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Vor dem Krieg geflüchtet: Balve wird die neue Heimat

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Von: Julius Kolossa

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Denis, Kristina und Stephan Schukina flüchteten aus der Ukraine, als der Krieg begann. Ihre neue Heimat wird Balve. Noch allerdings warten sie darauf, eine Unterkunft zugewiesen zu bekommen.
Denis, Kristina und Stephan Schukina flüchteten aus der Ukraine, als der Krieg begann. Ihre neue Heimat wird Balve. Noch allerdings warten sie darauf, eine Unterkunft zugewiesen zu bekommen. © Kolossa, Julius

Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, flüchtete Familie Schukina aus ihrer Heimat, dem Donezk-Gebiet. Nach einer Fahrt über mehrere tausend Kilometer sind sie in ihrer neuen Heimat angekommen: Balve.

Kristina (34), gelernte Fahrschullehrerin, Denis (36), Lkw-Fahrer, und die beiden Kinder Alisa (11) und Stephan (8) packten mit Kriegsbeginn nur das Nötigste in Taschen und Koffer, luden diese in ihr Auto und machten sich auf den Weg Richtung Westen. „Etwa drei Tage sind wir durch die Ukraine, Ungarn, dann weiter nach Österreich und schließlich bis nach Deutschland gefahren“, erzählt Kristina Schukina im Gespräch mit der Redaktion. „Immer wieder gab es gefährliche Situationen“, fügt ihr Mann Denis hinzu. „Wir konnten durch die Ukraine nicht alle Straßen nehmen, mussten bestimmte Gegenden meiden.“

Dass sie nun in Sicherheit sind – „es ist noch nicht zu realisieren“, sagt Kristina Schukina. Sie wissen auch die Eltern von Denis mittlerweile in Deutschland in Sicherheit. Alle sind jetzt in Balve registriert, leben aber, bis ihnen in der Hönnestadt eine Unterkunft zugewiesen wird, vorübergehend in Deilinghofen.

Schulbesuch als „gute Therapie“

In Balve lernen sie Deutsch, die Kurse finden in der Hauptschule statt. Ein Kind geht bereits in eine Balver Schule. Die Mutter sagt dazu: „Schule ist eine gute Therapie. Sie lenkt sehr gut ab.“ Derweil lernen die Eltern die deutsche Sprache, mit der sie mehrere Stunden am Tag beschäftigt sind. „Unser Tag beginnt aber damit, dass wir zum Handy greifen und in unserer Heimat anrufen, ob alle gesund sind.“ Denn in der Ukraine leben noch viele Familienangehörige.

„Wir sind schon einmal geflohen“, erzählt Denis Schukina, was seine Familie bereits durchgemacht hat. 2014 mussten nach den ersten Unruhen in der Donezk-Region alle um ihr Leben fürchten. Doch irgendwann konnten sie zurück in ihre Wohnung.

Flüchtlinge werden mit Sorgen und Ängsten nicht alleine gelassen

Deshalb entschlossen sie sich im März, als die Russen den Angriffskrieg begannen, ihre Heimat endgültig zu verlassen. „Wir können nichts anderes als abwarten“, sagt Denis. Ob und wann sie zurück in die Ukraine können, wissen sie nicht.

Dass die Familie mit ihren Ängsten und Sorgen nicht alleine ist und sich in Balve viele Ehrenamtler um die Kriegsflüchtlinge kümmern, hat Familie Schukina am Dienstag beim ersten Flüchtlingscafé für Ukrainer erfahren. Die Evangelische Kirchengemeinde Balve stellte dafür ihr Gemeindehaus zur Verfügung, Gemeindemitglieder backten Kuchen und Muffins. Als Übersetzerin stand Anna Busche allen zur Seite.

Anna Busche hilft als Übersetzerin

Seit zwölf Jahren lebt die gebürtige Ukrainerin, die in der Hönnestadt ihr Lebensglück gefunden hat, in Balve, und arbeitet als Buchhalterin. Busche war gefragte Ansprechpartnerin, übersetzte, stand aber auch für allgemeine Fragen der Neubürger zur Verfügung.

Das Café für die Kriegsflüchtlinge findet künftig jeden ersten und dritten Dienstag im Monat im evangelischen Gemeindehaus von 16 bis 18 Uhr statt. Die Gruppe trifft sich also schon am nächsten Dienstag, 5. April, wieder.

Flüchtlingscafé: Helfer und Kuchenbäcker beziehungsweise -spender für das Flüchtlingscafé im Gemeindehaus sind willkommen und können sich melden bei Jutta Wilmes, Tel. 02375/1415.

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