Das Aushängeschild der Evangelischen Kirchengemeinde

Abschied mit schwerem Herzen: Beliebtes Café in Herscheid wird eingestellt

Erinnerungen an 15 Jahre Luther-Cafe wurden beim letzten Helfertreffen ausgetauscht. Dabei bedankte sich Pfarrer Bodo Meier (rechts) bei den Gründerinnen Dagmar Quellenberg (vorne links) und Ruth Rabenschlag (vorne Mitte).
+
Erinnerungen an 15 Jahre Luther-Cafe wurden beim letzten Helfertreffen ausgetauscht. Dabei bedankte sich Pfarrer Bodo Meier (rechts) bei den Gründerinnen Dagmar Quellenberg (vorne links) und Ruth Rabenschlag (vorne Mitte).

Die Stimmung schwankte zwischen Stolz über das Erreichte, Freude ob der unzähligen schönen Momente und Begegnungen, und Trauer, weil eine weit über Herscheid hinaus liebgewonnene Einrichtung Geschichte ist: Mit einem letzten gemeinsamen Kaffeetrinken setzte das Helferteam einen Schlusspunkt unter das Kapitel Luther-Café.

Herscheid - In aller Gemütlichkeit Kontakte knüpfen, plaudern, essen, sich wohl fühlen – mit diesen Worten hatte eine kleine Gruppe Ehrenamtlicher im Herbst 2006 erstmals über unsere Zeitung ins Martin-Luther-Haus eingeladen. Federführend damals waren Ruth Rabenschlag und ihr inzwischen verstorbener Ehemann Klaus: Die beiden ehemaligen Lüdenscheider hatten sich in der Bergstadt bereits im Café Mathilde engagiert, hatten diese Idee mit nach Herscheid gebracht. Und sie landeten auf Anhieb einen Erfolg: Begonnen mit etwa 50 Personen steigerte sich die Besucherzahl, nahm die Resonanz stetig zu.

Die Leute kamen nicht nur aus Herscheid, sondern auch aus Plettenberg, Werdohl, Halver, Lüdenscheid und dem weiteren Umland – der angenehmen Atmosphäre und natürlich des Essens wegen. „Unser Ehrgeiz war es immer, ausschließlich selbstgemachte Leckereien aufzutischen“, erzählt Dagmar Quellenberg, Helferin der ersten Stunde.

Das Geheimrezept „aus der Dose“

Eine Ausnahme habe es gegeben: Bei der ersten Veranstaltung, so verrät eine Helferin lächelnd, habe man ja nicht gewusst, wie viele Leute da wohl kommen mögen. Daher hatte man auch Erbsensuppe aus der Dose eingekauft. Und die sei derart lecker gewesen, dass sich einige Besucher nach den Zutaten erkundet hatten. „Das ist ein Geheimrezept“, habe man damals erklärt.

Fortan widmeten die Helfer unzählige Stunden der Vorbereitung der Speisen, dem Eindecken der Tische, dem Backen von Kuchen und Torten und all den anderen Aufgaben, die mit dem Café verbunden waren. Von kleinen und großen Widrigkeiten ließen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. „In der Küche im alten Luther-Haus wurde der Wasserkocher immer so heiß, dass der Putz von der Wand bröckelte“, erzählt Dagmar Quellenberg mit einem Schmunzeln.

Für die Helfer war die Durchführung des Luther-Cafés ein Kraftakt: Sie opferten ein komplettes Wochenende, um den Gästen schöne Stunden bescheren zu können.

Beste Erinnerungen haben die Helfer noch an einen Eintopf, der über Nacht schlecht geworden war. Sonntagmorgens durchstöberten alle kurzerhand die heimischen Kühlschränke. „Wir haben als Ersatz ein buntes Allerlei zusammengerührt, das wirklich gut geschmeckt hat“, ist Ruth Rabenschlag noch heute stolz auf ihr Team. Dieses sei über die Jahre eng zusammengewachsen – die Arbeit sei zwar zeitintensiv gewesen, doch gemeinsam habe man sie gerne erledigt.

Wiedersehensfreude nach vielen Jahren

Die Erfolge sind ganz vielseitig: Zu allererst nennen die Veranstalter die vielen glücklichen Gesichter der Besucher. „Leute, die sich von der Volksschule kannten, aber sich danach aus der Augen verloren, haben sich bei uns wieder getroffen“, beschreibt Dagmar Quellenberg. Ebenso wichtig war die Stärkung der Ökumene vor Ort: Als das Luther-Haus abgerissen und neu gebaut wurde, zog das Café um in das katholische Cyriakusheim, fand dort eine vorübergehende Bleibe und viele neue Stammbesucher.

Gemeindefrühstück

Neben dem Luther-Café wird Ruth Rabenschlag auch den Spieletreff aufgeben. Festhalten würde sie gern an dem Gemeindefrühstück, das einmal im Monat ausgerichtet wird. „Dafür bräuchte ich zwei, drei Personen, die mir bei der Planung und Durchführung verbindlich helfen“, sagt die Herscheiderin. Bis zu 45 Besucher kommen zu den Frühstücksrunden im Martin-Luther-Haus. Der damit verbundene Arbeitsaufwand beschränke sich auf rund 90 Minuten pro Ausgabe. Helfer können sich bei Ruth Rabenschlag melden per Email an rkrabenschlag@online.de oder per Tel.: 0 23 57 / 12 43.

Für Pfarrer Bodo Meier, der Ende 2013 seinen Dienst in Herscheid antrat, sei das Luther-Café wie eine „Eintrittskarte in meine neue Gemeinde“ gewesen. Denn hier konnte er die Menschen in entspannter Atmosphäre kennenlernen und den Tatendrang der Helfer, die von ihrem Schaffen beseelt waren. „Das Luther-Café war ein Aushängeschild unserer Kirchengemeinde“, weiß Meier.

Nicht zu vergessen: Auch finanziell war die Einrichtung ein Volltreffer. Mit den Einnahmen unterstützten die Helfer die Jugendarbeit der Gemeinde, die Ausstattung der Küche im neuen Luther-Haus und zuletzt die Renovierung der Apostelkirche. Apropos: Die Pläne für die Arbeiten im Gotteshaus sollen nächstes Jahr umgesetzt werden – weitere Zuwendungen aus dem Luther-Café wird es für die Kirchengemeinde nicht mehr geben können.

Bis zu 100 Mittagessen pro Veranstaltung

In der langen Coronapause hatten die Helfer händeringend nach Unterstützern gesucht – vergebens. Der Aufwand für das 14-köpfige Team sei inzwischen zu groß. „Auch wir sind nicht jünger geworden“, begründet Ruth Rabenschlag. Es sei nicht allein mit der Ausgabe von bis zu 100 warmen Mittagessen getan. Zubereitung, Planung, Besorgungen, Eindecken, Aufräumen und vieles mehr: Der zeitliche Aufwand war immens. Bedanken wollen sich die Veranstalter bei den Gemeindemitgliedern, die sie über die Jahre treu unterstützt haben beim Backen von Kuchen und Torten. 

Das Luther-Café aufzugeben sei keine Kurzschlussentscheidung einzelner gewesen, sondern eine gereifte Überlegung, die alle tragen. Und doch kam bei dem letzten gemeinsamen Kaffeetrinken Wehmut auf. „Das geht mir sehr nah“, brachte Ruth Rabenschlag zum Ausdruck, wie sehr den Helfern ihr Café fehlen wird.

Und auch in der Evangelischen Kirchengemeinde hinterlasse dieses Ende eine Lücke. „Wir sollten nicht versuchen, nach einer Fortsetzung zu suchen, sondern nach neuen Angeboten“, riet Pfarrer Meier, den Blick nach vorne zu richten. Beispielhaft brachte er den Gedanken eines Kirch-Cafés ins Spiel, eines kleinen Zusammentreffens nach dem Sonntagsgottesdienst bei Keksen und Kaffee in der Kirche.

Ob derartige Veranstaltungen gelingen? Das vermochte im Luther-Haus niemand zu sagen. Denn: „Heute sind wir alle traurig“, brachte es Pfarrer Meier auf den Punkt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare