Bewohner des Seniorenzentrums Herscheid müssen auf Besuch verzichten

Im abgeschotteten Seniorenheim: "Alle gehen mit der Situation gut um"

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Ein Bild aus den Zeiten vor Corona: Doch auch heute singen und lachen die Bewohner des Herscheider Seniorenzentrums noch gemeinsam – nur eben in kleinen Gruppen statt in großer Runde.

Das Wichtigste vorab: Allen Bewohnern und Mitarbeitern des Herscheider Seniorenheims geht es gut, zumindest gesundheitlich. „Die aktuelle, ungewohnte Situation macht manchmal etwas unsicher“, schildert Anke Dahlhaus, Leiterin des Herscheider Seniorenheims, die aktuelle Lage in Zeiten des Coronavirus. 

Volker Halbhuber hat nachgefragt: Wie groß ist die Sorge bei den Bewohnern, die alle zur Risikogruppe gehören? Wie wirkt sich das Besuchsverbot aus?

Wie bringen Sie das Coronavirus den Bewohnern bei?

Wir versuchen natürlich, so weit es geht, aufzuklären. Wir reden sehr viel mit den Bewohnern. Miteinander reden ist sehr wichtig.

Wie gehen die Mitarbeiter mit dem Coronavirus um?

Auch wir untereinander reden sehr viel. Eine verstärkte Achtsamkeit der Mitarbeiter sowohl im privaten Bereich als auch innerhalb des Seniorenheims ist das A und O. Wir können und werden sicherlich die Mitarbeiter im Privatleben nicht überwachen, aber wir sensibilisieren alle, die vorgeschriebenen Empfehlungen einzuhalten. Und davon kann ich auch ausgehen, dass dies verinnerlicht wird. Ansonsten haben wir generell ja schon sehr hohe Anforderungen an Hygiene, Sauberkeit und Schutz.

Wie hat sich durch das Coronavirus der Tagesablauf im Seniorenheim verändert?

Uns fehlen natürlich die Angehörigen und ehrenamtlichen Helfer, die uns im Normalbetrieb einige Arbeit abnehmen und unterstützen. Da aber der soziale Bereich derzeit keine Aktion hat, stehen uns diese Mitarbeiter zur Verfügung und helfen uns, wo es nur geht. Da die Schulen geschlossen haben, können wir unsere Auszubildenden komplett in den Dienst einbinden, je nach Ausbildungsstand natürlich. Auf dieser Basis versuchen wir, den Tagesablauf so gewöhnlich wie möglich zu gestalten.

Wie gehen die Bewohner mit der Tatsache um, derzeit keinen Besuch zu bekommen?

Da haben wir verschiedene Möglichkeiten. Erstens haben viele Senioren ein Telefon und können zumindest so mit den Angehörigen in Kontakt bleiben. Bei Bewohnern, denen eine eigenständige Kontaktaufnahme nicht möglich ist, helfen wir auch, damit sie immer wieder Kontakt haben. Bei einigen Palliativbewohnern stehen wir im sehr engen Kontakt mit den Angehörigen, denn auch für die Angehörigen ist es ja eine neue Situation. Zweitens beschäftigen wir uns auch je nach Bedarf mit den Senioren, um sie abzulenken und keine Einsamkeit aufkommen zu lassen. Drittens mussten wir zwar alle Veranstaltungen absagen oder einschränken, haben aber Möglichkeiten gefunden, die sozialen Kontakte untereinander aufrecht zu erhalten. Normalerweise findet das gemeinsame Singen im Panoramaraum statt. Nun singen wir mit den Bewohnern in ganz kleinen Gruppen in den Wohnbereichen.

Von außen ist das Seniorenheim quasi isoliert, mit Ausnahme der Mitarbeiter, wie schränkt man sich zudem im Heim selbst noch ein?

Wie gesagt, Aktionen finden in kleinen Gruppen statt und die Bewohner halten sich ausschließlich in ihren Wohnbereichen auf. Das Bistro ist ausschließlich für die Mitarbeiter geöffnet. Wir haben ja zudem den neuen Gartenbereich, der vom Förderverein mitfinanziert wurde. Hier gehen wir mit einzelnen Bewohnern hin, um auch Bewegung nach draußen zu haben.

Das bedeutet, dass eine Gefahr, das Virus ins Heim zu bekommen, nur bei den Mitarbeitern liegt?

Das kann man so bestätigen. Daher sprechen wir auch viel im Team untereinander und weisen immer wieder darauf hin, dass es wichtig ist, auch im privaten Bereich alle Hinweise und Regeln zu befolgen, um sich selbst zu schützen. Ich bin froh, dass wir bisher keinen Fall haben.

Überall gibt es Hamsterkäufer und leere Regale. Auch einige Krankenhäuser klagen über Versorgungsengpässe bei Hygienemitteln. Wie ist die Lage im Seniorenheim?

Seitens des Trägers des Seniorenheims hat man ein Unternehmenskrisenteam gebildet. Dieses versorgt uns mit den Informationen und hat einen zentralen Einkauf von Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung. Wir selbst haben alle Dinge aktuell ausreichend eingelagert. Dieser Bestand reicht unter den gegebenen Vorsichtsmaßnahmen für rund zwei Wochen. Wenn sich die Lage verschärft und Vorgaben verändern, kann es vereinzelt zu Engpässen kommen. Wir stehen aber in einem guten Kontakt zur Zentrale.

Wie viele Bewohner und Mitarbeiter sind derzeit im Seniorenheim beheimatet und angestellt?

Wir sind ein recht kleines Haus mit 60 Bewohnern, also Vollbelegung, und 80 Mitarbeitern. Darunter sind aber auch alle Azubis, Praktikanten, Teilzeitkräfte sowie Küchenangestellte und Reinigungskräfte inbegriffen.

Wie sieht es neben der körperlichen Belastung durch die Mehrarbeiten mit der geistigen Belastung der Mitarbeiter aus?

Wir sind noch in der glücklichen Lage, dass wir keine Sonderschichten fahren müssen und jedem Mitarbeiter seinen Urlaub zur Erholung gewähren können. Auch normale Krankheitsausfälle können wir kompensieren. Daher gehen alle mit der Situation sehr gut um. Sollte es aber außergewöhnliche Ausfälle geben, müssten wir Mitarbeiter aus dem Urlaub holen. Auf diesem Weg möchte ich sagen, dass wir ein tolles Team mit tollen Mitarbeitern haben, die sich gegenseitig unterstützen. Es ist eine Hand-in-Hand-Arbeit. Darauf bin ich sehr stolz.

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