Keine Feste, keine Arbeit

Wie ein Nebenerwerbsfestwirt unter der Pandemie leidet

Olaf Keul sorgt mit seinem Team auf zahlreichen Festen und Feiern in der Region für die Bewirtung der Gäste. Die Corona-Pandemie hat auch ihn ausgebremst.
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Olaf Keul sorgt mit seinem Team auf zahlreichen Festen und Feiern in der Region für die Bewirtung der Gäste. Die Corona-Pandemie hat auch ihn ausgebremst.

Normalerweise sorgt Olaf Keul bei Festen und Feiern in der Region für den Getränkenachschub, wenn er als Chef eines mehrköpfigen Thekenteams im Einsatz ist. Seit einem Jahr ist aber auch er zum Nichtstun verurteilt.

Balve ‒ Olaf Keul weiß: „Heino ist ein netter Kerl.“ Denn der Legende der Volksmusik hat er während der Aufzeichnung von „Deutschland sucht den Superstar“ im Mai 2015 in der Balver Höhle ein Bier gezapft – und ist dabei mit ihm ins Gespräch gekommen. Der damals in der Jury sitzende Heino wurde von Olaf Keul ebenso bedient wie die Juroren Nandy Capristo und DJ Antoine. „Es hat Spaß gemacht“, fasst Keul seinen damaligen Einsatz hinter der Theke zusammen.

Keul weiß aber auch um die Verpflichtung eines Wirtes zur Verschwiegenheit. Denn auf Nachfrage zu Dieter Bohlen, dem jahrelangen „Superstar“ auf und hinter der Bühne, hält sich der 50-Jährige kurz und knapp: „Dieter Bohlen trank nur Wasser.“ Mehr ist Keul über den Musikproduzenten Pop-Titan war nicht zu entlocken.

Mehr Spaß als vor der Theke

Von solchen Erlebnissen zehrt Olaf Keul, der die Geselligkeit pflegt, indem er hinter der Theke für Getränkenachschub sorgt. „Das macht mehr Spaß, als vor der Theke zu feiern“, will er nicht von seiner Mission lassen. Unzählige Gläser Bier hat er in der Balver Höhle verzapft, darunter auch einige an die Fantastischen Vier, die dort im Jahr 2012 aufgetreten sind. Doch egal, ob eine Hip-Hop-Gruppe aus Stuttgart, andere Superstars oder aber die Balver Schützen und deren Gäste vor „seiner“ Theke stehen, sie alle sind ihm gleich viel wert. Und deshalb vermisst Keul auch die Zeit, in der wegen der Corona-Pandemie alle Festivitäten abgesagt wurden. „Es macht keinen Spaß mehr“, hat er zur aktuellen Situation eine eindeutige Meinung.

Verständnis für Absagen

„Aber ich habe Verständnis für jede Absage eines Schützenfestes und einer anderen Veranstaltung, die in dieser Zeit abgesagt wird. Die Fallzahlen und Krankheitsverläufe sind besorgniserregend“, will Keul, der in den zurückliegenden Monaten mehrfach als Organisator von Eishockey-Abenden im Autokino und von Motorradfahrer-Treffen in Erscheinung getreten ist, über die Notwendigkeit der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gar nicht diskutieren.

Seit 29 Jahren ist der gelernte Industriekaufmann Olaf Keul als Thekenwirt im Schützenwesen in Balve, in Beckum und Mellen tätig, seit 2003 im Golddorf auch als Festwirt. Keul ist zuversichtlich, dass irgendwann wieder gefeiert werden darf: „Allerdings nicht mehr nach den Hygienekonzepten von 2019 und davor – dann sind andere Maßnahmen wie Spülmaschinen erforderlich“, ahnt er, was auf Veranstalter und Festwirte zukommen könnte. Was bei Festen sonst noch für Hygienemaßnahmen zum Einsatz kommen werde, davon will er sich überraschen lassen. „Diese Pandemie bringt am Ende viele bisher verborgene Maßnahmen hervor, die dann auch umgesetzt werden.“

Am Zapfhahn der Veltins-Arena

Der Nebenerwerbsfestwirt hat bereits in der früheren Balver Diskothek „Tenne“ das Zapfen als Hobby für sich entdeckt; dort wurde er vor vielen Jahren für das Schützenfest in Balve „abgeworben“. Den St.-Sebastian-Schützen in der Hönnestadt ist er seit 25 Jahren durch seine Mitgliedschaft in der 1. Kompanie verbunden; bei einer Fahrt der Schützenbruderschaft hat Olaf Keul in der Gelsenkirchener Veltins-Arena bereits gezapft. „Es hat sich angeboten, dass ich seinerzeit hinter der Theke stehen und die Schützenbrüder von dort aus bedienen durfte“, schwärmt er von dem besonderen Feeling „auf Schalke“.

Und dabei denkt er gerne an die Atmosphäre bei Schützenfesten zurück, bei denen er mit bis zu 30 Mitarbeitern für die Bewirtung mit Getränken verantwortlich ist. „Mein Vorteil ist, dass ich nicht selbstständig bin, sondern von den Schützenbruderschaften bezahlt werde – ich habe zwar keine Ausgaben, allerdings auch keinerlei Einnahmen“, erzählt er, wie sich die Veranstaltungsflaute in der Pandemie finanziell für ihn auswirkt.

Olaf Keul ist aber Optimist geblieben und sieht vor sich eine Zukunft, in der alle mit einem Lächeln an die zurückliegende Zeit denken werden, frei nach dem Motto: „Wir haben es überstanden.“ Er ist überzeugt, dass dauerhafte Lösungen für die vielen Probleme und Fragen gefunden werden, die sich zurzeit überall auftun. „Irgendwann haben wir wieder Normalität.“

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