Politik und Verwaltung lehnen Projekt ab

Widerstand gegen die Windräder

Investor SL Naturenergie möchte in Balve drei Windräder errichten.
+
Investor SL Naturenergie möchte in Balve drei Windräder errichten.

Das Gladbecker Unternehmen SL Naturenergie möchte auf Balver Stadtgebiet im westlichen Bereich des Balver Waldes in Richtung Leveringhausen drei mehr als 200 Meter hohe Windräder errichten.

Mit diesem Projekt beschäftigte sich am Dienstagabend auch der Ausschuss Umwelt, Stadtentwicklung, Bau bei seiner Sitzung in der Schützenhalle Volkringhausen, als es um den neuesten Regionalplanentwurf ging – und hatte dazu eine klare Meinung.

„Balve ist nicht alleine Herr des Verfahrens“, sagte Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) zum Regionalplanentwurf „Räumlicher Teilplan Märkischer Kreis, Kreis Olpe, Kreis Siegen-Wittgenstein“. Der Ausschuss beriet unter anderem über die Stellungnahmen zum Regionalplan, mit denen sich die Stadt gegen das Windkraftprojekt ausspricht.

Ausschussvorsitzender kritisiert den Landrat

„Es wird viel Druck auf Balve gemacht“, sagte der UWG-Fraktionsvorsitzende und Ausschussvorsitzende Lorenz Schnadt. Schnadt kritisierte, dass von insgesamt zehn Windvorrangzonen im Märkischen Kreis gleich acht auf Balver Gebiet lägen. „Das passt nicht dazu, dass unser Landrat Marco Voge immer wieder betont, dass wir dort leben, wo andere gerne Urlaub machen“, nahm Schnadt den Landrat aus Mellen in die Pflicht, sich dafür stark zu machen, dass Windräder an anderen Standorten entstehen sollen.

Schnadt ergänzte, man sei zwar nicht generell gegen Windenergie, „aber in diesem Umfang ist das nicht möglich“. Immerhin sei Leveringhausen auf dem Höhenzug – wenn die SL Naturenergie grünes Licht für ihr Projekt bekomme – nicht nur mit dem Kohlberg in Neuenrade, sondern auch aus Richtung Hemer, von Windkraftanlagen umgeben. Bekanntlich lässt der Investor in Neuenrade sechs 200-Meter-Windräder errichten, die Gegner des umstrittenen Projekts erwirkten im vergangenen Sommer jedoch einen vorläufigen Baustopp.

Mehr Wind im Südkreis?

Heinrich Stüeken (UWG) ist ebenfalls nicht mit den ausgewiesenen Gebieten zufrieden. „Im Südkreis ist deutlich mehr Wind“, habe er recherchiert. „Die uns Balver betreffende Entscheidung in dieser geballten Form ist unmöglich.“ Er rief dazu auf, dieses Thema sehr ernst zu nehmen. „Es geht um Maß und Mitte.“

So sieht es auch Bürgermeister Mühling. Der Märkische Kreis sei die Baugenehmigungsbehörde für die drei jeweils 229 Meter hohen Windenergieanlangen, für die noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung anstehe. Diese würde noch etwa ein Jahr andauern, wies er auf den Zeitplan hin. Mühling betonte aber auch, dass seit 2009 im Beckumer Feld eine Vorrangzone für Windenergieanlagen ausgewiesen sei. Weil diese seinerzeit auf 150 Meter hohe Anlagen ausgerichtet wurde, entspräche diese Fläche inzwischen nicht mehr den Anforderungen.

Politik ist sich einig

„Wir rufen dazu auf, dass möglichst viele Balver eine Stellungnahme zu diesem Regionalplanentwurf abgeben“, appellierten die CDU-Politiker Mathias Jedowski und Hubert Sauer. Dem stimmten SPD und UWG zu. „So viel Einstimmigkeit war selten“, sagte Lorenz Schnadt. Dieser bescheinigte der Stadtverwaltung gute Arbeit bei den Stellungnahmen zum Regionalplanentwurf.

Ebenfalls ablehnend äußerte sich die Verwaltung in einer weiteren Stellungnahme zum Regionalplan dazu, die Asbecker Straße für die geplante Steinbrucherweiterung im Hönnetal über den Hof Schulte-Horst zu verlegen. Der Verzicht auf die als Kreisstraße ausgezeichnete Straße würde die Verkehrsanbindung an Eisborn verschlechtern. Auf Kritik stoße auch die mögliche Wiederaufnahme der Arbeiten im Beckumer Steinbruch, befürchteten Betroffene doch eine Beeinträchtigung der Wohnbebauung und Zunahme des Schwerlastverkehrs in Beckum und Volkringhausen. „Lhoist hat Alternativen“, meinte dazu Lorenz Schnadt. „Dann soll mehr in die Tiefe gegraben werden.“ Dem widersprach Heinrich Stüeken, der auf die Wasserführung im Hönnetal und dementsprechend auf die Einhaltung des Hönne-Niveaus hinwies.

Stellungnahmen gegen den Regionalplanentwurf sind bis zum 30. Juni möglich. Weitere Informationen dazu online unter www.bra.nrw.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare