Das Projekt polarisiert

Weiterbau der A46: Wirtschaft hofft auf den Lückenschluss

Das Gelände von Chemie Wocklum im Gewerbegebiet Glärbach verlassen täglich bis zu 30 Lastwagen. Prokurist Martin Gruschka hofft auf den Lückenschluss und damit kürzere Fahrtwege zur Autobahn.
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Das Gelände von Chemie Wocklum im Gewerbegebiet Glärbach verlassen täglich bis zu 30 Lastwagen. Prokurist Martin Gruschka hofft auf den Lückenschluss und damit kürzere Fahrtwege zur Autobahn.

Der geplante Lückenschluss der Autobahn 46 zwischen Iserlohn und Menden und der sich daran anschließende Neubau der Bundesstraße 7 von Menden bis zum Autobahnanschluss nach Arnsberg-Neheim polarisiert.

Balve - Aus Teilen der Bevölkerung regt sich massiver Widerstand gegen den Weiterbau der Autobahn, die heimische Wirtschaft und auch Bürgermeister Hubertus Mühling stehen dem Vorhaben jedoch positiv gegenüber.

„Wir begrüßen ausdrücklich den Ausbau der A 46“, sagte Martin Gruschka, Prokurist des Unternehmens Chemie Wocklum. Denn durch den Lückenschluss würde sich der Fahrtweg seiner Lastwagen bis zur Autobahn reduzieren. „Und letztlich wird durch längere Fahrten aus einem grundsätzlich preiswerten Produkt durch längere Fahrten ein teures.“

Trassenverlauf muss noch gefunden werden

Die neuesten Planungen sehen vor, dass die B 7 entlang der Ortsgrenze Asbeck-Eisborn verlaufen könnte. Der Landesbetrieb Straßen.NRW und die Autobahn GmbH als ausführende Behörden verweisen auf den noch sehr frühen Verlauf der Trassenfindung. Derzeit werden im gesamten Planungsgebiet Daten für Umweltverträglichkeitsgutachten erhoben.

Straßen.NRW flankiert den geplanten Lückenschluss durch ein sogenanntes Dialogforum als Onlineplattform. Daran beteiligt sind Vertreter der betroffenen Kommunen (für Balve Bürgermeister Mühling und Eisborns Ortsvorsteherin Pia Spiekermann) und Bürger, die das Projekt mitgestalten sollen. Bis Ende März konnten sich auch aus Balve Bürger bewerben.

Auswahlprozess noch nicht abgeschlossen

Zurzeit laufe der Auswahlprozess der zwei Bürger aus der Hönnestadt noch, sagte Michael Schmitz, Pressesprecher von Straßen.NRW, auf Anfrage: „Die Identität der Personen geben wir üblicherweise nicht bekannt; sie sollen in einem geschützten Raum diskutieren können.“ Sie sollen laut Schmitz so ihre „Anregungen und Kritik einbringen können“.

Massiver öffentlicher Widerstand gegen das Projekt kommt vor allem von der „Gruppeninitiative gegen den Bau der A46“ (GigA46), in der sich Bürger aus 19 Stadt- und Ortsteilen, die in dem Planungsgebiet für die Trassenführung liegen, zusammengeschlossen haben. Aber auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) äußert massive Kritik an dem Vorhaben.

Ortsvorsteherin wartet zunächst noch ab

Eisborns Ortsvorsteherin Pia Spiekermann erklärte zuletzt, sich mit Blick auf die weitere Entwicklung des Planungsvorgangs zunächst abwartend verhalten zu wollen.

Bürgermeister Hubertus Mühling positionierte sich bereits vor Beginn des Dialogverfahrens als klarer Befürworter des Lückenschlusses: „Der Weiterbau der Autobahn 46 täte uns gut.“ Im Gespräch mit der Redaktion wies er auf die Bedeutung eines besseren Autobahnanschlusses für die Gewerbebetriebe in Balve hin.

Täglich bis zu 30 Lastwagen

Damit liegt er auf einer Wellenlänge mit Chemie-Wocklum-Prokurist Gruschka. Denn täglich fahren von seinem Betriebsgelände an der Glärbach bis zu 30 Lastwagen, um die Kunden in Deutschland, aber auch in den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Österreich zu beliefern. „Bisherige An- und Abfahrten erhöhen deutlich den Ausstoß von Kohlendioxid“, stellte Gruschka fest. Sein Unternehmen habe sich entsprechend für den Weiterbau der A 46 bei der Wirtschaftsinitiative Nordkreis (Win) positioniert. „Je schneller die Autobahn kommt, desto besser.“ Dabei sei ihm die Verlängerung der Verbindung von Iserlohn nach Neheim wichtig. Martin Gruschka sieht dabei durchaus noch Diskussionsbedarf über die Trassenführung – allerdings sei über fünf Jahrzehnte bisher nur diskutiert und noch niemals gehandelt worden.

Chemie Wocklum

Das Unternehmen Chemie Wocklum wurde 1822 auf dem Gelände des Landsbergschen Schlosses gegründet. 1956 erfolgte der Umzug zum jetzigen Standort im Gewerbegebiet Glärbach. Hier sind 140 Mitarbeiter beschäftigt. Chemie Wocklum ist die Muttergesellschaft der Wocklum Gruppe, dessen Kerngeschäft der Handel mit Chemikalien, insbesondere Säuren und Laugen ist.

Der Prokurist hat dabei natürlich die Interessen seines Unternehmens im Blick. Doch er betont auch: „Wir sind schon seit Jahren mit dem Grünen Daumen unterwegs: Die Wärme aus der Chemiegewinnung wird in unser Heizungssystem eingespeist, sodass wir 60.000 Liter Heizöl jährlich einsparen, unsere Lastwagen werden auf Euro 6 umgerüstet, und es gibt Programme, mit denen unsere Fahrer spritsparend fahren können.“ Als Ausgleichsmaßnahme habe das Unternehmen zudem erst vor einigen Wochen auf der Wiese vor der Hönnetal-Bahnstrecke etwa 30 Obstbäume gepflanzt.

Seit mittlerweile rund 50 Jahren wird über den Weiterbau der A 46 diskutiert. Die Autobahn endet nach wie vor am Ortsausgang von Iserlohn. Die neuesten Planungen sehen einen vierspurigen Weiterbau auf sieben Kilometern Länge bis Menden vor, danach eine neue, zwölf Kilometer lange dreispurige Bundesstraße (B 7) bis zum Autobahnanschluss in Arnsberg-Neheim vor. Dieses Projekt steht weiterhin im Bundesverkehrswegeplan.

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