Wenn die Gesichtserkennung das Handy abstürzen lässt

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Kathrin Heinrichs erinnert sich noch an Zeiten, wo Menschen Fahrrad gefahren sind, ohne einen Helm aufzusetzen.

BALVE - Ein Smartphone sorgte die Künstlerin Kathrin Heinrichs in Balve für Unterhaltung. Sie ließ der modernen Technik viel Raum am Freitag bei ihrem Lese-Kabarett-Programm im ausverkauften Saal des katholischen Pfarrheims. „Facebook finde ich gut – da findet auch mein Mann Bernhard endlich Freunde“, sagte sie so beispielsweise in ihrer Rolle als Helga Hammer-Gescheidt.

Diese Rolle, angelegt als Vorsitzende einer Lehrerfrauen-Selbsthilfegruppe, kam wieder an bei ihrem erneuten Gastspiel in Balve – fast ein Heimspiel. Die gebürtige Langenholthausenerin Heinrichs zieht es einmal im Jahr auf die Balver Bühne.

Dieses Mal stellte sie auch zwei Bücher vor: ihren neunten Sauerland-Krimi um Vincent Jakobs und ihren dritten Satireband rund um die Figur „Nelly“.

Dem Publikum wurde zum Lese-Kabarett-Abend mit der „Tatort“-Filmmusik eingeheizt – ein gelungener Auftakt – live dargeboten vom Bitter-Trio. Dieses, bestehend aus Wolfgang Bitter am Piano, Johannes Pieper am Schlagzeug und Christian Becker am Bass, bekam für die musikalische Einlagen viel Beifall.

Auch mit ihrem neuen Programm traf Heinrichs von Anfang an voll ins Schwarze. Die Zuschauer kamen aus dem Lachen kaum heraus. Pointenreich schwelgte die Autorin in Kindheitserinnerungen. Sie blickte darauf zurück, wie sie und ihre sechs Geschwister das Skifahren lernten.

Damals sei auch Radfahren ohne Helm noch möglich gewesen. Und die Familie habe Ausflüge mit den sieben Kindern in einem Auto erledigt: „Drei auf die Rückbank und den Knopf an der Tür runter gedrückt – dann wurden die restlichen vier nachgeschoben.“ Wissendes Nicken im Publikum angesichts solcher Zeiten, in denen vieles anders war: „Und wir sind immer alle vollzählig und gesund nach Hause zurück gekommen.“

Appetit machte sie mit kurzen Sequenzen aus ihrem neuesten Krimi, aus dem sie nicht allzu viel verriet, so dass dieser Part der kürzeste des Programms blieb. Schwerpunkt des Abends war der Satireband rund um „Nelly“.

In einem Tagebuch wurde dabei der Verlauf einer Diät festgehalten: „Nach sechs Tagen habe ich 400 Gramm zugenommen.“ Gerne wurde die weitere Entwicklung der Gewichtsabnahme auch mit „nur gesunden Süßigkeiten“ (Nüsse mit Biozucker überzogen) verfolgt, bei der schließlich das „Kieselsteinlustschen“ am erfolgreichsten war.

Heinrichs freute sich über ein volles Haus, in dem die Besucher auf ihre Kosten kamen, wurden sie doch gut unterhalten. Da passte auch das Smartphone als stummer Stichwortgeber für den zweiten Teil.

Ob Gesichserkennung („Bei mir schaltet es sich ein, bei Bernhard stürzt es ab“) oder der Kontakt mit ihrer Freundin, die ihr mitteilte: „Gehe jetzt duschen“ oder „Trocke mich jetzt ab – was machst Du?“, die Gags waren hervorragend platziert.

Und nach diesem erfolgreichen Abend versprach die Schriftstellerin und Kabarettistin, auch im kommenden Jahr wieder ihre Sicht der Dinge in ihrer Heimat Balve darzustellen.

Von Julius Kolossa

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