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Aufwind fürs Rad nach dem Stadtradeln? Wege und Konzepte

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Von: Dirk Grein

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Die letzte große Tour mit fast 84 Kilometern Länge führte die Herscheider Stadtradler nach Meinerzhagen. Insgesamt schlossen sich fast 20 Fahrer an, die erst bei Einbruch der Dunkelheit wieder in der Ebbegemeinde ankamen.
Die letzte große Tour mit fast 84 Kilometern Länge führte die Herscheider Stadtradler nach Meinerzhagen. Insgesamt schlossen sich fast 20 Fahrer an, die erst bei Einbruch der Dunkelheit wieder in der Ebbegemeinde ankamen. © Carsten Engel

Drei Wochen Stadtradeln sind vorbei. Die Ebbegemeinde nahm zum ersten Mal an der deutschlandweiten Kampagne teil. Die große Beteiligung verdeutlicht: Viele Herscheider steigen gerne aufs Rad. Doch wie alltagtauglich ist dieses nach Ende der Aktion?

Herscheid - „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Simon Mai. Die Zahl von 93 Herscheider Stadtradlern, die zusammen 21 420 Kilometer zurückgelegt haben, sei beachtlich. Im Vergleich zu anderen lokalen Premieren-Teilnehmern wie Nachrodt-Wiblingwerde oder Schalksmühle habe Herscheid die Nase vor, freut sich der Klimaschutzmanager.

Die gemeinsam mit dem ADFC angebotenen Touren und auch das Pedelec-Sicherheitstraining seien gut angenommen worden. Daran hatte sicherlich auch das Wetter seinen Anteil: Angesichts der Regenarmut mussten die Radfahrer nicht fürchten, unterwegs nass zu werden. Daher traten sie auch längere Strecken an, wie beispielsweise eine insgesamt 84 Kilometer lange Tour von Werdohl über Herscheid nach Meinerzhagen und zurück.

Langfristiges Ziel

Der Klimaschutzmanager hofft, dass die Rad-Euphorie nun nicht einfach verpufft. Die langfristige Zielsetzung sei es, den Bürgern dauerhafte Anreize dafür zu schaffen, für Alltagsfahrten das Rad zu nutzen. Die heimische Region sei diesbezüglich aufgrund ihrer Topografie und der engen Täler nicht prädestiniert; bezüglich der Infrastruktur bestehe Nachholbedarf. Oftmals bleibe für Radfahrer nur wenig Platz auf den Straßen. Sichere Wege zu schaffen sei daher wichtig, denn niemand wolle mit einem unsicheren Gefühl auf sein Rad steigen, weiß Mai.

Klimaschutzmanager Simon Mai (Vordergrund) nahm mit seinem Bio-Bike an vielen Touren teil.
Klimaschutzmanager Simon Mai (Vordergrund) nahm mit seinem Bio-Bike an vielen Touren teil. © Carsten Engel

Große Hoffnungen steckt er in den Masterplan Radverkehrsnetz. Dieser soll die Kommunen des Märkischen Kreises untereinander sowie mit ihren Nachbarkommunen verbinden; das Konzept soll in Kürze den politischen Gremien im Detail vorgestellt werden.

Radwege vor Ort

Doch auch auf kommunaler Ebene soll ein Fortschritt erreicht werden. So soll der Bürgerradweg möglichst bald fortgesetzt werden. Der erste Teil vom Herscheider Bahnhof bis Müggenbruch (Höhe Firma Bauckhage) ist längst fertiggestellt. Der Ausbau bis zum zweiten Zwischenpunkt in Birkenhof lässt jedoch auf sich warten.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, betont Bernd Wittemund vom Tiefbauamt, dass nicht die Gemeinde die Verzögerung verursache. Der Landesbetrieb Straßen.NRW habe die Auditierung noch nicht abgeschlossen – und ohne diese könne der Prozess nicht voranschreiten. Wie Wittemund ergänzt, werde grundsätzlich eine Verbindung von Herscheid bis Hüinghausen angestrebt; der Lückenschluss beinhalte im dritten Abschnitt noch einige planerische Herausforderungen.

Eine Verbesserung in die andere Richtung sei ebenfalls an den Landesbetrieb geknüpft: So sei im Zuge des in Aussicht gestellten dreispurigen Ausbaus der Landstraße 561 von Herscheid bis Hardt auch das Anlegen einer Fahrradspur vorgesehen. Über den Silberg durch die Serpentinen verlaufend gibt es bereits einen Radweg, der kurz vor Hardt abrupt endet. Wann der Ausbau umgesetzt wird, das entziehe sich der Kenntnis der Gemeinde, sagt Bernd Wittemund. Auch bei diesem Projekt sei das Heft des Handelns in der Hand des Landesbetriebes.

Die Sicht der Radfahrer

In der Freizeit setzen immer mehr Herscheider auf das Fahrrad. Die Corona-Pandemie, wirtschaftliche Anreize (wie Bike-Leasing) und hohe Energiekosten haben für einen regelrechten Fahrradboom gesorgt. Aber kann sich das Rad auch im Berufsverkehr etablieren? Carsten Engel, leidenschaftlicher Mountainbiker und Initiator der Herscheider Gruppe Bike-MK, äußert Bedenken: „Mit dem Rad zur Arbeit – das machen vermutlich nur die Hartgesottenen.“

Er nennt ein Beispiel: Wer in der Ebbegemeinde wohnt, aber in Lüdenscheid arbeitet, vor dem liege eine anspruchsvolle Strecke. Wer diese mit dem Bio-Bike antritt, der komme ordentlich ins Schwitzen. Daher biete sich die Strom-Alternative an, also ein E-Bike oder Pedelec. Doch hier sieht Engel Verbesserungsbedarf bei vielen Arbeitgebern: So mangele es bei den Betrieben nicht nur an Lademöglichkeiten, sondern auch an sicheren Unterbringungsmöglichkeiten für die teuren Räder.

Im Freizeitbereich gebe es inzwischen vor allem für Mountainbiker viele Möglichkeiten, die Natur zu erleben und sich gleichzeitig fit zu halten. Einen Wunsch hat Carsten Engel für längere Strecken: eine bessere Kombination mit dem Nahverkehr. Wer einen Teil seiner Fahrtstrecke mit Bus oder Bahn bestreiten möchte, der könne sich nie sicher sein, ob es auch ausreichend Platz für die Mitnahme von Rädern gibt. „Da ist noch viel Luft nach oben“, sagt der Herscheider,

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