Den Zöllner zum Juden gemacht: Nikolauszyklus neu erläutert

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Fünf Jahre lang untersuchte Dr. Anna Skriver die Legende.

Balve - Dr. Anna Skriver, Kunsthistorikerin, hat fünf Jahre den Nikolauszyklus in der St. Blasius-Kirche in Balve untersucht. Ihr Ergebnis, das sie am Montag während der Veranstaltung des Kolpingforums vorstellte: „Es ist in der Zeit der frühen Legenden-Bildung im 12. Jahrhundert entstanden.“

Demnach handelt es sich bei dieser Form der Darstellung einer Nikolauslegende nicht um die Geschichte eines Juden, sondern eines Zöllners.

Die Verfestigung eines negativen Judenbildes, von der die Forschung lange Zeit ausgegangen war, hat in Balve nicht stattgefunden. Für den Nikolausfries hat die Expertin eine Rekonstruktionszeichnung erstellt, mit deren Hilfe unkenntliche Szenen verständlich gemacht und ein Vergleich mit anderen Darstellungen in anderen Kirchen ermöglicht werden. In fünf Szenen wird in der Legende gezeigt, wie ein Zöllner, für die Historikerin erkennbar an seiner Kleidung, sein Vermögen einem Bild von St. Nikolaus anvertraut, ehe er eine längere Geschäftsreise antritt. Nach seiner Rückkehr stellt er fest, dass Diebe bei ihm eingebrochen sind. Voller Zorn bestraft er das Bild von Nikolaus mit Schlägen. Daraufhin nötigt Nikolaus die Diebe zur Rückgabe.

Ab dem 12. Jahrhundert ist diese Legende verschriftlicht und auch als Bilderzyklus hinter Altären aufgebracht worden. Ab dem 13. Jahrhundert wurde der Bestohlene als Jude dargestellt, der nach Rückgabe seines Eigentums zum Christentum übertritt.

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