INTERVIEW mit Hans-Werner Olm

„Alles braucht seine Zeit. Jetzt bin ich bereit für Herscheid“

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Vorhang auf für Hans-Werner Olm: Der Kabarettist tritt am Freitag in der Hüinghauser Rammberghalle auf.

Herscheid - Kabarettist, Schauspieler, Sänger und Synchronsprecher: Hans-Werner Olm ist ein Multitalent. Vor seinem Auftritt am Freitag in der Rammberghalle sprach er mit unserem Mitarbeiter Dirk Grein.

Seit über 40 Jahren sind Sie auf deutschen Bühnen unterwegs. Warum hat es so lange gedauert, bis Sie nach Herscheid kommen? Hans-Werner Olm: Es braucht alles seine Reife, seine Zeit. Für Herscheid war ich noch nicht so weit. Es mussten erst Berlin, Köln und München kommen, ich sag mal diese kleinen Städte, und jetzt bin ich bereit für Herscheid. 

Ihr Tour-Kalender für November bietet ohnehin Auftritte in eher beschaulichen Orten. Worin liegt für Sie der Reiz an den kleinen Bühnen? Olm: Auf den großen Bühnen tummeln sich so viele Menschen. Da hab ich mir gedacht, dass ich direkt zu den Menschen hingehe – dann brauchen die nicht so weit fahren. Das nenne ich Service am Kunden, das habe ich mir auf die Fahnen geschrieben. Außerdem habe ich große Hallen gemacht, das ist langweilig. Jetzt möchte ich kleine Bühnen besuchen, denn da ist die Auseinandersetzung, also der direkte Kontakt zu den Leuten, viel größer und daher spannender für mich. 

Die Ausflüge in die Provinz sind für Sie also kein Rückschritt? Olm: Es gibt so viele Künstler mittlerweile, die sich an Wochenenden Hallen teilen. Es gibt ja inzwischen auch so viel Comedy, dass man mit dem Ignorieren gar nicht mehr mitkommt. Da habe ich mir halt gedacht: „Mensch, Du hast doch alles gehabt und alles geschafft. Jetzt geh’ doch mal in die Provinz und mach es Dir doch gemütlicher.“ Das ist doch toll, wenn man reisen kann und wieder direkt am Zuschauer ist. Und Herscheid ist ja auch schon fast eine Großstadt. 

Mit Ihrer Bühnenerfahrung: Wie bewerten Sie die aktuelle Situation der deutschen Comedywelt? Olm: In den Zeiten, in denen eine große Verunsicherung im Lande ist – und die ist ja heute spürbar –, da gibt es immer mehr Menschen, die sich anarchistisch oder oppositionell verhalten. Wobei wir im Augenblick eher eine angepasste Comedy haben, die keinem wehtut. Man muss unterscheiden, dass es in den 1970er und 1980er Jahren alles noch etwas radikaler war. 

Was erwartet denn die Zuschauer in Herscheid bei Ihrem Auftritt? Olm: Bei mir ist irgendwie alles drin. Ich mache je nach Tagesform das, wozu ich eben Lust habe. Ich reise auch gar nicht mehr mit einem festen Programm, sondern das ist immer variabel. Ich gucke mir das Publikum an und variiere dann. Der Zuschauer ist ja sehr hellhörig und kennt schon vieles. Womit kann man Leute denn heute noch überraschen? Das stelle ich mir jedes Mal zur Aufgabe. 

Sind Sie denn jeden Tag gut gelaunt? Olm: Ja, ich bin immer gleich gut drauf. Mir sieht man das zumindest nicht an, außer wenn ich müde bin. Der eigentliche Aufwand, auch physisch, ist der des Ankommens und des immer in fremden Hotels Schlafens. Aber die Bühne ist pure Entspannung für mich. Wenn das Licht angeht und das Mikrofon funktioniert, dann gucke ich in die Menge und fühle mich wohl und gesund. 

Sie versprechen für Freitag eine humoristische Lebensberatung für Erwachsene. Wie viel Ihrer persönlichen Erfahrungen fließen in das Programm mit ein? Olm: Sehr wahrscheinlich 100 Prozent. Ich bin ja nun auch schon 11 und 50, das ist ein Alter, in dem man selbstbewusst sagen kann, dass ich einiges erlebt habe. Von meinem Erfahrungsschatz sollen die Leute profitieren. Ich hatte das Glück, und das soll keine Großkotzerei sein, dass ich an der ein oder anderen Stelle ein paar Erfahrungen gemacht habe – aus jeder kulturellen oder politischen Warte aus gesehen. Ich habe es mir rausgenommen, immer gegen den Wind zu arbeiten, weil mir das liegt. Von daher basieren die Geschichten natürlich auf meinen Erfahrungsschätzen. 

Sie sind bekannt als Raubein und Comedian mit markigen Worten. Worauf muss sich Herscheid gefasst machen? Olm: Man braucht ja immer eine Titulierung. Der eine ist unter der Gürtellinie, der andere hat gar keine Gürtellinie. Aber die Leute, die sich dazu entschlossen haben auf die Bühne zu gehen, die denken von sich selbst, dass sie nicht massenkonform sind, sondern andere Ansichten haben. Von daher eckt man sowieso immer an. Die Leute müssen sich einstellen auf einen gut gelaunten, 1,88 Meter großen und 100 Kilo schweren Mann, natürlich in den besten Jahren, gut aussehend, schönes Stimmchen, hochmusikalisch, der den ein oder anderen blitzgescheiten Gedanken über die Bühne bringt. Wenn man möglichst frei zu mir kommt, dann hat man die Chance, ein lustiges Abenteuer zu erleben. 

Eine Ihrer Paraderollen ist die der Luise Koschinksy. Kommt Sie auch mit nach Herscheid? Olm: Das geht nicht. Luise hat sich so emanzipiert, dass sie ein eigenes Programm hat, das heißt „Ein Pullover voll Frau“. Damit ist sie eigenständig unterwegs und pöbelt von der Bühne runter. Das geht auch gar nicht vom zeitlichen Aufwand, ich brauche immer eine Viertelstunde, um in dieses Kostüm reinzukommen. Wer will diese Zeiten überbrücken? Insofern muss Olm ausreichen und das ist meistens schon zu viel. 

Was bringen Sie denn ansonsten mit nach Herscheid? Olm: Eine schöne, kleine Dreiviertel-Gitarre, mit der ich mich darüber aufrege, dass es keine Hardcore-Songs mehr gibt von musikalischen Eisenschädeln, sondern alles so ein bisschen verwässert und verweichlicht ist. Ich gebe auch Fallbeispiele anhand von Schlagern aus den 60ern und 70ern und dem, was heute so durch das Mikrofon genuschelt wird. 

Sie freuen sich also auf Ihren Trip ins Sauerland? Olm: Ich freue mich total darauf. Zumal man im Sauerland ja immer ein bisschen kämpfen muss. Die Leute haben sich ihre eigene Art des kritischen Blickes bewahrt. Da muss man entweder sehr sauerland-konform sein oder aber sich das erkämpfen – und das werde ich machen. Ich bin dafür da, die Leute davon zu überzeugen, dass wir letztendlich alle am gleichen Strang ziehen.

Einlass in die Rammberghalle am Freitag, 9. November, ist ab 19.00 Uhr (freie Platzwahl); eine Stunde später beginnt das Bühnenprogramm. Eintrittskarten gibt es zum Preis von 22 Euro an den folgenden Vorverkaufsstellen: Bürgerbüro des Rathauses, Lotto Panne, Dorfladen Hüinghausen, Buchhandlung Plettendorff (Plettenberg) sowie im Musikhaus Auth (Lüdenscheid).

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