Nach Hochwasser in Herscheid

Kurz vor Ende der Sanierung: Ahehammer überflutet

Im Industriedenkmal Ahehammer in Herscheid stand das Wasser.
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Im Industriedenkmal Ahehammer stand das Wasser.

Das Hochwasser hat auch in der Gemeinde Herscheid seine Spuren hinterlassen. Den Ahehammer und die Herscheider Mühle hat es zum Beispiel besonders getroffen.

Herscheid – Die Gastherme ist beschädigt, die Kartoffelmaschine funktioniert nicht mehr, Polsterauflagen sind voller Wasser und Schlamm und viele Gläser sind nicht mehr zu retten – die materiellen Schäden, die das Hochwasser in Herscheid und hier im speziellen im Landhotel Herscheider Mühle angerichtet hat, sind beträchtlich. Und doch muss man wenige Tage nach den unnachgiebigen Regenschauern von Mittwoch und Donnerstag angesichts verletzter, vermisster und sogar verstorbener Personen in den Nachbarstädten und -bundesländern sagen: Die Gemeinde Herscheid ist insgesamt mit einem blauen Auge davongekommen.

Der Familie Alberts, die die Herscheider Mühle betreibt, wird diese Erkenntnis aber wenig bringen. Aufräumen und ausmisten ist angesagt, nachdem das Wasser im Keller bis zu 1,70 Meter hoch stand. Während das Ehepaar Alberts nun wegen der Schäden vorzeitig aus dem Urlaub zurückkehrt, hat Zwillingsschwester Iris Schmidt schon das Gröbste ausgemistet. Wie hoch die Schäden sind, bleibt abzuwarten. Immerhin scheint das Wasser nun nach einer erneuten Abpump-Aktion der Feuerwehr am Freitagmorgen endgültig abgeflossen zu sein.

Für die Kameraden der Herscheider Feuerwehr war dieser Einsatz einer der wenigen, die am Freitag noch abzuarbeiten waren. Durchatmen war angesagt, nachdem die Männer und Frauen, die in Herscheid alle freiwillig als Feuerwehrleute arbeiten, seit Mittwochmittag fast pausenlos im Einsatz waren.

Nach den Vorwarnungen am Dienstag hatte sich die Feuerwehr in Herscheid für Mittwoch auf das Schlimmste eingestellt. Um 14.30 Uhr begann am Mittwoch die Arbeit für die Feuerwehr mit der Unterstützung in Altena-Rahmede; mit vier Fahrzeugen machten die Löschgruppen Hüinghausen und Rärin auf den Weg in die Nachbarstadt. Sie wussten zum Zeitpunkt der Abfahrt noch nicht, dass sie in der stark überschwemmten Nachbarstadt mehrere Personen aus dem Wasser retten würden.

Zurück nach Herscheid: Als am Mittwoch um kurz vor 15 Uhr Kreisalarm ausgelöst wurde, bildeten die Wehrleute einen Krisenstab, um im Feuerwehrgerätehaus die Notrufe zu priorisieren und abzuarbeiten. Während im Dorf erste Keller voll Wasser liefen, erwischte das Hochwasser vor allem das Industriegebiet in Hüinghausen und die Welliner Straße. Positiv war hier festzustellen, dass sich laut Feuerwehr der Hochwasserschutz der Firmen Teckentrup und Schröder auszahlte. Die extra dafür aufgebauten Spundwände verhinderten in den Firmen Schlimmeres. Etliche Sandsäcke waren trotzdem zum Schutz der vielen Privathäuser erforderlich.

Ebenfalls stark betroffen war bekanntlich das Freibad, das die Ausläufer des Bruchbaches zu spüren bekam. Auch hier schaffte es die Feuerwehr, die ganz großen Schäden zu verhindern. Schon am Donnerstag konnte das Freibad wieder regulär öffnen. Auch an diesem Wochenende ist der Betrieb weitestgehend normal gewährleistet.

Am schlimmsten traf das Hochwasser das Ahetal. Die Herscheider Mühle ist dafür nur ein Beispiel. Zahlreiche Häuser in den Ortschaften und Straßen Schwarze Ahe, Verse, Wigginghausen oder Wiesenfeld sind „regelrecht abgesoffen“, wie es der stellvertretende Wehrleiter Michael Geck im Nachgang beschreibt. Als die Lage drohte, unkontrollierbar zu werden, klapperten die Feuerwehrleute jedes Haus einzeln ab und rieten den Anwohnern, sich woanders in Sicherheit zu bringen oder in die oberen Stockwerke zu flüchten. Kurze Zeit später waren dann auch die Straßen so geflutet, dass es selbst für die Feuerwehr unverantwortlich gewesen sei, hier weiterzuarbeiten. Als das Wasser wieder zurückging, halfen die Einsatzkräfte dabei, die überall vollgelaufenen Keller nach und nach abzupumpen.

Auch das Industriedenkmal Ahe-Hammer versank am Mittwoch im Wasser. Durch Fenster und Türen bahnte sich die braune Brühe ihren Weg ins Innere und überschwemmte viele Exponate und zum Beispiel das Wasserrad. Auf den ersten Blick sei nichts beschädigt worden, berichtet Manfred Buchta vom Förderverein. Gemeinsam mit den Besitzern der Stiftung werde sich der Förderverein in den nächsten Tagen ein genaues Bild der Lage machen. „Wir hatten die Sanierung des Ahe-Hammers fast abgeschlossen, sodass wir den Ahe-Hammer im September zum Denkmaltag öffnen wollten“, sagt Buchta, „ob das jetzt etwas wird, müssen wir abwarten.“

In Hüinghausen bahnten sich die Wassermassen ihren Weg durchs Dorf.

Die gute Nachricht ist im Ahe-Hammer wie so ziemlich im ganzen Gemeindegebiet: Das Wasser hat sich inzwischen zurückgezogen, die Lage entspannt sich. Die Feuerwehr hat ihren Meldekopf im Gerätehaus, in dem alle Notrufe ankamen, mittlerweile aufgelöst; Notrufe werden wieder unter der 112 entgegen genommen. Im Verlauf des Donnerstags war dann für die Feuerwehrleute das große Aufräumen angesagt.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass in Herscheid in außergewöhnlichen Einsatzlagen wie diesen alle an einem Strang ziehen. Feuerwehr, Gemeindeverwaltung und Bauhof arbeiteten Hand in Hand, hinzu kam zum Beispiel die Unterstützung der Firma Dunkel und des Raiffeisenmarktes mit Sandsäcken. Auch das Rote Kreuz stand mit einem Rettungswagen immer für den Notfall bereit und verpflegte die unermüdlich ackernden Feuerwehrleute.

„Wir als Wehrleitung sind sehr stolz auf die Feuerwehr“, sagt Michael Geck. Jeder einzelne habe ein „riesiges Engagement gezeigt“ und der Dank gehe auch an die Familien der Feuerwehrkameraden daheim, denn noch einmal: Die Männer und Frauen, die meist zu 65 Leuten im Einsatz waren und in den letzten Tagen in Herscheid Keller ausgepumpt und unzählige Sandsäcke befüllt und geschleppt haben, sind Freiwillige.

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