Anstrengungen von Erfolg gekrönt: Evangelische Kindertagesstätten mit Beta-Gütesiegel ausgezeichnet

Keine Kinder-Verwahranstalt

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Kleine Einrichtung ganz groß: Die Erzieherinnen der evangelischen Kindertagesstätte „Arche Noah“ Hüinghausen zeigen stolz ihre Urkunde und das Beta-Gütesiegel (von links): Isabell Brinker, Yvonne Stumpe, Katrin Lückel, Einrichtungsleiterin Sabine Neumann und Sabrina Sachse.

HERSCHEID - Der Begriff Qualitätsmanagementf beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die Industrie. Auch Kindertagesstätten stellen sich der Prüfung von Auditoren und aufwendigen Zertifizierungsprozessen – in Herscheid und Hüinghausen mit großem Erfolg.

„Wir wollen gesehen werden“, sagt Sabine Neumann. Was die Leiterin der Kindertagesstätte „Arche Noah“ Hüinghausen damit meint? Viel zu häufig werde der Beruf der Erzieherin belächelt. Der Kindergarten als reine Verwahranstalt – das sei eine überholte Vorstellung. „Wir sind eine Bildungsinstitution“, betont Sabine Neumann und verweist auf die zehn Bildungsbereiche, die in der Arche plakativ ausgehängt sind und die sich in der alltäglichen Arbeit wiederfinden. 

Die Auszeichnung mit dem Beta-Gütesiegel besitzt für die Hüinghauser einen hohen Stellenwert: Mit fünf Erzieherinnen und 44 Kindern handelt es sich um eine kleine Einrichtung. Doch auch die ist auf Zack; sie stellt sich dem gesellschaftlichen Wandel, begleitet die Kinder auf einem elementar wichtigen Lebensabschnitt. 

Um all diesen Herausforderungen gerecht zu werden, haben Sabine Neumann und ihre Kolleginnen in unzähligen Sitzungen das eigene Leitbild überarbeitet, Führungs- und Kernprozesse herausgestellt und die eigene Arbeitsweise immer wieder hinterfragt. Ist eine Barbie-Ecke noch zeitgemäß? Sind die Trinkbecher für die Kinder auf den Tischen gut erreichbar? Wie kann das Erstgespräch mit den Eltern strukturiert werden? „Wir haben uns mit allen Details der Kindergartenarbeit beschäftigt“, sagt die Einrichtungsleiterin. Die Ergebnisse wurden zu Papier gebracht und sind in zwei prall gefüllten Ordnern nachlesbar. 

Einige neue Denkansätze erweisen sich bereits als Bereicherung. So ist aus einer Umfrage hervorgegangen, dass sich einige Eltern einen Austausch am Nachmittag wünschen; die Premiere des Eltern-Treffs fand Dienstag statt. „Dabei haben wir etliche Themen rund um unsere Einrichtung sammeln können, die wir bei den nächsten Treffen aufgreifen werden“, verspricht Sabine Neumann. 

Dabei verschweigt sie nicht, dass der Prozess viel Zeit und Kraft gefordert hat. Doch dank des großen Engagements aller Beteiligten und auch der Unterstützung des Elternrates „können wir die Früchte unserer Arbeit ernten“, spielt die Einrichtungsleiterin auf die erhoffte Urkunde und das Gütesiegel an. 

Zudem freut sich Sabine Neumann, dass die Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum „Unterm Regenbogen“ weiter vertieft werden konnte; auch die Herscheider Einrichtung stellte sich erstmals diesem Verfahren. „Die Zertifizierung hat uns an die Grenzen unserer Kräfte gebracht, aber sie ist sinnbringend für Eltern, Kinder und uns Erzieherinnen“, blickt Einrichtungsleiterin Christiane Krüger mit gemischten Gefühlen auf den zweieinhalb Jahre andauernden Prozess zurück. 

Teamsitzungen und Konzeptionstage im Anschluss an die Arbeit waren die Regel. Aber sie brachten Produktives mit sich, beispielsweise die noch ausgeprägtere Partizipation. So können die Kinder bei den Stuhlkreisen Einfluss auf die zu besprechenden Themen nehmen. Die intensive Arbeit habe obendrein das Team weiter zusammengeschweißt. 

Diese gute Atmosphäre war auch der Auditorin bei ihrem Besuch in der Einrichtung aufgefallen; sie lobte zudem die individuelle Förderung eines jeden Kindes und die gut gestaltete Eingewöhnungszeit für die neuen Kindergartenkinder. „Unsere Einrichtung ist durch diesen Prozess weiter vorangekommen“, meint Christiane Krüger. 

Angesichts des großen Aufwandes freuen sich die Erzieherinnen – das gilt für Hüinghausen und Herscheid gleichermaßen – allerdings mehr denn je auf die Sommerferien und Zeit zur Erholung.

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