1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Balve

Windenergie: Potenzial für zwölf weitere Anlagen in Balve

Erstellt:

Von: Julius Kolossa

Kommentare

Sechs Windkraftanlagen stehen derzeit in Balve. Einige davon im Beckumer Feld (Foto). Diese sollen in den kommenden Jahren durch höhere Anlagen ersetzt werden.
Sechs Windkraftanlagen stehen derzeit in Balve. Einige davon im Beckumer Feld (Foto). Diese sollen in den kommenden Jahren durch höhere Anlagen ersetzt werden. © Kolossa, Julius

Die Windenergie war am Montagabend das Thema einer Bürgerinformation, zu der der CDU-Stadtverband in das Restaurant Zur Höhle eingeladen hatte. Und das Interesse der Balver an diesem Thema ist offensichtlich groß, denn mehr als 70 Personen kamen.

Als Referent hatten die Christdemokraten Christian Mildenberger, Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW, eingeladen. „Planung und Genehmigungsverfahren sind das Problem“, sagte der Lobbyist, warum der Ausbau der Erneuerbaren Energien aus seiner Sicht weiterhin zu langsam vorankommt.

Diese Meinung vertrat auch Klaus Schulze Langenhorst, Geschäftsführer der SL Naturenergie, die auf dem Kohlberg in Neuenrade einen Windpark mit sechs Windkraftanlagen betreibt und auch im Bereich des Balver Waldes Windräder bauen möchte. In Neuenrade hatte SL Naturenergie mit dem massiven Widerstand der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ zu kämpfen, die zeitweise einen gerichtlichen Baustopp für die Windräder erwirkte. Dieser wurde mittlerweile zwar wieder aufgehoben und die Anlagen produzieren seit einigen Monaten Strom, die finale gerichtliche Entscheidung zum Betrieb der sechs Windräder steht aber weiterhin aus. Der zeitweilige Baustopp habe für sein Unternehmen einen Verlust im „unteren siebenstelligen Euro-Bereich“ bedeutet, sagte Schulze Langenhorst am Montag.

Umdenken in der Bevölkerung?

Allerdings will der SL-Geschäftsführer auch ein allmähliches Umdenken in der Bevölkerung ausgemacht haben. „Die Stimmung gegenüber der Windenergie ist jetzt deutlich positiver als noch vor vier Jahren“, sagte Schulze Langenhorst im Gespräch mit der Redaktion angesichts der Energie-Krise und der explodierenden Strom- und Gaspreise als Folge des Ukraine-Krieges.

Auch die Politik hat gehandelt und über das Erneuerbare-Energie-Gesetz für NRW festgelegt, dass der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bis 2030 auf 65 Prozent steigen soll. Christian Mildenberger erklärte: „Um dieses Ziel zu erreichen, sieht die Vereinbarung unter anderem die Errichtung von mindestens 1000 zusätzlichen Windenergieanlagen in dieser Legislaturperiode bis 2027 vor.“ Hierfür sei angekündigt worden, das Klimaschutzgesetz, den Landesentwicklungsplan und die Energieversorgungsstrategie zu überarbeiten. Allerdings hinkt NRW diesen Zielen bislang deutlich hinterher. So sind in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 67 Windräder zum ersten Mal in Betrieb genommen worden. Am Ende des Jahres müssten es aber rund 200 sein, um die Ausbauziele der schwarz-grünen Regierung zu erreichen.

Jährlich 177 Gigawattstunden Strom

Im Stadtgebiet von Balve sieht das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) Potenzial für zwölf weitere Windkraftanlagen mit 177 Gigawattstunden jährlichem Stromertrag. Aktuell stehen sechs Windenergieanlagen in Balve, die letzte wurde 2010 errichtet.

Rund 70 Balver hörten sich im Restaurant Zur Höhle den Vortrag zum Thema Windkraft von Christian Mildenberger, Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW, an.
Rund 70 Balver hörten sich im Restaurant Zur Höhle den Vortrag zum Thema Windkraft von Christian Mildenberger, Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW, an. © Kolossa, Julius

Im März hatte der Stadtrat die Aufhebung der einzigen im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Windvorrangzone im Beckumer Feld beschlossen, um so weitere Flächen für potenziell interessierte Investoren zu öffnen. „Damit wurde von der Politik auf die Vorgaben mit neuen Mindestabständen für neue Anlagen reagiert“, sagte Hubert Sauer, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, auf Anfrage. Die CDU bildet seit vielen Jahren die Mehrheitsfraktion im Balver Rat. „Wir wollen uns der Windenergie nicht verschließen“, sagte Sauer.

Windrad im eigenen Garten

Nach dem Expertenvortrag wurde mit den Balvern ausgiebig über das Thema Windkraft diskutiert. Von den Bürgern wurde auch der Bau von Windenergieanlagen im eigenen Garten angesprochen. Bis zu einer Höhe von zehn Metern seien diese genehmigungsfrei, so Mildenberger. „Es gibt aber nur wenig Hersteller für diese Klein-Windanlagen. Diese muss jeweils auf die Geschwindigkeit und Leistung abgestimmt sein.“

Größer plant derweil SL Naturenergie für die Fläche im Bereich des Balver Waldes bei Leveringhausen. Vor mehr als einem Jahr, so Schulze Langenhorst, sei der Antrag beim Märkischen Kreis als Genehmigungsbehörde für den Bau von drei Windenergieanlagen gestellt worden. Jede habe einen Rotor-Durchmesser von 138 Meter und sei insgesamt 230 Meter hoch. „Wir hoffen auf mehr und schnellere Entscheidungsfreudigkeit“, so der SL-Geschäftsführer, der aber davon ausgeht, dass sich vor 2024 kein Rotorblatt bei Leveringhausen drehen wird.

Investor plant Beteiligungsmodell

„Für diesen Standort möchten wir Beteiligungsmodelle für die Stadt und die Bürger initiieren“, versprach Schulze-Langenhorst. Sein Unternehmen sehe sich als Partner in der Region. Aber Schulze Langenhorst weiß auch: „Die Situation wird schwieriger wegen steigender Preise und steigender Zinsen.“

Für Lobbyist Christian Mildenberger steht fest: „Wir brauchen Geschwindigkeit und Dynamik – bis zu drei Jahre für die Genehmigung eines Gutachtens ist zu lange.“

Auch interessant

Kommentare