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Alte Handwerkskunst, die junge Familie begeistert

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Von: Hartmut Damschen

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Auf Anhieb ein eingespieltes Team: Danny Wohlpart und Katharina Vollmerhaus knüpften ein Flechtband.
Auf Anhieb ein eingespieltes Team: Danny Wohlpart und Katharina Vollmerhaus knüpften ein Flechtband. © Hartmut Damschen

Der Spieker ist immer einen Besuch wert. Besonders, wenn, wie am Sonntag, das alt-ehrwürdige Gebäude am „Tag des offenen Denkmals“ für jedermann geöffnet ist.

Herscheid - „Der Spieker ist eines von insgesamt 19 Herscheider Denkmälern“, erklärt Dr. Klaus Hüttebräucker, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins. „Herscheid bietet mit 13 Baudenkmalen, fünf Bodendenkmalen und einem beweglichen Denkmal viele Einblicke in unsere Entwicklung.“ Baudenkmal und Bodendenkmal sind selbsterklärend. Aber beweglich? Dr. Hüttebräucker klärt milde lächelnd auf: „Das ist die Märkische Museumseisenbahn in Hüinghausen.“

Aber nun zum Spieker: Unten in der guten Stube gleich links vom Eingang, in der das liebevoll restaurierte Harmonium von Anna von Holtzbrinck steht, konnten die neuesten Errungenschaften betrachtet werden: Eine Mercedes-Schreibmaschine, die darauf wartet, vielleicht wieder gangbar gemacht zu werden. Ein wirklich altes Radio mit einer Verstärkerröhre, einem separaten Lautsprecher und den einstellbaren Spulen, mit denen ein Sender gesucht werden konnte. Ein tolles Stück aus den Anfängen des Radioempfangs. Daneben lagen zwei leere Fotoalben, die aber jeweils einen aufwändig geprägten Ledereinband besitzen.

In der Küche wurden fleißig frische Waffeln gebacken und heißer Kaffee wartete auf die Besucher. Auf dem Küchenschrank gegenüber lagen abholbereit die bekannten Spiekerbrote. Wer wollte, konnte davon mit einem herzhaften Schmalzaufstrich probieren.

Oben auf dem Speicher waren die Dampfmaschinen und Puppenstuben der emsigen Tätigkeit von zwei Damen gewichen. Anne Walter verstand es, am Spinnrad aus Wolle Fäden zu spinnen, die anschließend weiter verarbeitet werden konnten.

Katharina Vollmerhaus zeigte, wie mit einem Stöckchen, das einen kleinen Ast besaß, und etwas Geschick aus der Rohwolle ebenfalls ein Faden gedreht werden konnte. Bei ihr kam die altehrwürdige Strickliesel wieder zu Ehren, wie auch der Schwirrer – von der normal großen Ausführung für eine Person bis zur XXL-Ausführung für zwei Menschen.

Wer wollte, konnte mit der Herscheiderin gemeinsam ein farbiges Flechtband für das Handgelenk auf eine besondere Art und Weise knüpfen. Familie Wohlpart hatte Spaß daran. Nachdem die Söhne Piet und Pepe je eins hatten, konnte Papa Danny nicht anders. Als wenn er nichts anderes ein Leben lang gemacht hätte, war in Null-Komma-Nichts das Freundschaftsband fertig. Da staunte selbst Katharina Vollmerhaus, die so etwas, wenn überhaupt, selten erlebt – wie ein eingespieltes Team.

Dr. Klaus Hüttebräucker konnte vieles zur Geschichte des Spiekers beitragen: Erst im Besitz der Familie Alberts mit Gastwirtschaft und Fuhrgeschäft erwarb 1887 der Schreiner Theodor Schröder mit seiner Frau Theodora den Spieker und richtete dort eine Schreinerwerkstatt ein. Sie hatten sieben Kinder, von denen Tochter Lydia im Fachwerkteil einen Wollladen eröffnete. Tochter Elfriede, mit Willi Schmellenkamp verheiratet, erbte 1957 die zwei Gebäude des Spiekers und übergab sie 1983 an ihre Töchter Lisbeth Pfaffe (Fachwerkteil) und Anni Schmellenkamp (Bruchsteingebäude).

Nach nur fünf Ehejahren fiel Lisbeths Ehemann und U-Boot-Kommandant Siegfried Pfaffe im letzten Kriegsjahr 1945. Lisbeth und Anni lebten fast 80 Jahre in den beiden Gebäuden. Anni blieb ledig, während Lisbeth zwei Söhne hatte. Ihr ältester Sohn Kurt verkaufte die Spiekergebäude 2005 an die Gemeinde Herscheid. „Etwa seit dieser Zeit betreut der Geschichtsverein Herscheid die Räumlichkeiten“, endete der Vorsitzende über den Spieker, der ein Kleinod an Bauwerk, Geschichte und Ausstellungsstücken in Herscheid ist.

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