Zeuge von seiner Beobachtung schockiert

BALVE/HAGEN ▪ Im Prozess gegen den 47-jährigen Balver, der des sexuellen Missbrauches angeklagt ist, gab es am Dienstag eine bunte Mischung zahlreicher Zeugenaussagen zu hören.

So beschrieb eine 80-jährige Mitbewohnerin des Hauses, in dem das mutmaßliche Opfers wohnte, den Angeklagten als netten Mann: „Er ist immer gefällig gewesen.” Bei dem Jungen zuhause habe es öfter Ärger gegeben. Oft habe der Junge sich bei ihr ausgeweint. Erst durch den Vater habe sie von dem Verdacht der sexuellen Übergriffe erfahren. „Der Angeklagte hat mehr für den Jungen getan als der Papa. Wenn mir was aufgefallen wäre, hätte ich auch was gesagt”, so die Rentnerin.

Ein weiterer Hausbewohner hatte da schon mehr zu erzählen. Da er selbst im Trainerbereich tätig war, sei ihm das besonders intensive Verhältnis zwischen dem heute 17-Jährigen und dessen Fußballtrainer aufgefallen. Er haben es „nicht normal“ gefunden, wie häufig der Angeklagte den Jungen besucht hatte: „Das war unglaublich. Das muss nicht so sein. Ich hab mir dann Sorgen gemacht und den Vater gefragt, warum der Mann so oft kommt.” Dann wurde der 52-Jährige Zeuge eines für ihn unmöglichen Geschehens: Als er an einem Samstag an einer roten Ampel zufällig hinter dem Auto des Angeklagten gestanden hatte, habe er durch die Scheiben beobachten können, wie der 47-Jährige den Jungen zu sich herüberzog und den Arm um ihn legte. Dabei habe der Junge zunächst etwas Widerstand geleistet. Als der Angeklagte jedoch nicht von ihm ablassen wollte, fügte er sich schließlich. „Ich war schockiert, was ich da gesehen haben”, so der Zeuge.

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Als er dem Vater des 17-Jährigen davon erzählte, verbot dieser ihm das weitere Training beim Angeklagten. Daraufhin sei der Sohn dann zum Zeugen, dem Co-Trainer, gegangen. Auch hierhin war der Balver dem Jungen gefolgt, hatte ihn oft beim Training beobachtet.

Eine ehemalige Lehrerin des mutmaßlichen Opfers erzählte von Anrufen des Angeklagten. Er habe sie sogar auf ihrem privaten Anschluss angerufen, um von ihr zu erfahren, wo sich der Junge aufhalte. Der Polizei gegenüber soll der Jugendliche angegeben haben, dass der Balver ihn einmal an der Bushaltestelle getroffen habe. Nachdem er sich in sein Auto gesetzt hatte, habe der Angeklagte den Wagen von innen verriegelt. Dann soll er unter falschem Namen bei der Pflegemutter des Jungen – bei ihr hatte der 17-Jährige aufgrund des Ärgers zuhause für ein paar Wochen gelebt – angerufen und erreicht haben, dass der Junge bei ihm übernachten durfte. Aus Angst hatte er sich der 17-Jährige gefügt.

Am Mittwoch (21. April) wird der Prozess am Landgericht Hagen mit weiteren Zeugen fortgesetzt. ▪ jape

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