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Amerikanische Faulbrut: Sperrbezirk im MK aufgehoben - aber nicht überall

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Von: Dirk Grein

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Wegen des Ausbruchs der Amerikanischen Faulbrut mussten in Herscheid zwei Bestände getötet werden. Alle anderen Völker im Gemeindegebiet mussten vorsichtshalber saniert werden. Eineinhalb Jahre nach dem Ausbruch gilt die Bienenkrankheit in der Gemeinde als beseitigt.
Wegen des Ausbruchs der Amerikanischen Faulbrut mussten in Herscheid zwei Bestände getötet werden. Alle anderen Völker im Gemeindegebiet mussten vorsichtshalber saniert werden. Eineinhalb Jahre nach dem Ausbruch gilt die Bienenkrankheit in der Gemeinde als beseitigt. © Jan Woitas / DPA

Diese Nachricht ist für die gut 60 Mitglieder des Herscheider Imkervereins eine Erlösung: Das Veterinäramt des Märkischen Kreises hat den wegen des Ausbruchs der Amerikanischen Faulbrut eingerichteten Sperrbezirk in der Ebbegemeinde aufgehoben. Nach mehr als eineinhalb Jahren können die Bienenzüchter vor Ort somit wieder zur Normalität übergehen.

Herscheid - Die Faulbrut brach im Sommer 2021 in Herscheid aus und im Mai dieses Jahres auch in Lüdenscheid. In den beiden Nachbarkommunen war die Infektionskrankheit der Insekten jeweils in zwei Bienenhaltungen nachgewiesen worden. Dies hatte gravierende Auswirkungen.

„Die befallenen Bestände in Herscheid wurden unverzüglich abgetötet und das Material saniert, um eine Verbreitung der Infektionskrankheit zu verhindern“, teilt Alexander Bange, Pressesprecher des Märkischen Kreises mit. Darüber hinaus habe das Veterinäramt alle Bienenhaltungen im Sperrbereich untersucht. Dabei seien zwar keine klinisch erkrankten Völker, jedoch erhebliche Sporennachweise gefunden worden.

Die Auswirkungen für Imker und Tiere

Im Frühjahr 2022 erfolgte daher die Sanierung aller Bienenbestände mit Sporen-nachweis. Zeitgleich wurden die betroffenen Bienenstöcke durch die Imker desinfiziert.

Dabei handele es sich um eine anspruchsvolle Prozedur, wie Frank Esser, Vorsitzender des Herscheider Imkervereins, erklärt. Sanierung bedeute, dass einem Bienenvolk für kurze Zeit das gewohnte Umfeld entzogen werde (Beute, Kiste, Wabe). Auf diese Weise werde dafür gesorgt, dass die Bienen den Resthonig aus ihren Mägen abgeben. Erst wenn dies geschehen ist, erhalten sie ein „neues Zuhause“, wie Esser den Zustand nach der Desinfizierung nennt.

Die weiteren Auswirkungen für die Imker vergleicht der Vereinsvorsitzende wie folgt: „Das waren Einschnitte wie zu Beginn der Corona-Pandemie.“ Esser nennt Beispiele: So sei der Austausch von Bienenvölkern, der unter Imkern durchaus üblich sei, in den letzten Monaten strikt verboten gewesen. Erfahrene Herscheider Imker, die ihre Völker altersbedingt hatten weitergeben wollen, mussten dieses Vorhaben somit aufschieben.

Bakterielle Infektionskrankheit

Bei der Faulbrut handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit („Paenibacillus larvae“), die die Brut der betroffenen Bienenvölker befällt. Der Erreger wird in Form von infektiösen Sporen durch Flug-Bienen auf die im Bienenstock vorhandene Brut übertragen. Die Brut stirbt größtenteils ab, sodass die Zahl der Bienen in dem betroffenen Volk immer geringer wird und schlussendlich nicht mehr die notwendige Stärke aufweist, um zu überwintern. Das Bienenvolk überaltert und stirbt schließlich ab. Ausgewachsene Bienen erkranken nicht an der Faulbrut. Zur Bekämpfung der Faulbrut müssen befallene Völker saniert oder getötet werden. Für Menschen ist die Bienenkrankheit ungefährlich. Der Honig kann ohne jede Einschränkung weiterhin verzehrt werden. Die Amerikanische Faulbrut ist eine anzeigepflichtige Bienenseuche; sobald der Verdacht besteht, muss der Imker den Amtstierarzt darüber informieren. 

Auch die Honigernte sei durch die Auflagen erschwert worden: Diese war ausschließlich am Standort des Bienenstocks erlaubt. Die Imker sind es zum Teil jedoch gewohnt, den Honig samt Wabe mit nach Hause zu nehmen, um den Honig dort zu schleudern.

Bei den Kunden sei zudem eine große Verunsicherung zu spüren gewesen. Er habe viele Gespräche geführt und immer wieder erklärt, dass der Honig trotz der aufgetretenen Krankheitsfälle bei einzelnen Völkern verzehrt werden könne, erklärt Esser.

Entsprechend froh ist er über die jüngste Benachrichtigung durch den Märkischen Kreis: Die Amerikanische Faulbrut gilt in Herscheid als beseitigt, heißt es in einer Pressemitteilung, Der Sperrbezirk und die damit einhergehenden Beschränkungen entfallen ab sofort.

Lüdenscheider Sperre bleibt bestehen

Dies gilt allerdings nicht für die Nachbarstadt: In Lüdenscheid bleibt ein begrenzter Sperrbezirk bestehen. Auch dort wurden die im Sommer als betroffen gemeldeten Bienenhaltungen unschädlich gemacht. Bei einer ersten Untersuchung aller im Sperrbezirk gehaltenen Bienenvölker sind Sporen nachgewiesen worden. Die Sanierung sei im Frühjahr 2023 geplant. Die Sperrverfügung für Bienenhalter gilt daher weiterhin, betont der Kreis.

Das Veterinäramt des Märkischen Kreises hat den Sperrbezirk in Herscheid aufgehoben; der in Lüdenscheid bleibt allerdings vorerst bestehen.
Das Veterinäramt des Märkischen Kreises hat den Sperrbezirk in Herscheid aufgehoben; der in Lüdenscheid bleibt allerdings vorerst bestehen. © Karte: Märkischer Kreis

Jedoch gebe es einen gravierenden Unterschied bei der Einrichtung der Sperrbezirke, betont Frank Esser. In Herscheid sei der Bezirk auf das gesamte Gemeindegebiet ausgeweitet gewesen: Wenngleich der Ausbruch vergleichsweise lokal gewesen sei, mussten sich dennoch alle Imker an die Einschränkungen halten. Der Sperrbezirk in Lüdenscheid sei hingegen kleiner gefasst worden. Ein solches Vorgehen wünscht sich Esser auch bei etwaigen neuen Ausbrüchen: „Ich hoffe, dass wir alle aus den gemachten Erfahrungen lernen können“. Wenngleich er ergänzt: „Hoffentlich bleiben wir vor weiteren Ausbrüchen verschont.“

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