Bereits 61 Wildunfälle in Balve in diesem Jahr

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Christof Schäfer mit dem Schädel eines Keilers und seinem Bayerischen Gebirgsschweißhund Jacky.

Balve - Im Herbst können für Autofahrer schnell gefährliche Situationen entstehen. Die früher einsetzende Dämmerung fällt immer häufiger mit den Hauptverkehrszeiten zusammen und auch die Jagden können zu mehr Wild auf den Straßen führen.

„Tempo 50 ist im Herbst in der Dämmerung nicht zu schnell“, meint Christof Schäfer, Schwarzwildbeauftragter der Märkischen Kreisjägerschaft, dazu im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei dem Tempo könne der Fahrer noch rechtzeitig auf plötzlich im Lichtkegel des Autos erscheinende Wildtiere wie Rehe oder Wildschweine reagieren.

Schäfer hat in einem Waldstück im Hönnetal den Schädel eines männlichen Wildschweins gefunden: „Das war einmal ein Keiler.“ So imposant das Gebiss des toten Tieres aussieht, so viel Kraft kann ein lebendes Tier entwickeln. 200 Kilogramm wiegt ein ausgewachsener Keiler, 150 Kilogramm das weibliche Tier. Dass aber auch kleinere Tiere zu einer großen Gefahr werden können, erklärt die Märkische Kreisjägerschaft. Die Vorsitzende Maria Watermann erklärt: „Ein Reh von etwa 20 Kilogramm hat bei einer Geschwindigkeit des Fahrzeugs von 100 km/h ein Auftreffgewicht von fast einer halben Tonne. Das kann lebensgefährlich sein.“

Der Verein hat die Umstellung der Uhren an diesem Wochenende zum Anlass genommen, auf die Gefahr von Wildunfällen hinzuweisen. In besonderen Gefahrenbereichen, die durch die Warnschilder „Achtung Wildwechsel“ gekennzeichnet sind, gelte es, den Fuß vom Gas zu nehmen und besonders konzentriert zu fahren. Trifft man auf wechselndes Wild, solle man bremsen und das Lenkrad festhalten. Ruckartiges Ausweichen könne zu Kontrollverlust führen.

An einigen Ecken, so auch in der Grübeck, können immer mal wieder Tiere auf der Fahrbahn beobachtet werden. In solchen Fällen gilt: Fuß vom Gas und besonders aufmerksam fahren.

Um möglichst sicher über die Straßen zu kommen, rät die Polizei, generell besonders vorsichtig zu fahren. Dass die Zahl der Unfälle trotz aller Warnungen in diesem Jahr in Balve wieder leicht angestiegen ist, geht aus den entsprechenden Unfallzahlen hervor: Wie der Pressesprecher der Polizei im Märkischen Kreis, Dietmar Boronowski, mitteilt, ereigneten sich 2015 63 Unfälle. 2016 waren es nur noch 53 und in diesem Jahr wurden bis einschließlich September bereits 61 Unfälle gezählt. Genaue Angaben über Unfallschwerpunkte konnte Boronowski allerdings nicht mitteilen.

Ein Grund für vermehrte Wildunfälle und die damit steigende Gefahr ist der seit den 1980er-Jahren gestiegenen Bestand der Wildschweine. Besonders nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007 sei dieser noch einmal angestiegen. „Wildschweine finden jetzt noch mehr Deckung“, erklärt Christof Schäfer. Und das mache die Jagd schwierig. „Die ersten Drückjagden in diesem Herbst waren bisher nur mäßig erfolgreich“, sagt er. Zu warm sei es gewesen, die Hunde dadurch zu schnell erschöpft, während die Wildschweine durch das noch dichte Laub gut vor den Läufen der Jäger geschützt waren. Doch dies werde sich an den nächsten Wochenenden ändern, wenn bis in den Dezember hinein, Jagd auf das Schwarzwild gemacht werde. Schäfer ist dann selbst wieder häufig mit einem seiner Schweißhunde vor Ort, um mit dessen Hilfe angeschossenes Wild zu finden.

Vorsicht auch vor Jagden

Um nicht in das jagdliche Geschehen zu geraten gibt auch die Untere Jagdbehörde Tipps: So sollten Spaziergänger und Sportler die Wege nicht verlassen. Auch Kleidung in kräftigen Farben und farbliche oder leuchtende Halsbänder für mitgeführte Hunde helfen, frühzeitig wahrgenommen zu werden. Wie die Jagdbehörde weiter mitteilt, muss mit Wild auf den Wegen und nicht angeleinten Jagdhunden gerechnet werden. Außerdem: „Aufenthalte im Wald sollten so geplant werden, dass ausreichend Tageslicht vorhanden ist, um sich nicht selbst zu gefährden. Ansitzjagden finden auch während der Nachtzeit statt.“

Weitere Informationen zu Wildunfällen gibt es beim Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen.

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