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Wiedersehensfreude im renovierten Vereinsheim

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Von: Michael Koll

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Mit traditioneller und moderner irischer Musik eroberten Simon Scherer (links) und Mario Kuzyna von der Band Stout die Herzen der Konzertbesucher im Sturm.
Mit traditioneller und moderner irischer Musik eroberten Simon Scherer (links) und Mario Kuzyna von der Band Stout die Herzen der Konzertbesucher im Sturm. © Michael Koll

Hochklassige Musik bot der Irische Abend der Versetaler Schützen schon immer. Doch was den Abend am Samstag zu einem ganz besonderen machte, war eine bei Zuschauern wie auch Musikern der Band Stout beinahe mit Händen zu greifende Wiedersehensfreude.

Werdohl ‒ Das nach der Flutkatastrophe frische renovierte Vereinsheim Altenmühle präsentierte sich viel gemütlicher als zuvor. Das neu gestaltete Ambiente überzeugte bei seiner Premiere auf ganzer Linie.

Die Stimmung hätte nicht ausgelassener sein können. Nur das Pils auf den Tischen verriet dem Beobachter, dass dieses Konzert nicht in einem originalen irischen Pub auf der grünen Insel stattfand.

Nicht nur den 60 Zuhörern auf den Stühlen im nicht ganz ausverkauften Saal, sondern auch die beiden stehenden Mitglieder der Band Stout genossen ohne Zweifel diese Rückkehr zur Vor-Corona-Normalität. Den beiden Sängern war an ihren Stimmen zu jedem Zeitpunkt des langen Abends ein scheinbar innerlich aufgesetztes Lächeln anzuhören.

Die beiden Musiker Simon Scherer im weißen und Mario Kuzyna im schwarzen Hemd boten sich im Rahmen des dreistündigen Konzertabends auch immer wieder unterhaltsame Wortgefechte, die ein ums andere Mal Gelächter im Publikum auslösten. So etwa bei der Ansage zum Song „Fiddler’s Green“.

Kuzyna erläuterte: „Dabei handelt es sich um einen magischen Ort, an dem alle stets glücklich sind. Die Fische springen von allein ins Boot, man muss sie nicht erst angeln.“ Scherer warf ein: „Die Frauen sind dort alle schön – so, wie hier im Versetal.“ Sein Bandkollege konterte sogleich: „Das Wichtigste ist aber: Das Bier ist immer umsonst.“

Im Rahmen ihres Programms versteckten sie auch aktuelle Charts-Erfolge in ihren Liedern. So tauchten etwa in einem alten irischen Traditional einige Sekunden des Refrains vom Hit „No roots“ von Alice Merton auf, was die aufmerksamen Zuschauer, die teils sogar aus Lüdenscheid, Meinerzhagen, oder sogar Gummersbach gekommen waren, mit gesondertem Applaus quittierten. Ganz nebenbei hatten die beiden Musiker auf der Bühne damit bewiesen, dass ein Funk-Pop-Song mit einem Banjo von ihnen mühelos in ein irisches Klanggewand gekleidet werden konnte.

Scherer griff bei anderen Stücken zudem zur Mandoline. Und Kuzyna hatte eine spezielle Art von Harmonium mit ins Versetal gebracht. Darüber hinaus begleiteten die beiden Sänger sich mit ihren Gitarren.

Der wie ein Wiedergänger von Beatles-Leadgitarrist George Harrison aussehende Scherer fragte im von seinem Bandkollegen als „dritte Konzerthälfte“ angekündigten Liederreigen das Publikum: „Kann einer von Euch eigentlich Irisch?“ Als niemand im Vereinsheim die Hand erhob, atmete er erleichtert aus und rief: „Na, dann kann ich jetzt ja wieder singen, was ich will, und Ihr glaubt mir den Scheiß.“

Die Konzertbesucher – eine bunte Mischung aus Jung und Alt – genoss diese frisch-freche Art der beiden Künstler. Doch auch gefühlvolle Balladen wie „The Fields of Athenry“, die inoffizielle irische Hymne, gingen den Menschen im Saal spürbar unter die Haut.

Allzu lang nahmen die beiden Dortmunder das Tempo aus ihrer Show, zu der teils auch Eigenkompositionen gehörten, allerdings nicht heraus. Mit typisch wilden irischen Melodien wie „Step it out, Mary“ riss das Duo seine Zuhörer immer wieder mit.

Auch Klassiker wie „Dirty old town“ von The Pogues und „The wild rover“ aus dem 19. Jahrhundert sowie das noch ältere Volkslied „Whiskey in the jar“ fehlten nicht im Programm des Duos. Zum Abschluss des Abends ließen Scherer und Kuzyna sämtliche Instrumente weg, traten a capella vor die Mikrophone und intonierten „The chandler’s shop“.

Frank Herber, Oberst der ausrichtenden Versetaler Schützen, jubelte und rief in Richtung der zwei Musiker begeistert aus: „Ihr kommt auf jeden Fall wieder!“ Scherer kalauerte: „Moment, da haben wir ja wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden.“ Die Zuschauer würden sich jedenfalls zweifelsohne über einen weiteren Auftritt von Stout in Werdohl freuen.

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