Wocklumer Schlosskapelle wird 300 Jahre alt

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Italienische Künstler haben den Innenraum der Wocklumer Schlosskapelle barock ausgestattet.

WOCKLUM ▪ 300 Jahre alt geworden ist sie in diesen Tagen, die Wocklumer Schlosskapelle. Damit ist sie das älteste Bauwerk auf dem Familiensitz der Adelsfamilie von Landsberg-Velen. Dieter Graf Landsberg-Velen erinnert sich an Begebenheiten aus früheren Zeiten und erzählt von einem Brauch, der seit mehr als 250 Jahren gepflegt wird

„Solche Kapellen sind in Adelshäusern üblich, allerdings nicht in solcher Größe“, ist Dieter Graf Landsberg-Velen ein wenig stolz auf das barocke Kleinod, das bis zu 80 Besuchern Platz bietet. Mit dem Bau der Kapelle wurde vermutlich schon 1698 begonnen, denn aus dieser Zeit liegen Rechnungen über die Errichtung eines neuen Gebäudeflügels vor. Aus dem Dezember des Jahres 1710 stammt jedoch ein Schreiben des Italieners Carlo Paerna, der das Stuckwerk der Decke geschaffen hat. Damit dürfte sicher sein, dass die Kapelle in eben diesem Jahr fertig gestellt worden ist.

Dieter Graf Landsberg-Velen in der Wocklumer Schlosskapelle vor dem Kreuzweg aus dem 18. Jahrhundert.

Ursprünglich hatte das kleine Gotteshaus Bestandteil eines neuen Schlosses werden sollen, das in Richtung Norden gebaut werden sollte. Dort hatte bis 1583 auch das alte Haus Wocklum gestanden, das der Balver Amtsdroste Hermann von Hatzfeld bewohnt hatte. In den Truchsessischen Wirren wurde es jedoch niedergebrannt. Zunächst war der Wiederaufbau geplant, weshalb die nördliche Außenwand der Kapelle auch nur als dünne Fachwerkwand hergestellt wurde. Das neue, heutige Schloss wurde dann aber auf der anderen Seite angebaut, und die eigentlich als Innenwand gedachte Fachwerk-Konstruktion wurde zur Außenwand.

Innen ist die Kapelle mit verspielter barocker Pracht ausgestattet. Die Decke zeigt an den vier Ecken in Muscheln die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, an anderen Stellen sind stuckierte Prunkvasen mit Blumengirlanden sowie Puttenköpfe vor Wolken zu sehen. In der Mitte der Decke befindet sich das von dem niederländischen Künstler J.  A. Vercruizen geschaffene Gemälde „Englischer Gruß“.

Ein Triptychon niederländischer Herkunft hängt an der ursprünglich als Innenwand konzipierten nördlichen Außenwand.

An der Westseite steht die ebenfalls aus der Barockzeit stammende Orgel. Die Nordwand ziert ein Triptychon der Amsterdamer Schule. Das etwa 500 Jahre alte Gemälde zeigt im Mittelteil die Anbetung der Könige, im rechten Flügel die Darbringung Christi im Tempel und links die Geburt Christi im Stall zu Bethlehem. An der Südwand hängt ein Gemälde des Holländers Joachim Breuckelaer: Christus an der Geißelsäule auf einem großen Marktplatz.

Zwischen die beiden Ostfenster wurde der Altar eingepasst. Ihn ziert in der Mitte das ebenfalls von Vercruizen geschaffene Bild „Heiliger Antonius vor Maria mit dem Kinde“, links und rechts befinden sich Statuen des heiligen Christopherus und der Kapellenpatronin, der heiligen Barbara. Am Kopf des Altars ist das Allianzwappen der Familien von Landsberg und von Galen zu sehen. Franz Anton von Landsberg (1656-1727) und seine Ehefrau Anna Maria Freiin von Galen (1676-1734) waren die Erbauer der Kapelle.

Dieter Graf Landsberg-Velen, der heutige Schlossherr von Wocklum, erinnert sich, dass in der Kapelle, die heute in der meisten Zeit des Jahres unbenutzt ist, früher regelmäßig Gottesdienste gefeiert wurden. „Als es noch nicht solch einen Priestermangel gab, gab es hier jeden Sonntag eine heilige Messe. Fast 30 Jahre lang kam damals Pater Alker aus Menden“, so der 85-Jährige, für dessen Familie die Kapelle eine besondere Bedeutung hat. So wurden beispielsweise die vier Töchter von Graf Landsberg-Velen und seiner Ehefrau Monika hier getauft.

An der Westseite steht die barocke Orgel.

Außerdem findet hier nach einem uralten Brauch jedes Jahr am Barbara-Tag eine Patronatsmesse statt. Seit 1755, als die Ehefrau von Ferdinand-Franz von Landsberg, Maria Theresia Freiin von der Reck, das Gut Eisborn erwarb, ist das so. Sie schrieb damals fest, dass der jeweilige Besitzer des Hauses Wocklum verpflichtet sei, am 4. Dezember eine Messe lesen zu lassen. Und nach der Messe sollte der jeweilige Pächter des Gutes für alle Beteiligten ein Essen ausrichten. Auch das ist heute noch so.

Die Schlosskapelle hat die Jahrhunderte weitgehend unverändert überstanden. Die prächtige Innenausstattung geriet nur in Gefahr, als im Zuge einer Renovierung einmal chemische Farben aufgetragen wurden. „Die mussten abgenommen werden, weil sie den Stuck angegriffen haben“, erinnert sich Graf Landsberg-Velen. Süddeutsche Kirchenmaler trugen 1952 wieder natürliche Kalkfarben auf. „Die haben viel mehr Leuchtkraft und sind auch haltbarer“, so der Graf, dem sehr viel daran liegt, „dass die wunderschönen Stuckarbeiten unverfälscht erhalten bleiben“. Die können auch Hochzeitspaare genießen, die sich seit einigen Jahren in der historischen Schlosskapelle unter italienischer Stuckkunst das Ja-Wort geben können. ▪ vg

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