1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Balve

Winzige Zähne, große Entdeckung: Forscher finden neue Säugetierarten

Erstellt:

Von: Markus Wilczek

Kommentare

Dr. Achim Schwermann, Paläontologe am LWL-Museum für Naturkunde, untersucht die 125 Millionen Jahre alten Fossilien mit einem Mikroskop.
Dr. Achim Schwermann, Paläontologe am LWL-Museum für Naturkunde, untersucht die 125 Millionen Jahre alten Fossilien mit einem Mikroskop. © LWL/Steinweg

In einem Steinbruch in Beckum hatten Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) bei Grabungen in den vergangenen Jahren acht winzige Zähne von 125 Millionen Jahre alten Säugetieren entdeckt.

Anhand der einen halben Millimeter hohen und einen Millimeter breiten Zähne stellten die Wissenschaftler des LWL-Museums für Naturkunde und der Universitäten Bonn und Sankt Petersburg jetzt fest, dass es sich bei den Fossilien um neue Säugetierarten handelt.

Die neuen Tierarten gehören zwei längst ausgestorbenen Gruppen an, den Spalacotheriiden und den Dryolestiden. Dies sind kleine, insektenfressende Säugetiere, die zu Zeiten der Dinosaurier gelebt haben. Die nun in einer neuen Studie beschriebenen Zähne sind zum einen der erste Nachweis für Spalacotheriiden in Zentraleuropa. Zum anderen stellen die Dryolestiden-Zähnchen die jüngsten Nachweise dieser Gruppe auf der Nordhalbkugel dar. Bisher gab es bekannte Nachweise von Spalacotheriiden und Dryolestiden aus der Unterkreide in Europa nur aus Großbritannien, der Iberischen Halbinsel und Frankreich.

Drei neue Säugetiergattungen und -arten

Insgesamt acht Fossilien aus dem Hönnetal begründen nun drei neue Säugetiergattungen und -arten: „Cifellitherium suderlandicum“, „Minutolestes submersus“ und „Beckumia sinemeckelia“. Der dritte Name nimmt dabei direkten Bezug auf Beckum, wo die Fossilien gefunden wurden. Die neuen Arten sind die geologisch jüngsten Vertreter der Spalacotheriiden und Dryolestiden in Europa. Durch den neuen Fund erweitert sich die bekannte geografische Ausdehnung der Spalacotheriiden bis nach Mitteleuropa. „Unsere Kenntnisse über die Säugetiergruppen von Balve sind immer noch begrenzt“, erklärt Dr. Achim Schwermann, Fossilien-Forscher im LWL-Museum für Naturkunde in Münster.

„Jedes Jahr entdecken wir neue Fossilien, und jede Entdeckung bringt etwas mehr Licht in dieses Kapitel der Säugetier-Evolution, das weltweit nur durch wenige Fossilien bekannt ist“, so der Paläontologe.

Mit dem bloßen Auge kaum zu entdecken

Mitarbeiter des LWL-Museums für Naturkunde entdeckten bei jährlichen Grabungen in einem Steinbruch im Hönnetal acht Zähne beziehungsweise Kieferbruchstücke der nun beschriebenen Säugetiere. Fossilien dieser Art sind in den Ablagerungen extrem selten und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Durch das Schlämmen werden jedes Jahr etliche Tonnen Sediment aufbereitet: Nach Trocknung und anschließendem Einweichen in Wasser werden die Proben über Siebe gespült. Die kleinste Maschenweite beträgt dabei 0,5 Millimeter. Durch diese Arbeit werden ungefähr 90 Prozent des Sediments ausgewaschen, und übrig bleiben Gesteinsbruchstücke, Gerölle und Fossilien, die größer als ein halber Millimeter sind. Im Anschluss werden diese Objekte in zeitintensiver Arbeit Korn für Korn ausgelesen. Nur so lassen sich die winzigen Zähne finden.

Nachdem die Forscher die Zähne ausfindig gemacht hatten, wurden sie mit einem Mikro-Computertomograf durchleuchtet. Dabei rotierten die Fundstücke um 360 Grad, und mithilfe von Röntgenstrahlung entstand ein 3D-Scan der Fossilien. „Mit dieser Methode lassen sich die winzigen Zähne am Rechner untersuchen. Das ist kein Ersatz für die Originalfossilien, aber 3D-Modelle sind wesentlich einfacher von allen Seiten zu betrachten. Außerdem bekommen wir mit dieser Methode Einblicke in den internen Aufbau der Fossilien“, so Prof. Dr. Thomas Martin von der Universität Bonn, Hauptautor der nun veröffentlichen Studie.

Sicher im Zentralmagazin verwahrt

Die Fossilien sind die bislang einzigen Reste, die von diesen Tierarten bekannt sind. Sie werden daher sicher im Zentralmagazin des LWL verwahrt. Dort stehen sie Forschenden zur Verfügung, um weitere Untersuchungen daran vorzunehmen und noch mehr über sie zu erfahren.

Auch interessant

Kommentare