Mädchenanteil im Juze steigt

Zuhören, helfen, aber nicht belehren: Arbeit mit Jugendlichen hat eigene Regeln

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Die kontinuierliche Beziehungsarbeit macht für Andreas Wehberg und Silke Obier den Schwerpunkt der gemeinsamen Arbeit mit den jungen Besuchern aus.

Herscheid – Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Perspektiven aufweisen, ihnen bei Sorgen und Nöten als Ansprechpartner zur Seite stehen, ihrem Alltag in Herscheid Struktur verleihen – all das und vieles mehr leisten die Mitarbeiter des Jugendzentrums.

„Der Schwerpunkt liegt auf der kontinuierlichen Beziehungsarbeit“, erklärte Einrichtungsleiterin Silke Obier in der Sitzung des Sozialausschusses. Sie freute sich, dass der nächste Generationenwechsel vollzogen werden konnte: Weniger ältere, dafür mehr jüngere Gäste – so lautet das Ergebnis der aktuellen Besucherstatistik. Die Einrichtung wird demnach hauptsächlich von 10- bis 17-Jährigen genutzt. 

Erfreulicherweise gestiegen sei der Mädchenanteil, hob Silke Obier hervor, dass inzwischen 34 Prozent der Besucher Mädchen sind. Deutlich zurückgegangen sei hingegen der Anteil der Asylbewerber, die noch vor wenigen Monaten regelmäßig den offenen Bereich zum Austausch nutzten. Doch inzwischen kommen sie seltener, weil sie durch berufliche Pflichten eingebunden sind, vermutet Leiterin Silke Obier. 

Erschwert wird die Planung der Ferienspaß-Aktionen: Jugendliche Betreuer zu finden werde immer komplizierter, bedauerte Silke Obier. Um gegenzusteuern, richtet das Jugendzentrum regelmäßig Schulungen für Jüngere an. Auf diese Weise konnten zuletzt neue Betreuer gewonnen werden, die das Programm aktiv mitgestalten. Über den Ferienspaß lernen Kinder im Grundschulalter das Jugendzentrum und dessen Spielmöglichkeiten kennen. Die gemeinsame Arbeit sei eine Bereicherung, schwärmt Silke Obier: „Der Ferienspaß ist für uns eine Herzensangelegenheit.“ 

Während die Einrichtungsleiterin hauptsächlich in Tätigkeiten im Jugendzentrum eingebunden ist, sucht ihr Kollege Andreas Wehberg darüber hinaus auch mehrmals täglich die Treffpunkte der jungen Menschen auf der Straße auf. Der Freitagabend habe sich dabei als Haupttag herauskristallisiert, an dem besonders viele Herscheider rausgehen. Nach fünf Jahren seiner Tätigkeit werde er inzwischen von seinen Gesprächspartnern akzeptiert, er könne sich frei bewegen und werde herbeigerufen und um Rat gefragt. Wie Probleme konfliktlos gelöst werden können, sei eine häufig besprochene Thematik. 

Bis auf eine Ausnahme sei der Kontakt zu den jungen Erwachsenen zwar gut, kompliziert werden die Gespräche aber immer dann, wenn Alkohol im Spiel sei. Nach 22 Uhr sei eine pädagogische Arbeit daher nicht mehr möglich, schilderte Wehberg seine Erfahrungen. 

Ganz gleich zu welcher Uhrzeit: Den Abfall, der an vielen Treffpunkten hinterlassen werde, spricht der Streetworker bewusst nicht an. Ihm sei das Thema zwar bekannt, er würde aber die sensibel aufgebauten Kontakte aufs Spiel setzen, wenn er versuchen würde, das Verhalten der jungen Erwachsenen zu lenken. Stattdessen sieht sich Wehberg als Bindeglied zwischen den Menschen, die sich auf der Straße aufhalten, und der Gemeinde. 

Als Paradebeispiel dafür, wie ertragreich die Zusammenarbeit verlaufen kann, nannte der Sozialarbeiter den Bau der BMX-Bahn: Diese sei unter aktiver Einbindung einiger späterer Nutzer direkt neben dem Spielplatz Wiesenstraße entstanden; die Anlage befinde sich „im Endstadium der Fertigstellung“, sagt Wehberg. Die Bahn soll dafür sorgen, dass das Befahren der Hügellandschaften in den Dorfwiesen abnimmt.

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