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23 Tests an einem Samstag: Nachfrage nach Corona-Tests sinkt

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Von: Nina Scholle

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Samstags werden im Schnitt noch 23 Tests durchgeführt. Für das Foto nimmt Mitarbeiterin Dana Decker einen Abstrich von Testzentrum-Betreiber Andrea Saladdino ab.
Samstags werden im Schnitt noch 23 Tests durchgeführt. Für das Foto nimmt Mitarbeiterin Dana Decker einen Abstrich von Testzentrum-Betreiber Andrea Saladdino ab. © Nina Schille.

Zwei Jahre bestimmte die Corona-Pandemie die Schlagzeilen: Inzidenzwerte und Impfquoten, Lockdowns und Lockerungen. Doch seit einiger Zeit hat die mediale Aufmerksamkeit abgenommen. Das liegt zum einen daran, dass andere Dinge, beispielsweise der Ukrainekrieg, in den Fokus gerückt sind, zum anderen, weil es so scheint, als sei die Pandemie endlich besiegt und auf dem Rückmarsch. Doch ist das tatsächlich so?

Herscheid – In Portugal verbreitet sich eine neue Virusvariante rasant schnell, Experten warnen vor einem erneuten Anstieg der Fallzahlen im Herbst; dennoch werden die Coronaschutzmaßnahmen nach und nach zurückgenommen. Die „G“-Beschränkungen sind fast überall Geschichte und selbst die Maskenpflicht gilt nur noch vereinzelt. Wollte man vor einem halben Jahr zum Skifahren nach Österreich, war für die Einreise ein negatives PCR-Testergebnis notwenig. Als Ungeimpfter ins Restaurant? – Nur mit negativem Schnelltest. Mitunter galt sogar „2G plus“. Bevor an Weihnachten die gesamte Familie zusammenkam, machten nicht selten alle vorher noch mal einen Test. Diese Zeiten scheinen lange vorbei.

Einen Termin braucht man heute nicht mehr

Hatte man zu Hochzeiten mitunter Probleme, überhaupt einen Termin im Testzentrum zu bekommen, kann man heute auch ohne Probleme spontan vorbeikommen; wie im Testzentrum in Hüinghausen an der Habbeler Straße.

Es ist Samstagnachmittag und ausgesprochen wenig zu tun für Dana Decker. Die junge Frau ist seit dem ersten Tag im Testzentrum in Hüinghausen dabei und hat erlebt, wie die täglichen Testzahlen anstiegen und seit einiger Zeit immer weiter abnehmen. Allerdings sei der Samstag immer schon der testschwächste Tag gewesen, erzählt sie, auch zu Hochzeiten.

Zurzeit werden samstags durchschnittlich 23 Tests durchgeführt. Zum Vergleich: Unter der Woche werden im Testzentrum in Hüinghausen meist zwischen 50 und 70 Test pro Tag gemacht. Absoluter Spitzentag ist aber der Sonntag. Das habe sich seit Öffnung des Testzentrums im März 2021 herauskristallisiert, erklärt Andrea Saladdino, Betreiber des Testzentrums in Hüinghausen. Trotz rückläufiger Testungen werden sonntags noch immer über 100 Tests gemacht. Das bewirkt, dass der Wochendurchschnitt bei rund 73 Testungen liegt.

Vor einem halben Jahr sah die Sache jedoch noch ganz anders aus: In der absoluten Hochzeit wurden in Hüinghausen durchschnittliche 325 Testungen pro Tag vorgenommen; davon 120 PCR-Tests. Damals wie heute stehen die Schnelltest aber an erster Stelle, weiß Decker zu berichten.

Ein älteres Ehepaar betritt das Testzentrum. Sie lassen sich testen, weil sie am nächsten Tag einen Termin im Krankenhaus haben – einen der wenigen Orte, wo man noch einen negativen Test vorlegen muss. Decker gleicht die gespeicherten Daten der Reservierung mit den Personalausweisen ab und führt die Tests durch. Da die Ergebnisse per Mail zugeschickt werden, ist es nicht nötig, zu warten, so dass die beiden schnell weiterziehen.

Ende Juni Schluss mit Gratis-Bürgertests?

Neben dem Besuch im Krankenhaus oder Altenheim, für die Tests gebraucht werden, gibt es eine weitere Gruppe, die sich mehr oder weniger regelmäßig zur Sicherheit testen lässt. Darunter fallen hauptsächlich ältere Leute, erzählt Decker; jüngere kommen vor allem, weil sie zuvor ein positives Schnelltestergebnis im Selbsttest hatten.

Die meisten Personen, die sich prophylaktisch testen lassen, seien Stammkunden, berichtet Saladdino. „Die haben echt alles mitbekommen“: die Umbauarbeiten genauso wie den Wasserschaden. Ob diese Stammkunden aber nach dem 30. Juni auch noch kommen werden, ist ungewiss, denn dann endet – Stand jetzt – die Zeit der kostenfreien Bürgertests und es ist anzunehmen, dass die Zahl der Testungen dann noch einmal rapide abnehmen wird.

Die wenigsten werden sich dann wohl noch zur reinen Sicherheit und ohne triftigen Grund testen lassen. Aber vielleicht werden die kostenlosen Bürgertests auch über den 30. Juni hinaus angeboten. Weder Saladdino noch andere Testbetreiber können es mit Sicherheit voraussagen. „Fragen über Fragen“, sagt Saladdino. „Man informiert uns wirklich erst im letzten Moment.“

Planungsunsicherheit ein großes Problem

Für Saladdino ist die Planungsunsicherheit ein großes Problem. Klar ist: Werden die Kosten für Testungen nicht mehr vom Bund übernommen, „dann wird es extrem sein“. „Dann werden wir das Personal und die Öffnungszeiten anpassen“, stellt Saladdino in Aussicht. Eine Schließung des Testzentrums in Hüinghausen steht aber vorerst nicht zur Debatte: „Dafür ist der Bedarf einfach noch da“, auch wenn die Testungen weiter abnehmen sollten. Zumindest bei den Firmentestungen habe sich bisher nichts geändert; Saladdino geht davon aus, dass diese auch weiterhin über sein Testzentrum durchgeführt werden.

Die Tür des Testzentrums geht wieder auf, ein Herr kommt herein. Er habe die vergangenen Tage in Quarantäne verbracht und hoffe, sich heute freitesten zu können, erzählt er.

Die Prozedur ist genauso schnell vorbei wie bei dem Ehepaar zuvor, mit einem Unterschied: Schon nach kurzer Zeit erscheinen zwei Striche auf dem Testkit. Coronapositiv.

Das ist kein Einzelfall. Am Freitag, 3. Juni, lag der Inzidenzwert von Herscheid bei 271,9 Infizierten pro 100 000 Einwohner. Klar ist: Die Pandemie ist noch nicht vorbei, auch wenn sie ein bisschen aus dem Bewusstsein verschwunden ist. Und die Testzentren sind weiterhin ein wichtiger Baustein im Kampf gegen das Virus.

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