Wilder Ritt durch die Musikgeschichte

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Der Mendener Chor amante della musica war zum ersten Mal zu Besuch bei der „Night of Music“ und präsentierte feine A-Cappella-Musik. Im Vordergrund das Blasorchester von Amicitia.

BALVE - Was für eine Kulisse: Ausverkauft war die Balver Höhle am Samstag, als das große Blasorchester des Musikvereins Amicitia 1796 Garbeck, der Chor amante della musica und viele weitere Mitwirkende ein Mammutprogramm auf die Bühne zauberten. Musikalische Genregrenzen wurden dabei spielerisch leicht übersprungen.

Gespielt und gesungen wurde das, was Freude macht. Nicht nur am Ende feierten die Besucher die Akteure und hatten viel Grund, zufrieden nach Hause zu gehen.

Schon einige Namen machen deutlich, wie weit die Spannweite der während eines langen Abends gespielten Musik reichte: George Bizet war mit seiner Oper „Carmen“ genauso vertreten wie das Alan Parsons Project, auf dessen Titel unmittelbar Giacomo Puccinis „Nessun Dorma“ aus der Oper Turandot folgte. Von Puccini ging es zurück zu Bobby Mc Ferrins „Don’t worry, be happy“ und weiter zu Johann Strauss’ „Als flotter Geist“ und zur Urmelodie italienischer Canzone: „O sole Mio“. Nenas „99 Luftballons“ waren kaum aufgestiegen, als die Orchestermusiker der Amicitia den wilden Ritt des Finales aus Rossinis Oper „Wilhelm Tell“ wagten.

Tobias Schütte, musikalischer Leiter des Blasorchesters und engagierter Dirigent des Abends, bereicherte das Konzert durch ein Arrangement, indem er den berühmten Bolero von Maurice Ravel mit Carl Orffs „Carmina Burana“, „Conquest of Paradise“ und der sinfonischen Huldigung an den Mars aus Gustav Holsts Zyklus „Die Planeten“ zusammenbrachte. Das machte Spaß – schon wegen Ravels betörender Triolen. Eine ähnliche Verdichtung von Melodien gab es später noch einmal, als das Orchester Ennio Morricones Westernfilmkompositionen zu einem „Moment of Morricone“ zusammenbrachte.

Eine echte Bereicherung für das Konzert war der Auftritt des Mendener A-Cappella-Chores amante della musica. Aus Platznot stiegen die Sänger in die zweite Etage der Bühne und erfreuten das Publikum von dort aus mit handverlesenen Kompositionen: „Hungriges Herz“, „Gabriella’s Song“, Rammsteins „Engel“ und das fröhliche „Don’t worry, be happy“. Auch getanzt wurde erstmals: Irina Castillo brachte Bizets „Carmen“ und damit den Flamenco auf die Bühne.

Mehrere Instrumentalsolisten unterstützten das Orchester: Hornist Lukas Schulte, mit 15 Jahren der jüngste Solist, spielte mit Bravour einen Satz aus Mozarts Hornkonzert. Und Posaunist Achim Bachmann nutzte das Klangfundament des Orchesters für eine Demonstration, was für Klangfarben er seinem Instrument entlocken kann.

Doch was wäre die „Night of Music“ ohne ihre singenden Solisten: Ingo Mettkens und Alexander Schulte sangen nicht nur jene Stücke, die dem Pop zuzurechnen waren, sondern führten auch humorig und souverän durch das Programm. Unterstützt wurden sie beim Beatles-Medley und anderem von Sängerin Ramona Pröpper, die allein große Auftritte mit Harold Garlens „Somewhere Over the Rainbow“ und Lloyd Webbers „Memories“ aus dem Musical „Cats“ hatte.

Für Ausgewähltes aus Oper und Operette waren Severine Joordens und Ben Hejnen engagiert worden. Letzterer erwies sich als ein großer Spaßvogel mit einer großen Stimme, deren Volumen und Durchhaltevermögen das Publikum wiederholt staunen ließen.

Von Thomas Krumm

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