Zehn Festivals bis 1983

Jazz-Legenden in der Balver Höhe

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Aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen Veranstaltern und der Stadt Altena wurde das Festival 1974 in die Höhle verlegt.

Balve - Vier Jazz-Festivals erlebte die Burg Altena zwischen 1970 und 1973. Danach gab es Unstimmigkeiten zwischen den Veranstaltern und der Stadt Altena. Sie veranlassten Hauptorganisator Karlheinz Klüter, das gesamte Festival ab 1974 in die Balver Höhle zu verlegen.

Dank der aufgeschlossenen Haltung der Stadt Balve und der Schützenbruderschaft Balve habe er im romantischen Hönnetal eine ideale Festivalstätte gefunden, freute sich Klüter 1974 über die Fortsetzung der Veranstaltung, für die er fortan auch die finanzielle Verantwortung übernahm.

Zehn Festivals sollten es bis 1983 werden. Ein Blick auf die Schwarz-Weiß-Bilder von damals zeigt: Die Jazzfans kamen in Scharen auch in die Höhle. Die Bühne stand dort, wo sich die drei Hauptgänge der Höhle treffen und diese Gänge waren voll. Die symbolische Darstellung des Spielortes eroberte die Plakate und später die Plattencover: Da lockte eine weit aufgerissene Mundhöhle zwischen zwei noch größeren Ohren.

Auch traditionelle Jazzkost

Diese Lauscher bekamen als Neuheit gegenüber dem Festival in Altena auch traditionelle Jazzkost geboten: Karlheinz Klüter erklärte, warum der Freitagabend des Festivals mit einer „Hot Jazz Opening“ dem traditionellen Jazz vorbehalten blieb: „Gerade der traditionelle Jazz hat nichts von seiner Frische seit den alten New Orleans Tagen verloren.“

Eine weit aufgerissene Mundhöhle symbolisierte den Spielort.

Dieser Leidenschaft war Karlheinz Klüter 1956 schon mit der Gründung des Dixie-Clubs in Menden gefolgt. 1969 organisierte er erste New-Jazz Veranstaltungen mit Klaus Doldinger in Iserlohn. Und dann tauchen zwei Namen auf, die ganz oben mit dabei sind, wenn es um die jüngste Jazz-Geschichte geht: Niemand geringeres als der Pianist Chick Corea und der Saxophonist John Surman spielten im Parktheater - letzterer sollte später auch in die Balver Höhle kommen.

Die beiden Haupttage des Festivals, im ersten Jahr der 27. und 28. Juli, waren weiterhin dem damals avantgardistischen bis experimentellen Jazz gewidmet. Wer als Jazz-Enthusiast dieser Tage auf die Riege der Musiker blickt, findet zahlreiche bekannte Namen. Ergänzt man sie um jene Jazz-Musiker, mit denen sie in ihrer langen Karriere zusammenspielten, ergibt sich ein erstaunliches Panorama des Jazz des vergangenen halben Jahrhunderts.

Viele bekannte Künstler

In Scharen kamen die Jazzfans auch in die Höhle.

Mit dabei waren unter anderem der Vibraphonist Gary Burton mit seinem Quartett, die Saxophonisten Charlie Mariano, Alan Skidmore, Mike Osborne und Steve Lacy, der lange zusammen mit Gil Evans gespielt hatte. Trompeter Tomasz Stanko brachte aus Polen seinen „Polish Jazz Summit“ mit. Charlie Mariano kam mit der Band „Pork Pie“, in der unter anderem der legendäre Gitarrist Philip Catherine und der Pianist Jasper van’t Hoff mitspielten. Und noch einer der Gäste sollte sich einen Namen machen unter den Freunden des im besten Sinne gefälligen und nie dogmatischen Jazz: Pat Metheny – auch eine Gitarristen-Legende.

Elf CDs hat das Label Be!-Records aus den erhaltenen Aufnahmen der ersten beiden Höhlen-Jazz-Festivals 1974 und 75 zusammengestellt – insgesamt 13 Stunden Musik. Ein 32-seitiges Booklet zeigt Konzertfotos, Poster und Flyer von damals sowie zeitgenössische Berichte und Konzertkritiken. Die CD-Box wiegt ordentliche 1200 Gramm und hat je nach Anbieter sehr unterschiedliche Preise.

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