Schließungen befürchtet

Vor nächstem Bund-Länder-Gespräch: Dehoga-Verantwortlicher kritisiert die Politik

Heinz Friedriszik, stellvertretender Kreisvorsitzender des Deutschen Hotels- und Gaststättenverbandes, befürchtet Schließungen.
+
Heinz Friedriszik, stellvertretender Kreisvorsitzender des Deutschen Hotels- und Gaststättenverbandes, befürchtet Schließungen.

„Das Rauf- und Runterfahren der Gastronomie in diesem Jahr macht die Betriebe gekauft“, sagt Heinz Friedriszik.

Der stellvertretende Kreisvorsitzende des Deutschen Hotels- und Gaststättenverbandes (Dehoga) aus Balve, selbst erfahrener Gastronom, erwartet, dass Bund und Länder angesichts der weiterhin hohen Corona-Fallzahlen am Mittwoch eine Verlängerung des Teil-Lockdowns über das Monatsende wohl mindestens bis zum 20. Dezember beschließen werden.

„Ich rechne nicht damit, dass alle gastronomischen Betriebe diesen Lockdown und was danach kommt, durchhalten werden.“ Friedriszik, dem der Gasthof „Im Kohl“ in Neuenrade, das „Haus Syre“ in Garbeck und in Balve das „Ballova“ und „Haus Drei Könige“ gehören, kritisiert die von den Behörden getroffenen Regelungen, die nicht immer nachvollziehbar seien. „Die Infektionsherde liegen weniger in der Gastronomie. Es sind vielmehr private Feiern“, kann er nicht nachvollziehen, dass alle Betriebe in diesem Monat wieder schließen mussten und wahrscheinlich auch weiterhin geschlossen bleiben. „Ja, es gibt schwarze Schafe“, weiß er. Doch die große Zahl der Dehoga-Mitglieder würde sich an die Vorschriften halten.

Die Reserven sind aufgebraucht

Bei vielen Gastronomen gehe es jetzt an die Grenzen der Liquidität. „Die Verantwortlichen sind sich noch immer nicht schlüssig über die Regelungen der Novemberzahlungen“, kritisiert Friedriszik. „Eventuell soll es eine Abschlagszahlung geben. Mit der könnte wieder Zeit gewonnen werden.“ Doch noch sei nichts passiert. „Keiner weiß genau, wie es funktioniert – und jetzt geht es bereits auf Ende November zu. Die nächsten Löhne werden fällig.“ Er selbst macht inzwischen zumindest etwas Umsatz mit Außer-Haus-Geschäften, die am besten bei „Syré“ in Garbeck liefen. „Und hier Hähnchen und Schnitzel.“

Heinz Friedriszik weiß um diesen Service als Beitrag zur Kundenbetreuung und um in Erinnerung zu bleiben. Nicht für alle Gastronomen lohne sich dies. Er blickt auf die Gesamtsituation seiner Branche und ist damit sehr unzufrieden: „Zugesagte Hilfen kommen viel zu spät.“ Der Frust sitze ziemlich tief, nicht nur bei den Pächtern und Eigentümern, sondern auch bei den Mitarbeitern. Etwa 20 sind in seinen gastronomischen Betrieben tätig; Entlassungen kommen für Friedriszik nur als letztes Mittel in Frage: „Das sind alles gute Leute. Ich werde versuchen, mein Personal zu halten.“

Betriebe bleiben bis ins neue Jahr geschlossen

Doch zu tun gibt es in diesem Jahr für ihn und seine Angestellten in den verschiedenen Betrieben nichts mehr – egal, was die Politiker am Mittwoch entscheiden. Bis nach Silvester bleiben „Im Kohl“, „Ballova“, „Haus Drei Könige“ und „Haus Syré“ geschlossen. „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht lohnt sich eine Öffnung nicht, selbst wenn ab dem 20. Dezember wieder geöffnet werden dürfte“, begründet er diesen Schritt. Denn nur volle Restaurants rentierten sich, lediglich 50 Prozent der Tische belegen zu dürfen, sei nicht rentabel. Dabei lagen Friedriszik viele Anmeldungen vor. „Jetzt habe ich ein arbeitsfreies Weihnachten.“

Für Heinz Friedriszik fing dieses Jahr eigentlich gut an: „Wir hatten noch nie so viele Feiern“, erzählt er. „Dann wurden wir, wie alle anderen Betriebe auch,– wegen Corona für drei Monate stillgelegt. Als wir im Oktober wieder in etwa an die Umsatzwerte von vor dem Lockdown kamen, stand die nächste Schließung an.“ Ob 2021 besser wird – er ist unsicher. „Hoffentlich tritt nach dem Sommer wieder Normalität ein“, wünscht sich Friedriszik. Auch, dass es alle bisher bekannten Restaurants und Hotels dann noch gibt.

Gastronomielandschaft verändert sich

„Aber die Gastronomielandschaft verändert sich ohnehin. Weil beispielsweise inzwischen auch ohne Corona sehr viel digital abläuft, finden weniger Tagungen statt“, sagt der stellvertretende Dehoga-Kreisvorsitzende. Die Herausforderung sei es, Mittel und Wege zu finden, um diese Ausfälle kompensieren zu können, aber auch, sich auf das durch die Lockdowns veränderte Ausgehverhalten der Menschen einzustellen. Patentrezepte gebe es nicht, vielmehr müsse an jedem Standort anders reagiert werden. Friedriszik nimmt aber auch die Politik in die Pflicht: „Es gilt, vernünftige Rahmenbedingungen für den Tourismus zu finden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare