Komplettausbau nicht in Sicht

Bei Kiesbert die Reißleine gezogen: Ausbesserung der L 696 vorzeitig eingestellt

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Wird wohl vorerst eine Schlaglochpiste bleiben: Die L696.

Herscheid – Fahrvergnügen sieht anders aus: Ganz gleich, ob Erholungssuchende, die die Oestertalsperre ansteuern, Anwohner oder Berufstätige, die auf ihrem Weg zur Arbeit oder zurück sind: Für sie alle bleibt die Landstraße 696 eine Wundertüte mit allerlei unvorhersehbaren Überraschungen.

Die Schlaglochpiste beginnt in Höhe Reblin, verschärft sich im weiteren Verlauf in Richtung Talsperre nach der Ortschaft Rüendanz aufgrund der verringerten Straßenbreite. Als Zubringer für die Industriebetriebe im Oestertal nutzen viele Lastwagen die Strecke – brenzlige Situationen im Begegnungsverkehr sind daher an der Tagesordnung. 

Wellen, wegbrechende Bankette, in Rissen und Löchern wucherndes Unkraut – mit diesem Ist-Zustand werden täglich hunderte Fahrer konfrontiert. Einer von ihnen ist Benjamin Ackermann: Der Plettenberger fährt nicht nur berufsbedingt (unter der Woche) täglich mindestens zwei Mal über die Landstraße. Als leidenschaftlicher Motorradfahrer kennt er die Tücken der buckeligen Strecke. Am schlimmsten bewertet er den etwa sechs Kilometer langen Abschnitt zwischen Rüendanz und Himmelmert. „Dort ist der Straßenzustand in den letzten Jahren immer schlechter geworden“, bedauert der 38-Jährige. 

Genau für diesen Bereich hatte der Landesbetrieb Straßen NRW vor einigen Wochen zumindest die Ausbesserung von Frostschäden angekündigt. Dieses Vorhaben wurde zwar umgesetzt, allerdings längst nicht in vollem Umfang, wie Pressesprecher Andreas Berg zugibt. 

Das erste Teilstück zwischen Rüendanz und Parkplatz Oestereinlauf sei in fünf Arbeitsabschnitte eingeteilt worden, davon konnte lediglich einer erledigt werden. Der Grund: Die Flickarbeiten waren derart umfangreich, dass wesentlich mehr Asphalt als eingeplant eingebaut werden musste. Am Abzweig Kiesbert „mussten wir dann die Reißleine ziehen“, sagt der Pressesprecher und verweist darauf, dass die eingeplanten Haushaltsmittel bereits an diesem Punkt aufgebraucht waren. Die vorgesehene Fortsetzung der Maßnahme in mehreren Schritten bis Himmelmert wurde daher gestrichen. 

Das sei ärgerlich, allerdings könne der tatsächliche Bedarf bei diesen Ausbesserungsarbeiten nur schwer abgeschätzt werden. Außerdem müsse sich der Landesbetrieb um eine Vielzahl von Kreis- und Landstraßen kümmern, betont Berg. 

Gemessen an den Verkehrszahlen genieße die L 696 eine geringere Priorität als beispielsweise die wesentlich häufiger genutzte Landstraße 561 von Lüdenscheid nach Plettenberg, wo die Instandsetzung durch den Ausbau am Silberg und die Sanierung zwischen Wiesental und Hüinghausen vorangebracht werden konnte. 

Dennoch bringt Andreas Berg Verständnis für den Ärger all derer auf, die die Landstraße in Richtung Oestertalsperre häufig nutzen: „Die Straße ist zwar noch befahrbar, aber sie befindet sich nicht in einem vernünftigen Zustand.“ Ein kompletter Ausbau sei kurzfristig (damit meint er innerhalb der nächsten zehn Jahre) nicht zu erwarten. Zumindest aber weitere Ausbesserungen seien realistisch, wenngleich zeitlich nicht absehbar. 

Aussagen, die Autofahrern wie Benjamin Ackermann, der auf das Befahren der Landstraße 696 angewiesen ist, nicht erfreuen dürften. Er betont zwar, dass die getätigte Behebung der Frostschäden gut ausgeführt worden sei, aber eben auf einem viel zu kurzen Abschnitt. „Die Situation bleibt weiter nicht zufriedenstellend“, sagt der 38-Jährige.

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