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Vom Flüchtling zum Gesellen: Ali Torabi macht seinen Ausbilder stolz

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Von: Julius Kolossa

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Darf jetzt auch eigenständig Hand am Motor anlegen: Ali Torabi, hier mit Ausbilder Wolfgang Grote, ist jetzt Kfz-Mechatroniker-Geselle.
Darf jetzt auch eigenständig Hand am Motor anlegen: Ali Torabi, hier mit Ausbilder Wolfgang Grote, ist jetzt Kfz-Mechatroniker-Geselle. © Kolossa, Julius

„Ich wollte schon immer was mit Autos machen“, sagt Ali Torabi. In Balve hat sich sein Berufswunsch erfüllt. Seit Januar ist der aus Afghanistan geflohene junge Mann Kfz-Mechatroniker.

Ausgebildet wurde er im Autohaus Levermann – und dort jetzt auch übernommen.

Bis zur abgeschlossenen Berufsausbildung war es für den 21-Jährigen jedoch ein steiniger Weg: „Vor sieben Jahren bin ich wegen des Krieges aus meiner Heimat Afghanistan geflohen, habe mich etwa einen Monat lang mit einem Freund durchgeschlagen.“ Zunächst in die Türkei, von dort nach Griechenland. Sein Ziel war Deutschland, wo er in Balve eine Zuflucht fand.

Schule abgebrochen, Praktikum durchgezogen

In einer Jugendgruppe der Jugendhilfe am „Amselfeld“ in Garbeck kam er unter. Torabi erinnert sich: „Mein Betreuer vermittelte mir einen Platz an der Hauptschule und ein Jahrespraktikum beim Autohaus Levermann.“ Die Schule brach er ab, das Praktikum zog er durch. „Die Sprache war das schwierigste“, blickt er zurück. Es galt, das Fachvokabular in der Autowerkstatt zu lernen. „Der praktische Teil liegt mir.“ Um diesen zu erlernen, stand ihm Ausbilder Wolfgang Grote all die Zeit zur Seite. „Ali hat eine tolle Entwicklung gemacht in den vier Jahren, die er bei uns ist, passt sehr gut in unser Team“, lobt Grote. Diese Gemeinschaft ist es auch, die Torabi an seinem Arbeitsplatz gefällt. „Und die Arbeit.“

Deshalb sieht der 21-Jährige seine berufliche Zukunft weiterhin in Balve. Dankbar sagt er: „Ich bin damals gut aufgenommen worden“, denkt er gerne an seinen Start zurück. Seine Wohnung hat Torabi inzwischen allerdings in Menden. „Vorerst habe ich ein zweijähriges Aufenthaltsrecht in Deutschland“, erzählt er.

Kontakt mit der Familie nur über soziale Netzwerke

Seine Familie, die im Iran lebt, hält er regelmäßig mit Neuigkeiten aus dem Sauerland auf dem Laufenden. Und so ist es auch umgekehrt. „Es geht ihnen nicht so gut wie mir hier in Deutschland“, fasst Torabi zusammen. Trotz der Berufstätigkeit seines Bruders sei das Leben dort schwer. „Aber ob und wann sie alle nach Deutschland kommen können, das ist sehr kompliziert.“ Inzwischen seien fast alle Grenzen dicht. „Da durchzukommen ist sehr riskant und wenn, auch sehr teuer“, sagt Torabi. Deshalb bleibe der Kontakt vorerst weiterhin nur durch die sozialen Medien bestehen.

Stolz auf den Werdegang, den sein neuer Kfz-Mechatroniker-Geselle hingelegt hat, ist Wolfgang Grote: „Ali ist bisher der einzige Flüchtling, der bei uns ausgebildet wurde.“

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