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3G-Kontrolle sorgt bei Gästen für Unmut - Gastronomen bleiben aber konsequent

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Von: Nina Scholle

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Auf dieser Tafel weist das Landhaus Stottmert auf die 3G-Regeln hin. Bei den meisten hat sich die Regelung eingependelt.
Auf dieser Tafel weist das Landhaus Stottmert auf die 3G-Regeln hin. Bei den meisten hat sich die Regelung eingependelt. © Foto: Scholle

Die Gastronomie ist von der Corona-Pandemie hart getroffen worden; dem mehrmonatigen Lockdown fiel manches Gewerbe zum Opfer. Andere hielten sich mit „Essen zum Mitnehmen“ über Wasser. Großes Aufatmen und Freude herrschte, als Ende Mai zumindest schon mal die Außengastronomie wieder öffnen durfte. Mittlerweile kann wieder drinnen gegessen und getrunken, sich getroffen und gefeiert werden. Doch wie vor der Pandemie ist es noch lange nicht.

Herscheid - Geimpft, genesen, getestet – so lauten die drei Schlüsselwörter, die über Zugang oder Nicht-Zugang entscheiden. „Nachweispflicht“, „Wir kontrollieren diesen direkt zu Beginn“ ist in den Eingangsbereichen der Restaurants zu lesen. Wie gehen Gäste und Restaurantbetreiber mit dieser Maßnahme um? Wie stellt sich die Situation der heimischen Betriebe derzeit dar? Die Heimatzeitung hat sich umgehört.

„Mittlerweile hat es sich eingependelt“, sagt Magdalena Kowal, Inhaberin des Landhauses Stottmert. Sie betont: „Wir sind da konsequent: Wir lassen niemanden drinnen sitzen, der keinen Nachweis hat.“ Am Anfang sei es gelegentlich so gewesen, dass Gäste den entsprechenden Nachweis vergessen hatten, erzählt Kowal, die habe man dann abweisen müssen. Einige hätten geschimpft – „Das hätte man vorher sagen müssen“ – und seien dann mitunter wütend abgezogen. Andere fuhren nach Hause, um den Nachweis zu holen und sich anschließend bewirten zu lassen.

Inzwischen sei es „selten geworden, dass jemand das vergisst“, erklärt Kowal. Die Leute haben sich daran gewöhnt, dass sie einen 3G-Nachweis erbringen müssen, wenn sie ins Restaurant wollen. Die meisten kommen schon mit geöffneter Handy-App herein und zeigen unaufgefordert, dass alles in Ordnung ist.

Nicht alle Gäste hätten für die 3G-Regeln Verständnis, berichtet Caroline Vedder vom Café-Restaurant Vedder.
Nicht alle Gäste hätten für die 3G-Regeln Verständnis, berichtet Caroline Vedder vom Café-Restaurant Vedder. © Foto: Scholle

Caroline Vedder, vom gleichnamigen Café-Restaurant in Nieder Holte, berichtet, dass es nach wie vor „tagtäglich“ vorkomme, dass Leute ohne Nachweis ins Restaurant wollen – doch werden diese selbstverständlich abgewiesen. Als das Wetter noch besser war, habe man ihnen im Außenbereich einen Tisch zuweisen können, doch bei den jetzigen Temperaturen wolle zum einen niemand draußen sitzen, zum anderen könne sie es ihrer Bedienung nicht abverlangen, draußen herumzulaufen.

Vedders Ansicht nach handelt es sich in den meisten Fällen tatsächlich um vergessene Nachweise, nicht um vorsätzlich nicht erbrachte. Sie erzählt von drei Gruppen aus Lüdenscheid, die sie jüngst bewirtet habe, von denen gleich mehrere Personen nach Hause fahren mussten, um die vergessenen Nachweise zu holen. Ein anderer Gast habe sogar bis nach Altena zurückfahren müssen, sei aber wiedergekommen.

Doch nicht jeder reagiert mit Verständnis und sucht die Schuld bei sich selbst: Vedder berichtet von einer älteren Dame, die „richtig laut geworden“ sei. Auch ihr wurde schon vorgeworfen, die Regelungen vorher deutlicher kommunizieren zu müssen – dabei steht auf der Homepage des Restaurants eindeutig, welche Nachweise zu erbringen sind; zumal es sich dabei schließlich um eine übergeordnete Verordnung handelt, die sich die einzelnen Betriebe nicht jeder für sich ausgedacht haben, sondern von Staats wegen anwenden müssen. „Seit August ist es eben so“, sagt Vedder schulterzuckend. Sie glaubt, dass vielen das in den Sommermonaten nicht so bewusst gewesen sei, weil sie dann in der Gartenwirtschaft gesessen haben. „Nicht jeder informiert sich“, beklagt Vedder die Situation.

Auch im Hotel „Zum Adler“ hat Inhaber Klaus-Dieter Führt schon Gäste erlebt, die sich an der Kontrolle der 3G-Regeln (rechts) störten. „Manche werden frech und sagen: ,Dann gehen wir eben woanders hin!’“, berichtet er.
Auch im Hotel „Zum Adler“ hat Inhaber Klaus-Dieter Führt schon Gäste erlebt, die sich an der Kontrolle der 3G-Regeln (rechts) störten. „Manche werden frech und sagen: ,Dann gehen wir eben woanders hin!’“, berichtet er. © Foto: Scholle

Ähnliches berichtet auch Klaus-Dieter Führt vom Hotel-Restaurant „Zum Adler“: Auch bei ihm komme es mindestens zweimal täglich vor, dass Leute ohne Nachweis ins Restaurant wollen. „Wir schicken generell die Gäste weg, wenn sie nichts dabei haben“, sagt er. „Manche werden frech und sagen: ,Dann gehen wir eben woanders hin!’“ Eigentlich müssten sie woanders ebenso abgewiesen werden, doch Führt erzählt, er habe es selbst schon erlebt, dass woanders – nicht in Herscheid – oftmals gar nicht kontrolliert werde.

Die meisten Gäste verhalten sich ordnungskonform. „Viele loben uns, dass wir so kontinuierlich kontrollieren“, berichtet Führt. Er würde sich wünschen, dass die Gäste beim Betreten des Restaurants den Nachweis gleich parat hielten, so könne der Einlass zügiger und reibungslos vonstattengehen. Zudem weist Führt auf die Möglichkeit hin, die Impfnachweise verschiedener Personen, beispielsweise innerhalb der Familie, in einer App zu hinterlegen. So müsse nicht jeder das Handy dabeihaben und es vorzeigen, was den Ablauf noch einmal vereinfachen und beschleunigen würde. Er selbst handhabe es innerhalb der Familie auch so.

„Einiges erleichtert“ habe für Magdalena Kowal und ihr Team vom Landhaus Stottmert der Wegfall der Datenverfolgung. Als die Außengastronomie im Mai öffnete, musste jeder Gast noch einen Zettel mit seinen Kontaktdaten ausfüllen, der vom Restaurant für vier Wochen aufbewahrt werden musste. Die Luca-App sei für das Landhaus damals kein Thema gewesen, erklärt Kowal, aufgrund des mitunter schlechten Netzempfangs.

Magdalena Kowal vom Landhaus Stottmert muss Gäste, die keinen Nachweis haben, abweisen.
Magdalena Kowal vom Landhaus Stottmert muss Gäste, die keinen Nachweis haben, abweisen. © Foto: Scholle

Im Landhaus sei man inzwischen „sehr gut eingespielt“, so Kowal: Die Tische werden nach jeder Benutzung desinfiziert und die Abendkarte gibt es als Tischset, das nur einmal benutzt wird. Zudem wurden im Mai Luftfilter eingebaut. „Die sind Gold wert. Das gibt ein sicheres Gefühl für den Gast.“

Der Außenbereich vor dem Eingang ist mit Lkw-Planen verkleidet. Wer draußen sitzen möchte, kann dies nun windgeschützt tun, und Heizstrahler sorgen für die nötige Wärme. Die Planen existierten bereits im vergangenen Jahr; doch nur 14 Tage waren sie im Einsatz, dann kam der Lockdown. „Wir hoffen, dass sie dieses Jahr länger genutzt werden können“, sagt Kowal. Sie blickt ganz zuversichtlich in die Zukunft: „So lange wir offen haben dürfen, kommen wir sehr gut zurecht!“

Im Café-Restaurant Vedder setzt man derweil auf „natürliches Lüften“, sprich: Querlüften, obwohl es zusätzlich auch eine Be- und Endlüftung gibt. Während sich die Gäste in Stottmert über die Luftfilter freuen, sind sie in Nieder-Holte froh, dass es diese dort nicht gibt: „weil man ja nicht weiß, was da drin ist“, berichtet Caroline Vedder von den Reaktionen einiger Gäste.

Gut ankommen hingegen die einlaminierten Speisekarten, die abwaschbar sind. „Schön wäre es, wieder ohne Mundschutz arbeiten zu dürfen“, sagt Vedder. Zum Selbstschutz testen sich die Mitarbeiter regelmäßig und da man ohnehin nur mit 3G-Nachweis ins Restaurant kommt, wäre dieser nächste kleine Schritt Richtung Normalität für sie eine echte Arbeitserleichterung.

Ob die Coronaschutzmaßnahmen eingehalten werden, wurde sowohl im Landhaus Stottmert, im Café-Restaurant Vedder als auch im Restaurant Zum Adler bereits kontrolliert: Beanstandungen habe es bei keinem der drei Betriebe gegeben. Klaus-Dieter Führt (Adler) ist der Meinung, es „sollte eigentlich öfter kontrolliert werden“. Das würde den Wirten zeigen, dass sich der Aufwand lohne – und solche abschrecken, die Gäste ohne Nachweis bewirten. Denn wenn man erwischt wird, wird es teuer: 500 Euro muss der Wirt zahlen und auch der Gast kommt nicht ungeschoren davon. Er wird mit 250 Euro zur Kasse gebeten.

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