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High in Herscheid: Cannabis-Bauer vor Gericht

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Von: Thomas Krumm

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Cannabis
Weil er Marihuana-Pflanzen in seiner Wohnung gezogen hatte, musste sich ein 39-jähriger Herscheider vor dem Amtsgericht Altena verantworten. © Fabian Sommer/dpa/Symbolbild

Wieder ein Drogen-Fall in Herscheid: Vor dem Amtsgericht musste sich jetzt ein 39-jähriger Herscheider verantworten, der in seiner Wohnung Cannabis-Pflanzen gezogen hatte.

Herscheid - Wer 680 Gramm Marihuana zuhause hat und Besuch von der Polizei bekommt, hat ein großes Problem: Denn der darin enthaltene Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) überschreitet die nicht geringe Menge um ein Mehrfaches. Und damit liegt die Mindeststrafe für den Besitz einer solchen Drogenmenge bei einem Jahr. Doch ganz so schlimm kam es nicht für einen 39-jährigen Herscheider, dessen Cannabis-Plantage als minderschwerer Fall eingestuft wurde. Aus dem Amtsgericht Altena nahm er letztlich die Verurteilung zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe mit.

Zuvor waren die Umstände seiner gärtnerischen Bemühungen aufgeklärt worden. „Ich kann die ganze Situation erklären“, leitete er sein Geständnis ein und beschwerte sich über das Vorgehen der Polizisten, die seine Wohnung in Herscheid am 27. Oktober 2019 durchsucht hatten. Als Grund für ihr Eintreffen gaben die Beamten angebliche Schreie einer Frau an, deren Ursprung sie nachgehen müssten. Es sei „Gefahr im Verzug“.

Der Angeklagte wies darauf hin, dass in seiner Wohnung keine Frau schreie, und verlangte einen Durchsuchungsbefehl. Daraufhin seien die Polizisten ziemlich ruppig geworden, hätten ihn gegen eine Fensterscheibe gedrückt, deren Scherben ihm blutige Schnittwunden zugefügt hätten. Der Angeklagte und ein Besucher seien zusätzlich mit Reizgas außer Gefecht gesetzt worden. „Ich war geschockt von der Gesamtsituation.“

Bei der Durchsuchung der Wohnung fanden die Beamten ein Klima-Zelt, wie es beim mehr oder weniger professionellen Anbau von Marihuana zum Einsatz kommt. „Der Angeklagte düngte, wässerte und versorgte die Pflanzen mit ausreichend Licht und Luft“, hieß es in der Anklage. 680 Gramm der Droge befanden sich in mehreren Mülltüten. Der prozentuale Wirkstoffgehalt war mit insgesamt 53,4 Gramm THC eher mau. „Es sah nicht so gut aus. Es war fraglich, ob man das rauchen konnte“, erinnerte sich der Angeklagte an seine Bemühungen. „Ich habe begriffen, dass es mir nicht viel gebracht hat.“

Hintergrund seines Cannabis-Anbaus waren „starke Schmerzen im Rückenbereich nach einer Operation“, die er mithilfe der Betäubungsmittel lindern wollte. Dazu kam es allerdings gar nicht erst. „Mir tut das alles leid“, erklärte er.

Auch diese persönliche Situation trug dazu bei, dass das Schöffengericht den Fall letztlich als einen minderschweren einstufte. Verurteilt wurde der Angeklagte wegen des Besitzes einer nicht geringen Drogenmenge. Für ein Handeltreiben mit Betäubungsmitteln gab es keinerlei Hinweise.

Es ist nicht der erste Drogen-Fall in Herscheid: Im Jahr 2020 war die Polizei in einer Wohnung in der Ebbegemeinde auf eine Amphetamin-Küche gestoßen. Erst im März hatte die Polizei in Herscheid einen 18-jährigen Drogendealer festnehmen können.

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