Nur die Vorhersage des Wetters klappt nicht

Auf dem Dach seiner Gartenhütte hat Horst Schnell die Messeinrichtungen seiner Wetterstation montiert. Sie ermitteln unter anderem Temperaturen und Regenfälle, Luftdruck und Windgeschwindigkeit.

LANGENHOLTHAUSEN ▪ April, April, der macht, was er will. Das sagt der Volksmund über das wechselhafte Wetter in diesem Monat. Horst Schnell kann genau nachvollziehen, ob diese Wetterregel ihre Berechtigung hat. Seit fast sechs Jahren zeichnet der Langenholthausener auf seiner privaten Wetterstation meteorologische Daten auf.

„Am Anfang wollte ich eigentlich nur die täglichen Temperaturen aufschreiben“, erinnert sich der 53-Jährige, wie alles begonnen hat. Doch schnell entstand bei dem Elektromeister der Wunsch, sich technische Möglichkeiten zunutze zu machen. „Die erste Wetterstation habe ich mir selbst zusammengeschraubt“, erzählt er. Etwas später hat Horst Schnell dann technisch aufgerüstet: mit einer elektronischen Wetterstation, die nun unter anderem Temperatur, Windgeschwindigkeit, Windrichtung und Luftdruck misst.

Die Wetterdaten ermittelt Horst Schnell im Garten hinter seinem Haus. Auf dem Dach seiner Gartenhütte hat er die verschiedenen Messgeräte installiert. Per Funk senden die ihre Daten an den Computer in Horst Schnells Arbeitszimmer. Und von dort werden sie alle 15 Minuten ins Internet übertragen. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein“, gibt Schnell zu, dass ihn dieses kleine Hobby inzwischen auch etwas Geld kostet. „Allein für den Computer gehen pro Jahr 300 Kilowattstunden Strom drauf“, hat er ausgerechnet.

Einen wirklichen Nutzen hat Horst Schnell von seiner meteorologischen Station nicht, wie er selbst sagt. Allenfalls profitiert der Wasserbeschaffungsverband Langenholthausen, dessen Vorstand Schnell angehört. Seine Wetterstation ermittelt nämlich die Niederschlagsmengen, die der Verband dokumentieren muss. Ansonsten ist die Aufzeichnung von Regen- und Sonnenstunden, Höchst- und Tiefsttemperaturen, lauen Lüftchen und starken Winden eher eine Spielerei. „Wenn es darum geht, wie warm oder kalt es an einem bestimmten Tag gewesen ist, könnte ich jede Wette gewinnen“, lacht Horst Schnell darüber, dass er gegenüber den meisten Menschen einen Informationsvorsprung hat. So konnte er beispielsweise nachsehen, dass der kälteste Tag des vergangenen Winters der 20. Dezember war. Und auch die Entwicklung eines der dramatischsten Wetterereignisse der vergangenen Jahre kann Schnell anhand seiner Daten gut nachvollziehen: Den Orkan Kyrill hat er von Anfang bis Ende aufgezeichnet. „Interessant wurde es ab 4 Uhr nachts. Da hatten wir einen rapiden Luftdruckabfall, der den tiefsten Punkt um 17.30 Uhr erreichte. Und da gab es auch gleichzeitig die stärksten Windböen“, sagt der Hobby-Meteorologe.

Nur eins kann Schnell trotz der großen Menge gesammelter Wetterdaten nicht: das Wetter voraussagen. Allenfalls kann er anhand der Luftdruckwerte eine Tendenz erkennen. „Aber das können die Bauern anhand des guten alten Barometers auch“, sagt er. Die Daten der Wetterstation kann übrigens jeder im Internet einsehen. ▪ vg

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