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Auch ohne Kuchen und Mettbrötchen beliebt: 124 Blutspender in der Aula

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Von: Dirk Grein

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Eher losgefahren und lange im Stau gestanden: Das Team des Blutspendedienstes West war trotz der Autobahnsperrung rechtzeitig im Bildungszentrum Rahlenberg eingetroffen.
Eher losgefahren und lange im Stau gestanden: Das Team des Blutspendedienstes West war trotz der Autobahnsperrung rechtzeitig im Bildungszentrum Rahlenberg eingetroffen. © Foto: Grein

Die Unwägbarkeiten sorgten im Vorfeld für einige Fragezeichen: Werden sich die verschärften Corona-Schutzmaßnahmen auf das Spenderverhalten auswirken? Und wie geht das Team des Blutspendedienstes West mit der Sperrung der Autobahn A 45 um?

Herscheid - „Wir sind rund eineinhalb Stunden unterwegs gewesen, also gut eine halbe Stunde länger als sonst“, erzählte Teamleiterin Janny van der Kooi. Die Fahrt von Hagen in die Ebbegemeinde hatten die „Weißkittel“ daher bewusst eher als sonst angetreten. Und sie trafen rechtzeitig am Bildungszentrum Rahlenberg an, um ihre Ausrüstung auszuladen und die Spende vorzubereiten. An diese längeren Fahrten „werden wir uns wohl gewöhnen müssen“, sagte Janny van der Kooi.

Logistische Probleme erwartete sie durch die Brückensperrung indes nicht. Die Fahrten seien zwar länger, doch das gespendete Blut komme dennoch rechtzeitig in Hagen an. Dort sei das Zentrallabor des Blutspendedienstes West angesiedelt, wo die Spenden getestet und anschließend präpariert werden. Von dort aus erfolge die Versorgung von Krankenhäusern und Arztpraxen in Südwestfalen.

Die Teamleiterin erzählt: Nach den Blutspenden werden von den Mitarbeitern in Hagen „Nachtschichten“ eingelegt, damit die Blutspenden aus Herscheid, aber beispielsweise auch aus Bad Kreuznach – das sei die am weitesten von Hagen entfernte Kommune im Einzugsbereich des Blutspendedienstes West – umgehend bearbeitet werden können.

Dem DRK die Meinung sagen: Blutspendebeauftragte Bianca Langenbach stellte eine Feedbackbox auf.
Dem DRK die Meinung sagen: Blutspendebeauftragte Bianca Langenbach stellte eine Feedbackbox auf. © Foto: Grein

Mit einem Lächeln verriet Janny van der Kooi, bevor sie sich wieder ihrer Arbeit widmete, dass sie unheimlich gern nach Herscheid komme. „Das sind die Kuchen-Termine“, sagt sie lachend. Die Bewirtung, organisiert von den Mitgliedern des DRK-Ortsvereins Herscheid, scheint über die Gemeindegrenzen hinaus beliebt zu sein.

Allerdings: Seit Beginn der Pandemie müssen Helfer und Besucher auf den gemeinsamen Schmaus verzichten. Stattdessen bedanken sich die Herscheider mit zuvor gepackten Lunchpaketen zum Mitnehmen. Insgesamt 180 Stück waren diesmal zusammengestellt worden – der Jahreszeit entsprechend übrigens mit Lebkuchenherzen und Handcreme.

Neben dieser Paket-Lösung zählen neuerdings die 3 G-Regel und das Tragen von FFP 2-Masken zu den Vorschriften bei den Blutspenden. Darüber wurden die Besucher im Vorfeld informiert und am Eingang der Aula erinnert. „Zu nennenswerten Problemen ist es nicht gekommen“, zeigte sich Herscheids Blutspendebeauftragte Bianca Langenbach erleichtert.

Insgesamt kamen am Donnerstag 124 Spender in die Aula des Bildungszentrums. Unter ihnen waren erfreulicherweise drei Erstspender. Zu den – im positiven Sinn gemeinten – „Serientätern“ zählten Michael Appelbaum und Thorsten Grüber, die sich jeweils zum 50. Mal anzapfen ließen. Rene Pattberg leistete seine 25. Blutspende. „Mit diesem Ergebnis sind wir recht zufrieden“, sagte Bianca Langenbach.

Auch die Auswertung der Feedbackbox sei ihrer Meinung nach erfreulich gewesen. Bei dem Termin im September hatten die Besucher erstmals die Möglichkeit, dem DRK schriftlich ihre Meinung mitzuteilen. Dabei seien grundsätzlich der Ablauf und die Einbahnstraßenregelung in der Aula gelobt worden. Diese wurde – in Absprache mit dem Blutspendedienst – für Donnerstag noch einmal verfeinert.

Kritische Äußerungen seien in der Meinungskiste nicht eingegangen, wohl aber ein Wunsch: Ein Besucher vermisse die Mettbrötchen. Durch den Wegfall des gemeinsamen Essens fehle den Terminen der gesellige Abschluss, der bald wieder zurückkehren soll, so die Hoffnung des Spenders.

Brigitte Siegel half am Donnerstag zum letzten Mal bei einer Blutspende in Herscheid.
Brigitte Siegel half am Donnerstag zum letzten Mal bei einer Blutspende in Herscheid. © Foto: Grein

Einen Abschied gab es am Donnerstag auch: Als frisch ausgebildete Schwesternhelferin des DRK saß sie in ihren Anfangsjahren bei jedem Termin – damals noch – im Martin-Luther-Haus an den Liegen, um das gespendete Blut zu rühren. „Das waren noch Zeiten“, erinnert sich Brigitte Siegel zurück an die Blutspenden in Herscheid, bei denen sie Schürze und Haube getragen hat.

Inzwischen gibt es für das Blutrühren Geräte, die Schutzausrüstung hat sich ebenso geändert wie der Ort: Doch eines ist geblieben – das Helfer-Gen der Herscheiderin, die fast sechs Jahrzehnte lang Mitglied im DRK-Ortsverein ist und stets bei der Durchführung der Blutspenden geholfen hat. In dieser Zeit habe sie viele nette Menschen kennengelernt, entsprechend schwer fiel ihr der Abschied. Aber: „Nach 59 Jahren ist jetzt Schluss“, steht der Entschluss von Brigitte Siegel, die sich herzlich vom Helferteam und den Blutspendern verabschiedete.

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