Kartierungsarbeiten laufen

Wildkatzen entdeckt: Das bedeutet das Vorkommen für den A46-Lückenschluss

Günter Bockwinkel und Julia Schielmann bei ihrer Arbeit.
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Günter Bockwinkel und Julia Schielmann bei ihrer Arbeit.

Für das Projekt A46-Lückenschluss laufen seit Herbst 2020 im Untersuchungsgebiet, das in Eisborn bis an das Balver Stadtgebiet heranreicht, die Kartierungsarbeiten. Ein erster Zwischenbericht wurde am Donnerstag vorgestellt.

Derzeit sind Experten der Fachbüros NZO aus Bielefeld sowie AFRY (Köln) in dem 140 Quadratkilometer großen Areal unterwegs, um die Verbreitung bestimmter Arten und deren Raumnutzung zu dokumentieren. Die Ergebnisse der laufenden Fauna-Kartierung sowie die weiteren Schutzgüter Mensch, menschliche Gesundheit und Umwelt werden später in einer sogenannten Raumwiderstandskarte zusammengefasst. Sie soll zeigen, wo Raum für die Trassenführung zur Verfügung steht.

In der Waldemei zwischen Hemer und Menden dokumentierten Dr. Günter Bockwinkel vom Büro NZO und seine Kollegin Julia Schielmann zum Teil jahrhundertalte Bestände von Buchen und Eichen. „Solche Waldstrukturen müssen sie heute mit der Lupe suchen“, sagte Bockwinkel am Donnerstag. Hier kommen alle Spechtarten vor: Schwarz-, Grün-, Grau-, Bunt- und auch der Mittelspecht. „Ein Schwarzspechtpaar baut bis zu 40 Höhlen und sorgt so für ökosozialen Wohnungsbau“, sagte Bockwinkel. In die verlassenen Höhlen ziehen „Nachmieter“ wie etwa die Bechsteinfledermaus ein.

FFH- und Vogelschutzgebiet

Die Wälder am Mühlenbachtal bei Wimbern sind nicht nur Naturschutzgebiet, sondern auch zum Teil FFH- und Vogelschutzgebiet, erläuterte Hendrik Sallinger, Landschaftsökologe bei AFRY, der sich mit seiner Kollegin Laura Pelzer den östlichen Teil des Untersuchungsraums vornimmt. Durch seine geschützte Lage ist das Tal sehr störungsarm, ideal für lärm- und lichtempfindliche Arten wie Eulen und Fledermäuse. „Wir haben hier bereits drei Reviere für Waldkäuze nachgewiesen“, sagte Sallinger. Zudem hat er Rot- und Schwarzmilane gesichtet, Bussarde und einen Habicht. Die Ruhr und der Ruhrstau bei Echthausen sind Fauna-Flora-Habitat und im Winter bedeutendes Rastgebiet der Graugänse. 500 bis 600 Tiere verbringen hier die kalten Monate, auch Schellente und Gänsesäger wurden beobachtet.

Dr. Günter Bockwinkel ist einer der Experten, die mit den Kartierungsarbeiten beauftragt wurden.

Vorkommen von Vogelarten werden über ein ganzes Jahr dokumentiert. Für jede Vogelart gibt es einen artspezifisch optimalen Erfassungszeitraum, in dem Rufaktivitäten, Flugbeobachtungen, Revier- und Balzverhaltensweisen erfasst werden. Ab Januar werden Standvögel wie zum Beispiel Kauz, Uhu, Sperber, Turmfalke gesucht, im März folgen Spechte und Greifvögel, bis in den Hochsommer Langstreckenzieher wie Baumfalke und Wespenbussard.

Gen-Analysen sollen Klarheit bringen

Einer seltenen Spezies wird mit Gen-Analysen nachgeforscht. Das Büro NZO hat im mittleren Untersuchungsbereich an sechs Standorten 23 Nachweise von Wildkatzen dokumentiert. Aussagen über die exakte räumliche Verbreitung und zur Populationsgröße konnte das Büro aber noch nicht machen. „Schon allein deshalb ist eine fundierte Bewertung der Funde im Hinblick auf das Projekt zur Zeit nicht möglich“, sagte Dr. Günter Bockwinkel.

Christoph Kindel, Projektleiter bei Straßen.NRW, wies darauf hin, dass der Nachweis von Wildkatzen im Untersuchungsraum allein noch keine Bewertung für oder gegen eine Eignung einer späteren Linienführung sei: „Es gibt Mittel und Maßnahmen Projekte zu planen und gleichzeitig die Existenz und den Lebensraum der Wildkatzen zu sichern.“

Im Bereich der Balver Stadtgrenze waren die Experten bislang nicht unterwegs. Hier steht unter anderem eine Untersuchung des Lhoist-Steinbruchs in Asbeck an.

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