Sorgen um Finanzen und Veranstaltungen

Auswirkung der Coronakrise: Vereinsleben liegt brach 

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Wann die Bieberlies den Museumszug wieder durch das Elsetal ziehen kann, ist ungewiss. Die wegbrechenden Einnahmen schmerzen dem Verein sehr.

Plettenberg/Herscheid – Zusammenkünfte? Arbeitseinsätze? Wettbewerbe? Übungsabende? Das Vereinsleben ist wegen der Corona-Pandemie von jetzt auf gleich zum Erliegen gekommen. Die Auswirkungen sind massiv, zum Teil sogar existenzgefährdend für die heimischen Vereine. Ein beispielhafter Überblick.

Museumseisenbahn: Insbesondere die Märkische Museumseisenbahn leidet unter den Sicherheitsbestimmungen. Die Einnahmen durch die Fahrtage sind im Wirtschaftsplan des Vereins mit Sitz in Hüinghausen fest eingeplant. Doch wann diese stattfinden können, steht in den Sternen. Erste Sonderfahrten mussten bereits abgesagt werden. Und ob die Saison wie ursprünglich geplant am 3. Mai eröffnet werden kann, erscheint mehr als ungewiss. 

„Wir leben aktuell von der Hand in den Mund“, erzählt der Vorsitzende Udo Feldhaus. Er wartet sehnsüchtig auf ein Zeichen der Bundesregierung, steht im ständigen Kontakt mit dem Dachverband deutscher Museums- und Touristikbahnen, doch Planungssicherheit gibt es aktuell nicht. 

Die samstäglichen Zusammenkünfte der ehrenamtlichen Helfer sind längst gestrichen worden. Dennoch wird auf dem Betriebsgelände gearbeitet: Die beiden Festangestellten widmen sich Fahrzeug-Restaurierungen, frischen den Speisewagen auf und bereiten den Saisonstart für den Tag X vor. 

Zudem sind Fremdfirmen damit beauftragt worden, sich etwa mit der Instandhaltung der Vereinsanlagen zu beschäftigen. So werden im Vorgriff auf den Bau einer neuen Halle im Bereich des Hüinghauser Bahnhofs die Gleise umgebaut. Für derlei Maßnahmen, die bereits seit Monaten geplant werden, habe der Verein ein finanzielles Polster. Doch dieses sei überschaubar groß. 

Die Soforthilfe für Kleinunternehmen habe man bereits beantragt und auch unkompliziert erhalten, erklärt Udo Feldhaus. Dennoch sei der Verein dringend auf die Einnahmen der Fahrtage – die während der Saison mindestens zweimal im Monat stattfinden sollten – angewiesen. 

Erfreut zeigt sich der Vorsitzende vor diesem Hintergrund, dass Freunde und Gönner den Verein mit Spenden und Zuwendungen unterstützen. „Wir sind auf jeden Groschen angewiesen“, hebt der Vorsitzende die Dringlichkeit hervor. 

Er betont, dass die Bundesnetzagentur den Betrieb von Eisenbahnen ein erhebliches öffentliches Interesse zuweist. Nicht nur wegen der Verkehrsleistung, sondern eben auch wegen des Angebotes für Menschen, wie es etwa die Museumseisebahn im Normalfall bietet. 

Um Familien und Bahninteressierten möglichst bald wieder ein Freizeitangebot ermöglichen zu können, soll der Verein Gewehr bei Fuß stehen, rät die Netzagentur. Ob der Fahrbetrieb zunächst nur eingeschränkt, etwa ohne gastronomische Angebote, realisiert wird, all das müsse noch geklärt werden. 

Viele Fragezeichen begleiten die Arbeiten des Vereins, der für August eine dritte Festeinstellung plant. „Hoffentlich sind wir dann einen großen Schritt weiter“, sagt Udo Feldhaus, der sich in dieser unsicheren Lage über eine „normale“ Aufgabe fast schon freut. Bei der vereinseigenen Dampflok Bieberlies steht im September die Hauptuntersuchung an. Während der Ausfallzeit könnte die Lokomotive Spreewald zum Einsatz kommen; die Gespräche mit dem Deutschen Eisenbahnverband laufen noch.


SGV Eiringhausen: Sorgen um die wirtschaftliche Lage, ja womöglich sogar um die Existenz - die gibt es auch beim SGV Eiringhausen. Bei den Wanderern liegt das Vereinsleben weitestgehend brach. Veranstaltungen wie die traditionelle Osterwanderung, Kinderaktionen und Vorstandssitzungen mussten abgesagt werden. 

Auch das große Fest zum 1. Mai am SGV-Heim in der Grutmecke wird nicht stattfinden. „Das ist bitter, weil es unsere Hauptattraktion im Jahr ist, zu der zuletzt 600 Besucher gekommen sind“, erklärt SGV-Sprecherin Margit Witt. 

Damit fallen nicht nur ein paar schöne Stunden für die Mitglieder und Gäste weg. Viel schwerer wiegen die fehlenden Einnahmen, denn auch das SGV-Heim mit dem Grundstück möchte mit seinen laufenden Kosten finanziert werden. Das gewährleistet der Verein normalerweise zum einen durch Veranstaltung wie eben das Maifest oder aber durch Vermietungen an Privatpersonen. 

Beides ist derzeit nicht möglich. Sollte sich die Situation in den nächsten Wochen und Monaten nicht verändern, werde es auch für den SGV Eiringhausen eng. „Wir warten darauf, dass sich etwas lockert“, sagt Margit Witt. 

Bis es so weit ist, verabreden sich die Eiringhauser per WhatsApp-Gruppe zu zweit oder gehen alleine wandern. Die Wege sind den SGV-Mitgliedern ja bestens bekannt. Wer Tipps für gute Wanderwege sucht, dem rät Margit Witt einen Blick auf die Internetseite www.sgv-eiringhausen.de. 

Chöre: Nahezu zum Erliegen ist auch das Vereinsleben in den heimischen Chören gekommen. Geprobt wird größtenteils trotzdem – nicht mehr in der Gruppe bei den Chorstunden, sondern alleine zuhause. 

Der Madrigalchor, die Four Valleys aus Bremcke und der Frauenchor FemmeVokal haben von ihren jeweiligen Chorleitern Aufnahmen per Mail zugeschickt bekommen, mit denen sie speziell für ihre Tonlage üben können. Das funktioniere den Umständen entsprechend gut, auch deshalb, weil inzwischen selbst viele ältere Mitglieder wissen, wie man sich die Dateien aus dem Internet auf den Computer ziehen kann. 

Vereinzelte Mitglieder ohne Internet gibt es zum Beispiel im Madrigalchor dennoch. „Für sie hat unser Notenwart schon vor der Coronakrise Übungs-CDs erstellt“, berichtet Burkhard Specht vom Madrigalchor. Wichtig ist das regelmäßige Singen für die genannten Chöre vor allem deshalb, weil sie für Ende des Jahres große Konzerte planen. 

Der Madrigalchor hofft, nach der letztjährigen Absage nun diesmal sein Weihnachtskonzert durchführen zu können. Die Four Valleys und FemmeVokal planen für Anfang Dezember die Wiederholung des Festival Acappellissimo. „Bis jetzt ist diese Veranstaltung nicht gefährdet“, gibt sich Four-Valleys-Vorstandsmitglied Bernhard Schlütter optimistisch. 

Zwar müssen noch viele neue, vorweihnachtliche Lieder eingeübt werden, ebenso sind zwei Lieder gemeinsam mit dem Frauenchor geplant, „aber zur Not verkürzen wir die Sommerpause oder schieben Intensivproben ein“, sagt Schlütter. So oder so dürfte der Sommer bei einem baldigen Ende des Kontaktverbots für die Sängerinnen und Sänger angesichts des Liedguts sehr weihnachtlich werden.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im MK gibt es hier.

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