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 „2G-Plus wäre sehr unglücklich“: Evangelischer Pfarrer fürchtet weitere Gottesdienst-Einschränkungen

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Von: Ines Engelmann

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Der „maskierte“ Besuch der Gottesdienste in der Apostelkirche ist schon Normalität geworden. Pfarrer Bodo Meier fürchtet, dass eine mögliche Einführung der 2Gplus-Regel noch mehr Gläubige von den Gottesdiensten fernhalten könnte.
Der „maskierte“ Besuch der Gottesdienste in der Apostelkirche ist schon Normalität geworden. Pfarrer Bodo Meier fürchtet, dass eine mögliche Einführung der 2Gplus-Regel noch mehr Gläubige von den Gottesdiensten fernhalten könnte. © Archivfoto: Gerhard

Die Omikron-Variante breitet sich immer weiter aus. Deshalb diskutierten am Freitag die Länderchefs unter anderem die Einführung eines 2G-plus-Modells, wie es in Hamburg bereits am Dienstag beschlossen wurde. Das heißt, dass in vielen Innenräumen wie bei Restaurantbesuchen künftig nur noch Geimpfte und Genesene zusätzlich mit einem Testnachweis hinein dürfen. Das bedeutet für viele Menschen wieder Einschnitte im Alltag. Ob diese Regelung auch für Kirchen künftig gelten könnte, ist derweil noch nicht sicher. Die Landeskirche empfahl immerhin schon vor der Ministerkonferenz die Einführung der 2G-Regel für Gottesdienste.

Herscheid - „Derzeit wissen wir noch nicht, ob Gottesdienste von der 2Gplus-Regel wirklich betroffen sein werden. Es ist noch etwas zu früh, dazu etwas zu sagen“, erklärt Bodo Meier, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Herscheid. „Ich persönlich hoffe jedoch, dass es maximal 2G wird, wünschen würde ich mir aber lieber 3G.“

Derweil gilt bei Gottesdiensten der evangelischen Kirchengemeinde noch die 3G- und im Gemeindehaus die 2G-Regel. Über die Weihnachtsfeiertage galt auch in der Herscheider Kirchengemeinde die 2G-Regel. Das habe laut Meier auch ohne Probleme funktioniert: „Die meisten Besucher hielten schon am Eingang ihre Nachweise parat.“

Sollten die Politiker für Gottesdienste die 2Gplus-Regel vorsehen, so müssten sie dies expliziert fordern, „denn bei Kirchen gelten extra Regeln“, erklärt Meier. Sollten diese Forderungen wahr werden, müsste anschließend auf die Rückmeldung von der Landeskirche gewartet werden, bis es zu einer endgültigen Umsetzung neuer Corona-Maßnahmen in der Kirche käme.

„Mit der 2Gplus-Regel wäre ich sehr unglücklich, denn das würde bedeuten, dass die Hemmschwelle noch größer wird, einen Gottesdienst zu besuchen, weil die Menschen vorher extra zu einem Testzentrum fahren müssten“, äußert Meier seine Bedenken. „Dann kommen vielleicht nur noch die Treusten der Treusten.“

Bei der 2Gplus-Forderung der Politiker seien die Menschen von der Testpflicht ausgenommen, die bereits eine Booster-Impfung erhalten haben, und Jugendliche unter 16 Jahren. Das wäre für viele Kirchenbesucher von Vorteil: Nach Meiers Einschätzung seien rund 95 Prozent der Gottesdienstbesucher geimpft und sogar geboostert. „Fest steht, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher durch Corona ohnehin stark abnimmt“, so Meier.

Über Weihnachten seien nur wenige Menschen in die Kirche gekommen, was zum Teil auch daran gelegen haben könnte, dass der Gottesdienst live ins Internet übertragen wurde.

Mit Blick auf die Teilnehmerzahlen wird Meier etwas schwermütig: Beim Epiphanias-Gottesdienst am vergangenen Donnerstagabend kamen – ganz zur Freude von Pfarrer Meier – beispielsweise 25 Besucher vorbei. „Das war überraschend gut besucht“, sagt er. „Früher waren unsere Gottesdienste mit 60 Leuten ganz gut besucht. Bei 40 Personen haben wir schon von wenig gesprochen. Diese Zeiten sind leider schon lange vorbei. Heute freuen wir uns schon über 25.“

Doch die geringe Besucherzahl habe auch ihre Vorteile, wie der Pfarrer deutlich macht: So sei es beispielsweise beim Sonntagsgottesdienst kein Problem, den Corona-Abstand zu anderen Haushalten zu wahren.

„Für uns ist es immer ein schmaler Grad zwischen zu viel und zu wenig tun. Ich bin mir sicher, dass die Kirche nicht untergehen wird“, so Meier.

Derweil hofft er darauf, dass, wenn die Corona-Zahlen mit steigenden Temperaturen wieder etwas sinken, auch mehr Besucher den Weg zurück in die Kirchen finden.

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