sind frühzeitig unterwegs und konnten alles vor zwei, drei Jahren organisieren“. So liege der Stahl, der für das Großprojekt gebraucht werde, in Rohform schon im Lager.

Am 14. November wird Marielle Raulf zusammen mit Thomas Augustin den Abschnitt in Herscheid noch einmal den Mitgliedern und Interessierten Bürger im Planungsausschuss vorstellen.

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