Junglandwirt Lasse Bühner berichtet von der Fahrt nach Bonn

Angespannte Protest-Stimmung nach Trecker-Konvoi

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Mit seinem roten Case-Trecker machte sich Lasse Bühner auf den Weg von der Gasmert nach Bonn – und im Anschluss an die Kundgebung auch wieder zurück.

Herscheid – Sie haben das bloße Zuhören satt und wollen endlich selbst gehört werden: Aus diesem Grund machten tausende Landwirte mit einem bundesweiten Aktionstag auf ihren beruflichen Überlebenskampf aufmerksam. Einer von ihnen war Lasse Bühner.

"Ich habe das Gefühl, dass wir Landwirte nicht mehr verstanden werden“, sagt der 20-jährige Herscheider. Aus diesem Grund schloss er sich der privaten Bewegung an, die unter dem Namen „Land schafft Verbindung“ binnen kürzester Zeit etliche Betroffene aus der grünen Branche erreichen und vereinigen konnte. 

In aller Früh (um 2.50 Uhr) begann der recht kurzfristig ins Leben gerufene Aktionstag für den Junglandwirt, der mit seinem roten Case-Trecker zunächst zu einem Treffpunkt in Dohrgaul (Wipperfürth) aufbrach. Begleitet von der Polizei fuhren Landwirte aus dem Märkischen Kreis, Soest, Warendorf und Osnabrück in einem etwa 500 Fahrzeuge starken Konvoi in Richtung alte Bundeshauptstadt, Bonn. 

Je mehr sich die Trecker dem angestrebten Ziel näherten, desto langsamer mussten sie aufgrund des Verkehraufkommens fahren. Weil die Stadt Bonn bei Ankunft (gegen 11 Uhr) bereits stellenweise lahmgelegt war, parkten der Herscheider und seine Weggefährten ihre Trecker auf einem Acker und gingen von dort gemeinsam zu Fuß zum Münsterplatz, wo die zentrale Kundgebung stattfand. 

Die Stimmung unter den geschätzt 6 000 Zuhörern dort beschreibt Lasse Bühner als zweigeteilt – sie schwankte zwischen Stolz über den erreichten Zusammenhalt und Wut über die prekäre Situation der Landwirte, die Auslöser für diese Aktion war. Emotionale Zwischenrufe begleiteten daher auch manch einen Wortbeitrag der Redner auf der Bühne. 

Enttäuscht zeigten sich die Landwirte, dass weder Agrarministerin Julia Klöckner, noch Umweltministerin Svenja Schulze die Veranstaltung besuchten, um sich den dringlichen Fragen der Landwirte zu stellen. „Beide waren aber offiziell eingeladen“, betont der Herscheider. 

Lasse Bühner hofft auf ein Umdenken der Politik – im Sinne der Landwirte und ihrer Tiere.

Breiten Zuspruch erhielten er und seine Berufskollegen hingegen auf der Rückfahrt: Von Bonn aus ging es über die Dörfer gen Sauerland. Viele Anwohner – ganz gleich ob Kinder, Erwachsene oder Senioren – verfolgten den Treckerkonvoi neugierig und wohlwollend mit dem Zeichen Daumen hoch. „Das war für uns eine positive Erfahrung“, freut sich Bühner über die Reaktionen unterwegs. 

Rund fünf Stunden benötigte er übrigens für die Rückfahrt von Bonn bis zum heimischen Hof auf der Gasmert. Insgesamt war er somit knapp 16 Stunden unterwegs in Sachen Kundgebung. Ob sich dieser Aufwand gelohnt hat? „Wir wollten mit dieser Aktion nicht auf spezielle Missstände hinweisen, sondern generell zeigen, dass wir noch da sind – und das ist uns gelungen“, sagt der junge Herscheider. 

Die Situation auf manchen Höfe habe sich zuletzt durch einen Wust an Auflagen weiter verschärft. Die Bewegung „Land schafft Verbindung“ fordert daher ein Einlenken der Politik, die – eventuell aufgerüttelt durch den Aktionstag – endlich dazu bereit sein soll, mit und nicht nur über die Landwirte zu reden. 

Und wenn nicht? Dann sollten die Proteste so lange wiederholt werden, bis sie den gewünschten Effekt haben, meint Lasse Bühner, denn: „So wie bislang kann es einfach nicht weitergehen.“

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