Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht

Angeklagte streitet Griffe in die Kasse vehement ab

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Herscheid – 27 Mal soll eine Herscheiderin zwischen Oktober 2017 und Juni 2018 in die Kasse eines Textilgeschäfts in Lüdenscheid gegriffen haben. Zum Auftakt des Prozesses im Amtsgericht Altena bestritt die Angeklagte die Vorwürfe: „Ich kann zu 1 000 Prozent sagen, dass ich es nicht war.“

Laut Anklage soll sie immer wieder die Rückgabe gekaufter Waren simuliert und die auszuzahlenden Beträge zwischen 2,99 Euro und 79,98 Euro für sich selber abgezweigt haben. Dabei soll insgesamt ein Schaden von 907,63 Euro entstanden sein. Bei einem Teil der Taten soll sie Empfangsbescheinigungen von erfundenen Kunden ausgefüllt und selber unterschrieben haben. 

Direkte Zeugen der angeblichen Taten gibt es nicht. Der Verdacht entstand, als in der Zentrale des Unternehmens nach Inventuren auffiel, dass in dieser Filiale überdurchschnittlich viel Ware verschwunden war. Vor der Beschäftigung der jungen Frau habe der Schwund bei etwa 0,5 Prozent gelegen, erklärte eine Zeugin, die sich um zwei Uhr nachts auf den langen Weg nach Altena gemacht hatte. 

Ein Warenschwund bis zu einem Wert von einem Prozent gelte in der Branche noch als normal. Dieser Wert sei während der Beschäftigung der Angeklagten auf bis zu knapp drei Prozent gestiegen und nach ihrem Ausscheiden wieder auf unter ein Prozent gesunken. 

Nach diesem statistischen Befund nahm sich die für die Aufsicht zuständige Sachbearbeiterin die Auszahlungsbelege vor und kam aufgrund der angegebenen Zeiten letztlich zu der Vermutung, dass die Angeklagte diese gefälscht habe. Auch dies bestritt die Verkäuferin: „Ich möchte wissen, wie man dazu kommt, dass ich diese Unterschriften geleistet habe.“ 

Ob sonst noch eine Mitarbeiterin im Geschäft anwesend war, lautete die nächste Frage. „An diesen, von der Anklage aufgelisteten Tagen war nur eine Kassiererin eingebucht“, erklärte die Zeugin. 

Die Angeklagte konnte den Vorwurf verstehen: „Ich kann nachvollziehen, dass ich es gewesen sein soll“, erklärte sie. Ebenso vehement trug sie aber vor, dass jenseits der vom internen Erfassungssystem gelieferten Daten durchaus andere Mitarbeiter im Laden waren. 

Gibt es aber jemanden, der immer dann ohne entsprechende Meldung an das Erfassungssystem da war, wenn sich auch die Angeklagte im Geschäft befand? Richter Dirk Reckschmidt hielt der Angeklagten eine Beweislage vor, „die langsam, aber sicher erdrückend“ sei. Und im Jugendstrafrecht sei es „wichtig, dass jemand etwas einsieht“. 

Doch die Angeklagte blieb bei ihrer Darstellung, und es gab keine hinreichende Gewissheit über ihre Täterschaft. Es blieben Zweifel, weil die für die allgemeinen Kontrollen zuständige Zeugin nichts zu den konkreten Vorgängen in der Lüdenscheider Filiale sagen konnte. Für entsprechende Nachermittlungen setzte das Jugendschöffengericht das Verfahren vorerst aus.

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