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Ausbildung, die über die Norm hinausgeht: Premiere für Märkischen Feuerwehrtag

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Von: Nina Scholle

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Das praktische Üben stand beim Feuerwehrtag am Rahlenberg im Vordergrund: Hier trainieren die Feuerwehrkräfte die knotenfreie Absturzsicherung.
Das praktische Üben stand beim Feuerwehrtag am Rahlenberg im Vordergrund: Hier trainieren die Feuerwehrkräfte die knotenfreie Absturzsicherung. © Nina Scholle

Retten, löschen, bergen, schützen: So lauten die Aufgaben der Feuerwehr. Klingt überschaubar, ist es aber nicht. Tatsächlich sind die Aufgaben, die ein Mitglied der Feuerwehr bewältigen muss, vielfältig und komplex. Umso wichtiger sind ständiges Training und Fortbildung. Eine gute Möglichkeit dafür war der erste Märkische Feuerwehrtag zum Thema „Technische Hilfeleistung“, der am Bildungszentrum Rahlenberg stattfand.

Herscheid - Ein Themenfeld, das „unwahrscheinlich breit gefächert“ sei, erklärte Christian Bösinghaus, Leiter der Feuerwehr Meinerzhagen und Geschäftsführer des Feuerwehrverbandes MK. „Überall da, wo es nicht brennt und keine gefährlichen Stoffe austreten“ komme es zur technischen Hilfeleistung. Ein Beispiel: die Busrettung. Auf dem Gelände am Rahlenberg stand nicht nur ein Gelenkbus parat, sondern auch Vorführwagen mit Sonderantrieb – E-Autos – sowie drei Schrottautos, an denen die Teilnehmer Hand anlegen konnten, um ‚eingeklemmte Personen’ zu befreien.

Für Bösinghaus ist es ein wichtiger Faktor, dass die Unfallwagen praxisnah aussehen, also mit zerborstener Scheibe und eingedrücktem Türrahmen, denn das Arbeiten sei ein ganz anderes als bei einem intakten Fahrzeug. Ebenfalls wichtig: das haptische Erfahren – selbst auszuprobieren, wie etwas funktioniert und es nicht nur in der Theorie zu erlernen.

Mehrere Workshops und Dialogreihen konnten besucht werden; immer wurde auf eine Verbindung von Theorie und Praxis geachtet. Selbst bei den Dialogvorträgen handelte es sich nicht um rein ermüdende Vorträge, wie Christopher Rosenbaum von der Berufsfeuerwehr Iserlohn und Vorsitzender des Feuerwehrverbandes versicherte. Vielmehr gehe es ums Miteinandersprechen und Erfahrungsaustausch.

Problem Elektrizität: Mitarbeiter der Firma Zimmermann aus Niederzier präsentierten ein Spezialgerät, mit dem gefährliche Spannung im Wasser erkannt werden kann.
Problem Elektrizität: Mitarbeiter der Firma Zimmermann aus Niederzier präsentierten ein Spezialgerät, mit dem gefährliche Spannung im Wasser erkannt werden kann. © Nina Scholle

Auch bei den Workshops lautete das Motto: „Mitmachen, erleben – nicht einfach was erzählt bekommen“, betonte Bösinghaus. So wurde beispielsweise bei dem Workshop „Patient im Fokus“ ein Unfallszenario mit Spielzeugautos nachgestellt; Bilder aus der Praxis halfen zudem bei der Visualisierung. Sowohl für die Workshops als auch für die Dialoge konnten Dozenten von Safetytour gewonnen werden, die sich bestens darauf verstehen, Wissen praxisnah zu vermitteln.

Zudem war Norman Leber, vom Institut der Feuerwehr, nach Herscheid gekommen, um über Brandbekämpfung bei Fahrzeugen mit Sonderantrieb zu referieren; mit im Gepäck hatte er ein Waldbrand-Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Werl sowie ein neues Löschsystem, das ein wenig an einen Rasensprinkler erinnerte. Im Übungsszenario wurde ein Batteriedefekt eines Elektroautos angenommen: Um einerseits einen Entstehungsbrand zu verhindern sowie andererseits ein Zeitfenster für die Rettung der im Fahrzeug befindlichen Personen zu generieren, wurde der ‚Sprinkler’, ein Edelstahlrohr mit Löchern, erst neben, dann unter das Auto geschoben. Dank des feinen Sprühnebels wurde die Batterie so gekühlt, dass genug Zeit blieb, um die Personen zu retten. Bei diesem ‚Sprinkler’ handelte es sich um eine erst ein Jahr alte Innovation des Instituts der Feuerwehr, deren Baupläne frei zugänglich sind.

Parallel zu diesen Angeboten lud eine Hausmesse neben dem Fachpublikum auch interessierte Besucher ein. Hier wurden Softwarelösungen, Schutzkleidung und Feuerwehrbedarf vorgestellt. So präsentierte die Firma Zimmermann einen Spannungswarner, der gefährliche Spannung im Wasser erkennt – erinnert man sich an das Hochwasser im vergangenen Sommer ein sinnvoller Bestandteil des Equipments. Denn bei einem vollgelaufenen Keller sei laut Bösinghaus für die Feuerwehrleute Elektrizität das Hauptproblem.

Dieses neue Löschsystem erinnert an einen Rasensprinkler: Der erzeugte Sprühnebel soll den Einsatzkräften insbesondere bei Defekten an E-Autos wichtige Zeit verschaffen.
Dieses neue Löschsystem erinnert an einen Rasensprinkler: Der erzeugte Sprühnebel soll den Einsatzkräften insbesondere bei Defekten an E-Autos wichtige Zeit verschaffen. © Nina Scholle

Die kleine Hausmesse biete den Vorteil, mit den Herstellern intensiv ins Gespräch zu kommen, was bei größeren Messen, wie der Interschutz in Hannover, kaum möglich sei, so Bösinghaus.

Mit dem Verlauf des ersten Märkischen Feuerwehrtages zeigten sich sowohl Bösinghaus als auch Rosenbaum zufrieden. 148 buchbare Plätze habe es für die Praxisworkshops gegeben, davon seien 138 belegt gewesen, berichtete Rosenbaum.

Die Organisation

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Feuerwehrverband des Märkischen Kreises. Der im Vorjahr neu gewählte Vorstand will die Aus- und Weiterbildung in den Fokus rücken. Für einzelne Kommunen und deren Feuerwehren sei es mitunter schwierig, entsprechende Maßnahmen durchzuführen; dies gelinge im Verbund besser, sagte Geschäftsführer Christian Bösinghaus. Die Bewirtung von Teilnehmern und Besucher übernahm die gastgebende Feuerwehr Herscheid.

Besonders hohe Anmeldezahlen hatte es für den Workshop „Technische Hilfe am Lkw“ gegeben, sodass man sich dazu entschieden hatte, statt einem gleich zwei Seminare anzubieten. Obgleich dies der einzige Workshop war, bei dem später nicht an einem richtigen Lastwagen Hand angelegt wurde, war sich Bösinghaus sicher, „dass die Leute einen Mehrwert daraus ziehen können“. Wichtig war es dem Verband, dass Dinge erlernt wurden, die „über die normale Standartausbildung hinausgehen“ und dieses Angebot kostenfrei sowohl für die Feuerwehrleute als auch für die Kommunen ist. Zudem hoffe man, so Rosenbaum, „den Menschen unsere Arbeit zugänglicher zu machen“, damit diese sehen, wie professionell die Feuerwehr sich weiterbilde.

Mehr Teilnehmer hätte sich das Duo bei den Dialogen gewünscht, für die keine Anmeldung nötig war. Dennoch fiel das Fazit positiv aus: Dieser erste Märkische Feuerwehrtag sei eine Art „Testballon“ gewesen, auf dessen Erfahrungen man aufbauen will. Der Verbandsvorstand will weitere kreisweite Weiterbildungen anbieten, die andere Themen behandeln und mitunter kleiner ausfallen werden. Doch der Ansatz sei richtig, um miteinander zu agieren und voneinander zu profitieren.

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