Wirtschaftsgespräch: Betriebe sollten Interesse für Schule und Ausbildung haben

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Horst-Werner Maier-Hunke (von links), Dr. Inge Maria Burgmer und Prof. Dr. Michael Woywode diskutierten über das Thema „Familienunternehmen – das Rückgrat der deutschen Wirtschaft“. ▪

WOCKLUM ▪ Mit der Themenauswahl „Familienunternehmen – das Rückgrat der Deutschen Wirtschaft“ hatten die Organisatoren des 6. Balve Optimum Wirtschaftsgesprächs einmal mehr ein gutes Händchen bewiesen. Bis auf den letzten Platz war der Zuhörerraum im Schloss Wocklum am Samstagvormittag mit interessierten Zuhörern gefüllt. Von Susanne Riedl

Horst-Werner Maier-Hunke, Geschäftsführer der Firma Durable, zugleich Präsident des Verbands der Metall- und Elektroindustrie NRW und Vizepräsident der Gesamtmetall Deutschland, erläuterte im Gespräch mit Moderatorin Dr. Inge Maria Burgmer (Managementberatung Berlin) und Prof. Dr. rer. pol. Michael Woywode (Lehrstuhl für Mittelstandsforschung an der Universität Mannheim) unter anderem, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen für Familienbetriebe in Deutschland seien, um erfolgreich auf dem Markt bestehen zu können. Außerdem verdeutlichten die beiden Gastredner, wie eine erfolgreiche Internationalisierung mittelständischer Unternehmen aussehen kann und welche Herausforderungen auf dem Weltmarkt warten.

Maier-Hunke würde, auf die fiktive Annahme der Moderatorin „Wenn Sie morgen ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel führen würden, was würde auf Ihrer Agenda stehen?“, das Thema Energiepolitik ansprechen. „Die Wende hat Auswirkungen. Die Kosten werden in den nächsten Jahren eine entscheidende Rolle spielen“, so Maier-Hunke. Daher sei es wichtig, zu definieren, was genau passiert und wie die Regierung gedenke, die Folgen abzumildern. Ein weiterer Aspekt sei die Euro-Krise. „Wie soll die gemanagt werden. Als Mittelständler ist es wichtig, einheitliche Lösungen zu haben.“ Des Weiteren würde Maier-Hunke der Kanzlerin verdeutlichen, dass der Mittelstand in Berlin nicht genügen repräsentiert sei.

Ähnlich sieht das auch Woywode. „Das Wichtigste für den Mittelständler sind verlässliche Rahmenbedingungen in der Steuer- und Energiepolitik.“ Aktuell gebe es hier Unsicherheiten. Auf deren Basis falle es dem Mittelstand schwer, langfristige Entscheidungen zu treffen. Außerdem würde er die Kanzlerin bitten, eine nachhaltige Bildungspolitik anzustreben. Hier sieht Woywode gerade in punkto Qualifizierung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und steigender Migrationszahlen Handlungsbedarf.

Beide Redner machten aber auch deutlich, dass sie den Mittelstand selbst – gerade beim Thema Ausbildung – in der Eigenverantwortung sehen. Er sollte langfristig ein Interesse für Schule und Ausbildung entwickeln, appellierten Maier-Hunke und Woywode. Der Mittelstand sollte präsent sein, auf Schulen zugehen und aufzeigen, welche Ausbildungsberufe angeboten werden, wie Karrierechancen aussehen. Die gebe es nämlich nicht nur in den großen Dax notierten Unternehmen.

Und auch die Entscheidung zur Internationalisierung könne für mittelständische Unternehmen zu einem lukrativen Geschäft werden. Maier-Hunke und Woywode rieten jedoch zu einer guten Vorbereitung. Mitarbeiter mit Fremdsprachenkenntnissen sind zwingend nötig, „sonst können Sie das nicht schaffen“. Weiter von Vorteil seien Mitarbeiter, die sich mit fremden Währungen auskennen.

Abschließend mahnten die Redner, stets wachsam zu sein. „Sie müssen sich bewegen und Produkte selbst weiterentwickeln“, so Woywode. „Man muss seines Glückes selbst Schmied sein. Ihr Nischenprodukt kann in fünf Jahren weg vom Markt sein. Geben Sie Geld aus für Neues“, riet Maier-Hunke.

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